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Von – 28. Februar 2016

Bügelnde Männer sind auch 2016 noch was Besonderes

In der Ginnheimer Bethlehemgemeinde treffen sich seit zwei Jahren die „Ironmen“ zum gemeinsamen Bügeln. Eigentlich keine große Sache. Aber dass Männer sich um faltenfreie Wäsche kümmern, scheint auch im Jahr 2016 noch etwas Besonderes zu sein.

Ironmen in Frankfurt Griesheim - weil gemeinsames Bügeln mehr Spaß macht. Foto: Rolf Oeser

Ironmen in Frankfurt Griesheim – weil gemeinsames Bügeln mehr Spaß macht. Foto: Rolf Oeser

Erst der Kragen, dann die Ärmel und die Schulterpartie, die eine Seite, die Mitte und dann die andere Seite. So, hab ich mal gelernt, bügelt man ein Hemd. Aber Werner Watzik, Claus Kronenberg, Fred Kortzendörfer und Gerhard Pfahl, die jeder mit einem Korb Bügelwäsche ins Gemeindehaus Griesheim gekommen sind, haben ihre eigene Methoden. Der eine bügelt sein Hemd zugeknöpft von vorne, der andere fängt in der Mitte an, und die beiden anderen bügeln gar kein Hemd, sondern Bettbezüge und lassen dabei die Dampfbügeleisen zischen.

„Das ist auch der Grund, warum wir als Ironmen eine Männergruppe sind“, sagt Gemeindepädagoge Gerhard Pfahl. „Die meisten Frauen würden wahrscheinlich sofort sagen, das muss man so und so machen.“ Als Pfahl die „Ironmen“ vor knapp zwei Jahren gegründet hat, ging es ihm nicht um das perfekt gebügelte Wäschestück. Der Gemeindepädagoge, der für Griesheim, Niederrad und Nied zuständig ist, wollte vor allem, dass Männer über 55 etwas zusammen machen und dabei ein Gespräch entsteht. Das funktioniert.

„In der Silvesternacht in Köln hätte mehr Polizei sein müssen“, sagt Watzik gerade. „Ja, aber Herr Schäuble spart an den falschen Stellen“, schimpft Kronenberg. „Bei der Polizei, bei Kindergärten und sozialen Einrichtungen. Während in der Wirtschaft Steuern gespart werden dürfen. Das ist doch nicht gerecht!“ Zum Thema Sparen haben die anderen auch noch etwas zu sagen. Schon ist eine lebhafte Diskussion im Gang. Später erzählt Watzik einen Witz.

Die „Ironmen“ sind mittlerweile berühmt. Die Nachrichtenagentur dpa hat einen Artikel über die bügelnden Männer neunzig Mal verkauft, verschiedene Zeitungen haben über sie geschrieben, RTL und ZDF haben sie gefilmt. Auf einer Messe der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, bei der gute Ideen für die Gemeindearbeit prämiert wurden, bekam die Gruppe einen Preis.

Jetzt duftet es im Gemeindehaus nach frisch gebügelter Wäsche. Kronenberg füllt destilliertes Wasser in sein Bügeleisen nach. Watzik führt den anderen eine Methode vor, mit der man ein T-Shirt mit nur einem Handgriff zusammenlegen kann. „Das hat ein Japaner erfunden“ erzählt er. „Das kann man sich auch auf You-Tube ansehen.“

Die Ironmen, sagt er, seien sein Hobby. Trotzdem ist es auch im Jahr 2016 offenbar noch ungewöhnlich, dass Männer Spaß am Bügeln haben. Ein Nachbar habe ihn, „im Scherz, aber immerhin!“,  gefragt, ob er „vom anderen Ufer“ sei, sagt Kronenberg. Pfahl erzäht, dass manche ältere Männer, die er dazu eingeladen hat, zur Antwort geben: „Wofür hab ich denn eien Frau?“ Jüngere hingegen würden behaupten, sie hätten nichts zu bügeln. „Aber ich kenne viele Singles, die müssen natürlich ihre Hemden für den Job bügeln“, sagt Kronenberg. „Nur bekennen sie sich nicht dazu.“

Pfahl erzählt aber auch von einem Mann, der eine Zeitlang bei den Ironmen die Blusen für seine Frau gebügelt hat, die bei Lufthansa arbeitete und jeden Tag perfekt aussehen musste. „Der hat damit zuhause echt gepunktet“, sagt der Pädagoge. Die anderen drei Ironmänner schmunzeln.

„Ironmen“ treffen sich immer am 2. Freitag im Monat im Gemeindhaus Jägerallee 28 um 19.30 Uhr. Willkommen sind Männer jeden Alters und aus allen Stadtteilen.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 28. Februar 2016 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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