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Von – 10. November 2015

Religion und Naturwissenschaft: zwei Seiten einer Medaille

Die zu enge Verquickung von Naturwissenschaft und Religion im Mittelalter sei für die Kirche verhängnisvoll gewesen, meint der Astrophysiker und Philosoph Harald Lesch. Spätestens als die Theologen nicht anerkannten, dass die Erde rund ist, habe die Kirche an Glaubwürdigkeit verloren. „Sie hätte sich nicht in das einmischen sollen, was mess- und zählbar ist.“

Foto: Achim Schrepfer/Flickr.com cc by-nc-sa

Foto: Achim Schrepfer/Flickr.com cc by-nc-sa

Zum Thema „Es werde Licht – die Genesis und der Urknall“ hatten der physikalische Verein und die Evangelische Akademie eingeladen. Trotz schönstem Herbstwetter war der große Hörsaal auf dem Campus Westend der Goethe-Universität voll.

Religion sei die Ausformung der von Menschen schon vor Urzeiten erzählten Geschichten über den Anfang der Welt, so Lesch. Sie gehe der Frage nach, wer wir sind und welchen Sinn es hat, auf der Welt zu sein. Ziel der Naturwissenschaften sei es hingegen, überprüfbares Wissen zu entdecken und zu beschreiben.

Empirische Forschung versuche, die Naturgesetze am Universum zu überprüfen. Der Urknall habe vor 13,8 Milliarden Jahren stattgefunden, und es gelinge immer genauer, die Strukturbildung im Kosmos mit den Mitteln der Quantenphysik zu beschreiben. Die alten Mythen der Naturvölker und die biblische Genesis würden von der Physik bestätigt: „Mythen, Religion und Physik erzählen, dass es eine Ordnung im Kosmos gibt“, sagte Lesch.

Religion könne dabei andere Fragen stellen als die Naturwissenschaft. So könne man etwa drängende ökologische Fragen ökonomisch betrachten oder unter biologischen Gesichtspunkten. Aber angesichts des Klimawandels müssten „wir uns dringend fragen, was uns die Natur wert ist.“ Genau darauf könne Religion eine Antwort geben: „Natur ist gewollte Schöpfung, die wir mit Würde behandeln müssen.“ Die Politik wiederum hätte schon längst Schlüsse aus den natürlichen Grenzen des Wachstums ziehen müssen. „Hätte man schon in den Fünziger Jahren Windkrafträder gebaut, statt das Problem des Atommülls einfach zu verdrängen, hätten wir heute deutlich weniger Probleme.“

„Die Genesis und der Urknall können sehr gut miteinander“, fasste er seine Überlegungen zusammen. „Beide erzählen großartige Geschichten. Sie zeugen von unserer Fähigkeit, Fragen zu stellen. Die Naturwissenschaften stellen die Frage: Wie ist die Welt beschaffen? Die Religion fragt: Was tue ich hier? Wie gehe ich mit der Welt um? Welchen Sinn hat unser Dasein?“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 10. November 2015 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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