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Von – 10. Februar 2016

Wie eine Mutter

Üblicherweise wird Gott als Mann – gerne auch als alter Mann mit weißem Bart – dargestellt. In der Bibel geht es allerdings vielfältiger zu. Die aktuelle Jahreslosung aus dem Buch des Propheten Jesaja vergleicht Gott mit einer tröstenden Mutter.

Foto: David Laurens/Colourbox

Foto: David Laurens/Colourbox

Ich sehe die Szene vor mir: Das Kind läuft über den Platz, den rechten Arm in die Höhe gestreckt, in der Hand ein Band. Am Ende des Bandes hängt ein Luftballon. Je schneller das Kind läuft, umso besser und höher fliegt der Ballon hinter ihm her. Das ist schön anzusehen und macht dem Jungen anscheinend große Freude. Ein wunderbares Geschenk ist dieser Luftballon!

Plötzlich stolpert der Kleine und fällt. Weinend läuft er seiner Mutter entgegen, die schon auf dem Weg zu ihm ist. Sie nimmt ihn auf den Arm, pustet in seine Hand, schimpft das Straßenpflaster aus und singt ihm ins Ohr: „Heile, heile Gänschen, ist bald wieder gut.“

Eigentlich es unsinnig, was die Mutter da tut. Die Schramme in der Hand verschwindet ja nicht vom Streicheln und Singen. Aber trotzdem ist es heilend, denn das Kind beruhigt sich, der Schrecken und die Schmerzen scheinen weniger schlimm zu sein. Trost bewirkt Wunder.

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ So lautet die evangelische Jahreslosung für das Jahr 2016. Es ist der 13. Vers aus dem Kapitel 66 des Buches vom Propheten Jesaja im Alten Testament. Aber was genau ist das, Trost? Man könnte definieren: eine der Situation angemessene empathische Zuwendung an jemanden, der oder die seelischen oder körperlichen Schmerz zu ertragen hat. Oder es, weniger theoretisch, mit einem Beispiel erklären: Trost ist, wenn dir jemand nach einer durchzechten Nacht eine Kopfschmerztablette reicht und sich bemüht, nicht allzu laut zu sprechen. Trost kann durch Handeln, Gesten oder Worte gespendet werden.

Wer andere trösten möchte, muss vor allem aufmerksam sein: Nicht alles ist in jeder Situation hilfreich. Und nicht jeder Schmerz lässt sich wegpusten oder wegsingen. Wer Trost braucht, will ernst genommen werden. Das bedeutet, die Verzweiflung oder Trauer des anderen so anzunehmen, wie sie zum Ausdruck gebracht wird – und nicht gleich zu betonen, dass man selbst die Situation ja gar nicht soooo schlimm findet, oder mit guten Ratschlagen zu kommen, was bei einer selbst schon mal geholfen hat.

Der Vers über das Trösten beim Prophet Jesaja steht im Zusammenhang mit einer Gesellschaftsordnung, die der Gerechtigkeit und dem Recht Gottes entspricht. Gott ist laut Jesaja die Macht über das Leben, die Trost und Heil schaffen kann, und die Kraft, die sich auf die Seite der Armen und Elenden stellt.

Und in diesem Zusammenhang beschreibt Jesaja Gott mit Hilfe zahlreicher weiblicher Bilder: Gott schreit wie eine Gebärende, hilft als Hebamme, oder tröstet eben wie eine Mutter. Da drängt sich natürlich die Frage auf: Wie tröstet eine Mutter eigentlich? Tröstet sie anders oder besser als ein Vater?

Es gibt sicher viele Menschen, die ihre Mütter als wenig tröstlich erfahren haben. Nicht selten folgt nach einem Sturz oder Missgeschick von Seiten der Mutter nicht etwa Trost, sondern Schelte: Man hätte besser aufpassen sollen und sei am Missgeschick selber schuld!

Womöglich hat das Bild von der tröstenden Mutter, das Jesaja wählt, erst einmal ganz banale Ursachen: Die Männer waren damals auf dem Feld oder bei der Jagd, während sich die Frauen tagsüber in der Nähe des Zeltes oder der Hütte aufhielten. Deshalb waren sie es, die schnell zur Stelle waren, wenn ein Kind getröstet werden musste.

Monika Astrid Kittler ist Gemeindepädagogin im Gallus und im Europaviertel. Foto: Ilona Surrey

Monika Astrid Kittler ist Gemeindepädagogin im Gallus und im Europaviertel. Foto: Ilona Surrey

Trotzdem erfüllt das Bild der allgegenwärtigen Mutter ein universelles Bedürfnis. Niemand möchte allein sein, wenn er oder sie Trost braucht. Und: Auf Trost will man nicht erst warten müssen, sondern man möchte sofort getröstet werden – wie von einer Mutter, die gleich zur Stelle ist.

So kann uns die Jahreslosung eine freundliche Stütze sein in Zeiten, in denen unsere Gastfreundschaft, unsere Barmherzigkeit und unsere Nachbarschaftlichkeit besonders gefordert sind. Für die, die wenig haben, die ausgegrenzt oder fremd sind.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 10. Februar 2016 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Heinrich Buchholz schrieb am 11. Februar 2016

    Na hoffentlich ist jetzt der Emanzipationskampf nicht öffentlich in der evangelischen Kirche ausgebrochen!Ich besuchte mal einen Gottesdienst hier in der Pfingstkirchengemeinde, da predigte auch eine Pfarrerin ob Gott nicht doch „weiblich“ sei????Am liebsten hätte ich während ihrer Predigt die Kirche verlassen. Hat die Welt sonst keine Probleme als diese weiblichen Minderwertigkeitskomplexe, die jetzt auch aus
    Gott dem Herrn eine Frau machen wollen???
    Ich als gläubiger Christ finde das zum Kotzen!!!!!!!

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