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Von – 19. März 2016

Schwarz und deutsch: „Story Telling Salon“ in Sankt Peter

Vor dreißig Jahren gründeten engagierte Frauen die „Initiative Schwarze Deutsche“. Zum Jubiläum gab’s eine Buchvorstellung mit Party in der Jugendkulturkirche Sankt Peter.

web-coverseiteeinspapierfarbenSie hatten es satt, immer wieder Sätze wie „Sie sprechen aber gut deutsch“ oder die Frage „Woher kommen Sie denn?“ zu hören. Nicht länger gewillt, ihr Dazugehören ständig abgesprochen zu bekommen, schritten vor dreißig Jahren einige Frauen zur Tat. „Wir nannten uns Schwarz und wir reklamierten das Deutschsein“, fasst Eleonore Wiedenroth-Coulibaly die Geburt der „Initiative Schwarze Deutsche“ (ISD) zusammen.

„Es war ein politischer Akt der identitären Selbstbehauptung.“ Zu den Frauen der ersten ISD-Stunde gehörend, stieß die Übersetzerin bundesweit Projekte an, die „Schwarzen Identitäten“ Raum gewährten. Wegweisende Zeichen setzte damals auch die ISD-Mitbegründerin May Ayim. Mit dem Buch „Farbe bekennen“ sorgte die Pädagogin und Publizistin 1986 dafür, dass die Lebenssituation afro-deutscher Frauen erstmals ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte.

Der anfangs vom Ökumenischen Weltkirchenrat finanziell unterstützte ISD ist heute ein gemeinnütziger Verein, der sich „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ nennt und in zahlreichen Städten vertreten ist. Vor dem Hintergrund seines dreißigjährigen Bestehens gaben sechs Frauen der ISD-Frankfurt den Sammelband „Spiegelblicke – Perspektiven Schwarzer Bewegung in Deutschland“ heraus. Mehr als 50 Frauen und Männer aus unterschiedlichen Generationen zeichnen hier in Reportagen, biografischen Texten und Gedichten vergangene und gegenwärtige Lebensrealitäten Schwarzer Menschen nach. In der Jugendkulturkirche Sankt Peter wurde das Buch im Rahmen eines „Story Telling Salons“ vorgestellt.

Die ausschlaggebende Rolle, die die Hautfarbe bei der Suche nach einem Job oder einer Wohnung spielt, kam hierbei ebenso zur Sprache wie der alltägliche Rassismus im Kulturbetrieb oder die Begegnung mit Angela Davis, die 2013 eine Gastprofessur in Frankfurt inne hatte. Eleonore Wiedenroth-Coulibaly rief neben den Anfängen der ISD zudem die jahrzehntelange Ignoranz gegenüber Schwarzen Holocaustopfern oder den Umgang mit so genannten „Besatzungskindern“ in Erinnerung. Für Mitherausgeberin Hadija Haruna-Oelker verwirklichte die ISD Frankfurt mit „Spiegelblicke“ eine Vision. Habe man das 25-jährige Jubiläum nur mit einem Folder würdigen können, werde in dem Buch nun auf knapp 300 Seiten das gewachsene Selbstbewusstsein der Schwarzen Community dokumentiert, die in der weißen Mehrheitsgesellschaft eine Art Schicksalsgemeinschaft bilde.

Cover_Spiegelblicke1711WebDas verdeutlicht auch das zweite, im „Story Telling Salon“ präsentierte Werk „Sisters and Souls“, das anlässlich des 20. Todestages von May Ayim erschienen ist. Herausgeberin Natasha Kelly begreift das Buch denn auch als „Ergänzung zu ‚Spiegelblicke’“. Aus feministischer Perspektive von 25 Frauen mit unterschiedlichen Bildungshintergründen, sexuellen Orientierungen und Altersgruppen geschrieben, richte sich das Augenmerk der Anthologie auf die doppelte Diskriminierung Schwarzer Frauen: die rassistische und sexuelle. „Es ist der Versuch, mit Weißen Sprach- und Denkgewohnheiten zu brechen“, so die an der Berliner Humboldt Universität lehrende Kommunikationswissenschaftlerin. Schwarz-Sein sei schließlich eine sozialpolitische Kategorie und hänge nicht von der Hautfarbe ab.

Wie sehr ein „weiblicher und Schwarzer Zugang zur deutschen Geschichtsschreibung“ von Nöten ist, führen ihr unter anderem die Schulbücher vor Augen. Hier würden „noch immer koloniale Bilder reproduziert“. „Literatur war schon immer ein Medium, um alternative Lebensentwürfe zu demonstrieren“, hob Natasha Kelly hervor. „Sisters and Souls“ zeige allerdings nur einen „Ausschnitt der vergangenen zwanzig Jahre“ und greife nicht alle Themen auf. So fehlten etwa die Transgenderdebatten. Im Grund verfolgen beide Bücher ein Anliegen, das die Frankfurter ISD auch mit dem „Story Telling Salon“ verknüpfte. Unter dem Motto „Zurückblicken, Bilanz ziehen und Zukunftsvisionen entwickeln”, sollte der Erzähl- und Lese-Abend „Denkprozesse anregen, die Schwarze Community stärken und Bündnisse schaffen“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 19. März 2016 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe .

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