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Von – 27. März 2016

Wildes Auferstehen

Die Hoffnung auf Auferstehung ist nichts originell Christliches, sondern wurzelt im Alten Testament. Und der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist in vielen Religionen zuhause. Grund genug, den Osterglauben nicht einzuengen.

Foto: Georg Magirius

Foto: Georg Magirius

Viele Christen jedoch, darunter sich fortschrittlich gebende Theologen wie Eugen Drewermann und Notger Slenzka, stellen den Rang des Alten Testaments in Frage, wollen es im Namen Jesu oft sogar aus dem christlichen Kanon elimineren. Jesus selbst allerdings hätte ohne Rückgriff auf die jüdische Tora und die Propheten seine eigene Auferstehung nicht erklären können, berichtet das Lukasevangelium im 24. Kapitel.

Im Alten Testament findet sich eine staunenswerte Vielfalt an Bildern und Symbolen, die gegen den Tod protestieren: Beim Propheten Hesekiel wird erzählt, wie Knochen zusammengesetzt und mit Fleisch umhüllt werden. Die Samuelbücher wissen von einem Totengeist, der aus der Erde gerufen wird. Versprochen wird bei Jesaja: Kinder sterben nicht mehr, sondern werden 100 Jahre alt. Die Stimme des Weines wird man nie mehr hören.

Slapstick am Grab

Auch Slapstickartiges ist zu finden: Ein Mensch fällt ins Grab eines angesehenen Propheten und fängt zu leben an. Ein anderer Prophet wiederum geht über den Jordan und wird von einem Wettersturm gen Himmel gerissen. Verbreitet ist im Alten Testament freilich nicht allein der Glaube an ein Leben nach dem Tod. Stattdessen gibt auch die Vorstellung, dass Gott aus einem todesähnlichen Zustand befreit und zurück ins hiesige Leben ruft.

Die Geschichten vom Aufstehen und Auferstehung wirken maßlos, kurios, märchenhaft, schräg, befreiend: Warum soll Ostern ein Fest allein für Rechtgläubige und Überchristen sein? Womöglich ist es noch viel mehr ein Fest für Skeptiker, Zweifler, Halb- und Wildgläubige. Denn der wildwüchsige Hoffnungsreichtum des Alten Testaments ermutigt, die eigenen Lebensträume nicht verarmen zu lassen.

Mehr zum Thema in der Sendung Camino, Hessischer Rundfunk, Ostern 2016, „Die Stimme des Weinens wird man nicht mehr hören. Aufstehen und Auferstehung im Alten Testament“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 27. März 2016 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Georg Magirius ist Theologe und Schriftsteller und Kolumnist bei "Evangelisches Frankfurt". Mehr unter www.georgmagirius.de.

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