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Von – 18. April 2016

Auf Luthers Spuren durch Frankfurt

Ein „Silber- und Goldloch, durch das alles abfließt, was wächst und gedeiht“ war Frankfurt für Martin Luther. Dass der Reformator dennoch gleich zweimal in dem „Sündenpfuhl“ übernachtete – auf dem Hin- und auf dem Rückweg – hing allein mit praktischen Gründen zusammen: Die Stadt lag auf seinem Weg nach Worms, wo er 1521 die „ketzerischen“ Thesen vor dem Reichstag verteidigte.

Am Anfang der Buchgasse rechts, wo heute das Bankhaus Bethmann steht, war die Gaststätte "Zum Strauß", in der Martin Luther zweimal übernachtet hat. Foto: Rolf Oeser

Am Anfang der Buchgasse rechts, wo heute das Bankhaus Bethmann steht, war die Gaststätte „Zum Strauß“, in der Martin Luther zweimal übernachtet hat. Foto: Rolf Oeser

Die Stippvisite dürfte ihm dennoch gefallen haben. „Kaum hatte Luther sein Quartier im Gasthaus ‚Zum Strauß’ bezogen, traf schon eine Lieferung Malvasierwein ein“, verriet Pfarrer Jeffrey Myers beim Rundgang „Auf Luthers Spuren“. In Gesellschaft der edlen Spenderin und anderer Honoratioren habe Luther dem süßen Tropfen sowie den „Freuden der Musica“ dann bis spät in die Nacht gehuldigt. Die Zuversicht, die er laut Überlieferung an diesem Abend bezeugt haben soll, wurde freilich anderntags zerstört: Weil Luther in Worms seine Thesen nicht widerrufen hatte, belegte ihn der Papst mit dem Bann.

Angesichts des großen Interesses – rund 70 Frauen und Männer waren bei dem Rundgang dabei – bedauerte Myers es umso mehr, dass vom Aufenthalt des Reformators heute kaum noch sichtbare Zeugnisse erhalten sind: Wo früher der Gasthof zum Strauß war, steht heute das Bankhauses Bethmann, nur ein Wandbild mit Straußenvogel erinnert daran. Auch an den anderen Stationen konnte Myers die Spuren des Epoche machenden Kurzbesuchers nur vermittelt vor Augen führen.

Etwa in der Buchgasse, wo eine Stele an die über 500-jährige Tradition der Buchmesse erinnert: In Frankfurt nahm die Verbreitung der Luther-Bibel ihren Ausgang; während der Herbstmesse 1520 verkaufte ein einziger Händler allein 1400 Exemplare. Den Reformator scherte das allerdings wenig. „Ich habe die Hoffnung meines Evangeliums nicht auf euer Frankfurt gesetzt“, ließ er wissen, nachdem die Lenker der Krönungsstadt allzu viel Rücksicht auf die katholische Majestät nahmen.

Gleichwohl bekannte man sich in Frankfurt durchaus schon früh und auch offensiv zu Luthers Lehre. Jeffrey Myers, der in einem Projektteam der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für die Reformationsdekade mitarbeitet, macht auf dem Rundgang auch vor der Paulskirche halt, in deren Vorgängerin 1528 das erste evangelische Abendmahl Frankfurts gefeiert wurde. Selbst der Dom kam während der religiösen Umbrüche nicht ungeschoren davon: Auf Druck des Bürgertums wurde er 1533 zur evangelischen Hauptkirche umgewidmet, damit einher ging sogar die Abschaffung des katholischen Kirchenwesens. Zwei Jahre später erhielten die Katholiken allerdings Gotteshaus und Rechte wieder zurück – nicht zuletzt, weil Philipp Melanchthon dazu geraten hatte. Manche Protestanten hielt das freilich nicht von Sticheleien gegen die Papisten ab.

Pfarrer Jeffrey Myers ist stellvertretender Beauftragter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für die Reformationsdekade - und hat so mancherlei Wissenswertes über die Beziehung des Reformators zu Frankfurt herausgefunden. Foto: Rolf Oeser

Pfarrer Jeffrey Myers ist stellvertretender Beauftragter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für die Reformationsdekade – und hat so mancherlei Wissenswertes über die Beziehung des Reformators zu Frankfurt herausgefunden. Foto: Rolf Oeser

Auf welche Weise man damals Seitenhiebe verteilte, zeigte Jeffrey Myers am ehemaligen Standort des Hauses „Zum Luther“ auf. Die Existenz eines solchen war den Rundgangteilnehmenden ebenso unbekannt wie das namensgebende Steinrelief, das Luthers Kopf und die Inschrift „Im Schweigen und Hoffen wird eure Stärke sein“ trug. Wie der Theologe in Erfahrung brachte, tat der Besitzer hier seinen Spott gegen die katholischen Stiftsgeistlichen im gegenüber liegenden Bartholomäus-Dom kund. Das Haus in der Kannengießergasse wurde zwar bei der Bombardierung im März 1944 zerstört. Im Eingang der dort errichteten Gaststätte „Paulaner“ ist heute aber eine Abbildung des Reliefs zu sehen.

Am Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg beendete Myers die mit historischen Fakten und allerlei Anekdoten gewürzte Spurensuche. Dort, in der Alten Nikolaikirche, sei seines Wissens seines Wissens die erste reformatorische Predigt in Frankfurt gehalten worden.  Luther selbst dürfte das im 13. Jahrhundert errichtete Gotteshaus allerdings wohl kaum betreten haben. Der Reformator war ja lediglich auf Durchreise in Frankfurt und besuchte auch später nie mehr jene Stadt, die seinem Urteil nach „der Habsucht Raum gegeben und der Hölle alle Türen und Fenster geöffnet“ hat.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 18. April 2016 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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