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Von – 24. März 2016

Gedenktag braucht Sinn

Nur wenige begehen den Karfreitag noch bewusst als religiösen Feiertag. Doch der Tag ist mehr als bloßer Auftakt für „die Osterfeiertage“.

Für viele sind „die Osterfeiertage“, inklusive Karfreitag und Karsamstag, eine gute Gelegenheit für Kurzurlaube, Feste und private Geselligkeit. Schwer zu vermitteln, dass nach christlicher Logik das Feiern eigentlich erst für den Ostersonntag vorgesehen ist. Foto: rawpixel.com / fotolia.com

Für viele sind „die Osterfeiertage“, inklusive Karfreitag und Karsamstag, eine gute Gelegenheit für Kurzurlaube, Feste und private Geselligkeit. Schwer zu vermitteln, dass nach christlicher Logik das Feiern eigentlich erst für den Ostersonntag vorgesehen ist. Foto: rawpixel.com / fotolia.com

Der Karfreitag, an dem Jesu Kreuzigung gedacht wird, ist einer der höchsten christlichen Feiertage – aber kaum jemand begeht ihn noch. Der Gottesdienstbesuch ist an diesem Tag kaum höher als an einem x-beliebigen Sonntag – 977 000 Teilnehmende hat die Evangelische Kirche in Deutschland bei der letzten Erhebung 2013 gezählt, das sind grade mal vier Prozent der Evangelischen. Selbst an Erntedank gehen doppelt so viele in die Kirche, ganz zu schweigen von Heiligabend, wo achteinhalb Millionen Menschen einen evangelischen Gottesdienst besuchen.

In der allgemeinen Wahrnehmnung ist der Karfreitag längst zum bloßen Auftakt für „die Osterfeiertage“ geworden, jenes lange Wochenende, das verlässlich von Freitag bis Montag dauert, weil Ostern immer auf einen Sonntag fällt. Damit sind diese Tage eine gute Gelegenheit für private Geselligkeit, für Kurzurlaube, für größere Feiern, zu denen viele Leute anreisen sollen. Und wenn auch manche vielleicht zögern, die ganz große Party direkt an Karfreitag zu schmeißen, so spricht doch bestimmt nichts gegen den „Ostersamstag“! Dass es eigentlich „Karsamstag“ heißt, weil das Feiern und die Freude erst mit Jesu Auferstehung, also am Ostersonntag beginnen soll – diese Überlegung spielt faktisch nur noch für wenige eine Rolle.

Die deutsche Gesetzgebung schützt den Karfreitag zwar noch als „stillen Feiertag“, doch vielleicht ist das nur eine Frage der Zeit. Immer mehr Menschen ziehen den Sinn solcher Regelungen ja in Zweifel, wie die Debatten über das Tanzverbot gezeigt haben. Doch ein Feiertag, den kaum noch jemand inhaltlich begeht, ist auf lange Sicht gefährdet: Wenn der Karfreitag in seiner eigenständigen Bedeutung dauerhaft keine gesellschaftliche Rolle mehr spielt, könnten „die Osterfeiertage“ bald kürzer sein.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 24. März 2016 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Jutta Fey schrieb am 25. März 2016

    Mit Interesse habe ich die Artikel „Gedenktag braucht Sinn“ und „Würden Sie an Karfreitag feiern?“ gelesen. Es paßte zudem, was ich kurz zuvor in der Stadt erlebt hatte.
    Ich suchte einen ruhigen Ort zur Besinnung und um von einem mir wichtigen Menschen, den ich verloren habe, symbolisch Abschied zu nehmen. Es war unmöglich einen solchen Ort zu finden! Weder am Main, noch in einer Kirche habe ich gefunden, was ich gesucht habe, obwohl letztere an einer Tafel auch noch beschrieb, daß Kirche ein Ort sei, an dem man im Trubel der Großstadt Ruhe finden könne.
    Weit gefehlt! Die Menschen haben keinerlei Respekt mehr vor diesem Tag und den Bedürfnissen jener, die ihn besinnlich begehen wollen. Bereits heute morgen wurde ich durch lautstarkes Hämmern geweckt. Ich fühle und fühlte mich sehr gestört!

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