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Von – 6. April 2016

Das mit dem Reißverschluss

Die Autorin und Bloggerin Johanna Rundel ist nicht nur im Netz aktiv, sondern auch in ihrem Stadtteil Seckbach.

Das Selbermachen erklären: „Do-it-yourself“-Bloggerin Johanna Rundel leitet einen Nähkreis, immer donnerstags in der Mariengemeinde. Foto: Rolf Oeser

Das Selbermachen erklären: „Do-it-yourself“-Bloggerin Johanna Rundel leitet einen Nähkreis, immer donnerstags in der Mariengemeinde. Foto: Rolf Oeser

Auf die richtige Hülle kommt es an. Zum Beispiel bei langen Autofahrten mit quengelnden Kindern auf dem Rücksitz. Johanna Rundel empfiehlt hierfür einen „Activity Bag“, einen selbst genähten Turnbeutel aus witzigem Stoff mit Blumen, Äpfeln oder wilden Tieren. Oder Dinos. Oder rosa Herzchen. Was auch immer gefällt.

„Bevor ich Kinder hatte, habe ich meine Reiselust noch mal so richtig ausgekostet: Südamerika unsicher gemacht und ein halbes Jahr die Welt bereist.“ Seit 2008 ihre Tochter und drei Jahre später ihr Sohn geboren wurden, ist die Familie fast nur noch mit dem Auto unterwegs. „Mal geht es nach Dänemark, mal nach Südfrankreich oder ins Sauerland. Ich habe es zum Ritual gemacht, vorher für jedes Kind einen Beutel mit kleinen Beschäftigungsmöglichkeiten zusammenzustellen. Es gibt neue Buntstifte, ein Zeichenheft, Rätselblöcke, Ausmalbücher und Hörspiele.“

Wie man einen solchen „Activity Bag“ näht, erklärt die 36-Jährige in ihrem Blog www.johannarundel.de. Aber weil sie nicht nur im Internet, sondern auch in ihrem Stadtteil Seckbach verwurzelt ist, baut Johanna Rundel jeden Donnerstagabend um 20 Uhr im Gartensaal der Mariengemeinde die Nähmaschine auf, zusammen mit anderen Frauen, die sich oder ihren Kindern individuelle Kleidung schneidern oder Deko-Ideen umsetzen wollen.

„Natürlich dürfen auch Männer kommen“, sagt sie. Nähmaschinen und Stoffe müssen die Teilnehmerinnen selbst mitbringen, Tipps gibt es vor Ort. Johanna Rundel bietet den Nähkreis ehrenamtlich an. „Da fragt zum Beispiel eine, ob jemand von den anderen schon mal einen Reißverschluss eingenäht hat oder ein schönes Schnittmuster für eine Babyhose hat.“ Derzeit nähen die Frauen auch kleine Patchwork-Decken für Flüchtlingskinder, die ihnen ein kleines Stückchen Heimat bieten sollen.

Das Internet ist voll von Blogs für DIY-Fans, Freundinnen und Freunde der Do-it-Yourself-Bewegung („Mach es selbst“), doch die gebürtige Frankfurterin Johanna Rundel gehört zu den Stars der Szene. Sie bloggt nicht nur, sondern ist auch Buchautorin und hat bereits online für die Zeitschrift Brigitte gearbeitet. Sie hat ein Bastelbuch für Eltern veröffentlicht, eines über das Kreieren von Designobjekten aus Beton, und ihr neuestes über die japanische Färbekunst Shibori. Mittlerweile kann sie vom Selbermachen und Das-Selbermachen-Erklären leben. Die studierte Produktdesignerin hat sich bereits in ihrer Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach mit dem Thema „Self-Made-Design“, also dem Grenzgebiet zwischen Design und Do-it-Yourself, beschäftigt. Johanna Rundel liebt Flohmärkte und freut sich über den Boom des Selbermachens.

„Lange war die Botschaft: Du kannst alles kaufen, alles im Internet bestellen; da ging viel Individualität verloren“, sagt sie. Ungern denkt sie an die Zeit zurück, als selbst gemachte Geschenke verpönt waren. „Wer etwas verschenkt, das er mit den eigenen Händen hergestellt hat, verschenkt nicht nur einen Gegenstand. Sondern Zeit.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 6. April 2016 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe , .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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