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Von – 16. März 2016

Plädoyer für eine geschlechtergerechte Sprache

Die Publizistin und Redakteurin von Evangelisches Frankfurt, Antje Schrupp, stellte im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum neue Ansätze einer feministischen Sprachkritik vor. 

Antje Schrupp im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum. Foto: Doris Stickler

Antje Schrupp im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum. Foto: Doris Stickler

Die Ignoranz gegenüber einer geschlechtergerechten Sprache entpuppt sich bisweilen als überaus kontraproduktiv. Im Café Klartext, zu dem das Evangelische Frauenbegegnungszentrum (EVA) am Internationalen Frauentag eingeladen hatte, machte dies Antje Schrupp am Beispiel eines aktuellen Ratgebers zum Umgang mit Geflüchteten deutlich. Der stelle einerseits klar, dass Frauen hierzulande gleichviel Wert und gleichberechtigt sind, liste andererseits aber mit Ausnahme der Krankenschwester angeführte Berufe nur in der männlichen Form auf. Nach dem Urteil der Publizistin wäre schon viel gewonnen, wenn in dem Ratgeber etwa Polizistinnen auf den Fotos zu sehen wären.

Was insgesamt die Diskussion um eine geschlechtergerechte Sprache anbelangt bedauert die Publizistin und Redakteurin von „Evangelisches Frankfurt“ zwar, dass das Bemühen inzwischen deutlich nachgelassen. „Selbst die Zeitschrift Emma benutzt keine inklusive Sprache mehr.“ Zugleich riet sie davon ab, deren Verwendung mit verbittertem Ernst voranzutreiben. Sie bevorzuge einen spielerischen Umgang, der Raum zum Ausprobieren und Experimentieren gewährt.

In ihren eigenen Texten verwendet Antje Schrupp mal die weibliche, mal die männliche Form und setzt bei längeren Abhandlungen den Unterstrich ein. Der verdränge ohnehin immer mehr das vor allem von älteren sprachbewussten Menschen präferierte „große I“. Jüngere würden also statt „LeserInnen“ meist „Leser_innen“ schreiben.

Für die große Mehrheit gelte aber nach wie vor: Wenn es um gemischtgeschlechtliche Gruppen oder um Personen unbekannter Geschlechtszugehörigkeit geht, wird das generische Maskulinum gewählt. Dabei ist die Behauptung, bei der männlichen Pluralform werden Frauen automatisch mitgedacht, ihrer Erfahrung nach schlichtweg falsch. Die Politikwissenschaftlerin versteht zwar, dass oftmals stilistische Gründe einer geschlechtergerechten Sprache im Wege stehen. Dennoch hält sie es für „wichtig, weiterhin daran zu arbeiten“. Zumal etliche Studien belegten, wie stark die Sprache das Denken und Handeln bestimmt. Würden etwa Kindern Berufe geschlechtergerecht vorgestellt, seien Mädchen eher bereit, typische Männerberufe zu ergreifen.

Sprache sei ständig im Wandel begriffen und letztlich eine Gewohnheitssache, sagt Antje Schrupp, „ein Aushandlungsprozess der Menschen, die sie benutzen“. So hätten die Verfasser der Bibel das Wort „Herr“ auf Gott gemünzt, um zum Ausdruck zu bringen, dass Gott höher steht als irdische „Herren“, von denen es damals nur wenige gab. Heute hingegen werde jeder Mann ein „Herr“ genannt, das Wort habe demnach eine völlig andere Bedeutung angenommen.

Noch offen ist für sie allerdings die Frage: „Wie gehen wir mit historischen Texten um, die eine andere Sprache abbilden als heute üblich?“ In dieser Hinsicht hob Antje Schrupp zwei Beispiele gelungener Antworten hervor: In den neu aufgelegten Ausgaben von Pipi Langstrumpf wurde aus dem vormaligen „Negerkönig“ ein „Südseekönig“ gemacht, und die Bibel liegt inzwischen auch „in gerechter Sprache“ vor. Wie eine an der geschlechtergerechten Version beteiligte Café Klartext-Besucherin erzählte, habe sie hierbei „unglaublich viel gelernt“. Ihr sei erst bei der Übertragung aufgefallen, welchen „Reichtum an Feinheiten und Zwischentönen“ die Schrift zu bieten hat.

„Sprache“ ist in 2016 das Jahresthema im EVA, mit zahlreichen weiteren Veranstaltungen.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 16. März 2016 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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