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Von – 12. April 2016

Ohne Orgel und Empore: Gottesdienst im Internet

Wie feiert man Gottesdienst im Internet? Silke Kirch schaltete zum ersten großen Gottesdienst unter dem Motto „Hart am Limit“ auf Sublan.tv, einer eigens eingerichteten Internetplattform, den Computer ein.

Gleich geht's los: Gottesdienst am Computer. Foto: Silke Kirch

Gleich geht’s los: Gottesdienst am Computer. Foto: Silke Kirch

Zeit zum Ausschlafen habe ich an diesem Sonntag reichlich: Der Sublan-Gottesdienst im Internet beginnt erst um 14 Uhr. Sublan – das Wort ist zusammengesetzt aus „Subkultur“ und „W-Lan“ und steht für eine neue Art, Gottesdienst zu feiern: online und interaktiv in einer temporären großen Gemeinde von bis zu 5000 Teilnehmenden. Seit 2009 veranstaltet und betreut Rasmus Bertram, ehemaliger Pfarrer der Jugendkulturkirche Sankt Peter in Frankfurt, Internet-Gottesdienste. Im vergangenen Jahr wurde er von Seiten der EKHN offiziell beauftragt, das Format weiterzuentwickeln.

Angesprochen sind vor allem jüngere Menschen – der Trailer, den ich mir vorab anschaue, deutet in diese Richtung: „Lass meine Mudda aus dem Spiel“ heißt es im Untertitel zur Sendung. Über Smartphone, Tablet oder Rechner lässt sich eine für das Projekt eigens entwickelte App nutzen. Misstrauisch wie ich in Bezug auf Technik bin, wende ich mich vorab an die minderjährigen Technik-Profis in meinem Haushalt, um vorausschauend überprüfen zu lassen, dass auch alles funktioniert. Gott mit dem Smartphone zu erreichen könnte schwierig werden, dachte ich. Vor allem als Mudda.

Eine Viertelstunde vor Gottesdienstbeginn ist Einlass. Anstelle des Trailers werden jetzt Studiobilder gesendet. Dort sieht man geschäftiges Treiben. Predigten, so habe ich gelesen, schreibe Pfarrer Bertram zwar nicht mehr, doch den Gottesdienst bei Sublan.tv vorzubereiten, ist weitaus aufwendiger: Ein etwa 30-köpfiges Team braucht der Pfarrer, um im Filmstudio in Wetzlar einen Gottesdienst live feiern zu können. Es gibt eine sehr smarte Moderatorin, Nena Baumüller, eine Band mit dem Namen „Mal angenommen“, mehrere Chatrooms, eine Wand aus Ziegelsteinen, an der zwei Betende online Gebetswünsche entgegennehmen und Kerzen aufstellen.

Pfarrer Bertram vertritt sein Amt zusammen mit dem Event-Pastor Mickey Wiese. Die beiden sind im Dialog. Da wird sehr locker geredet, auch über Substanzielles, etwa über die Lesung aus Matthäus 18, die von einer jungen Frau gesprochen als Filmaufnahme eingeblendet wird. Sie steht auf einem Dach im Wind vor der Frankfurter Skyline. „Hart am Limit“ – unter dem Motto an diesem Sonntag geht es um Werte, um Konflikte, um Vergeltung, Vergebung und die Frage, was uns heilig ist. Die Gottesdienstbesucher und -beucherinnen sollen Zuschriften einsenden, die dann verlesen und diskutiert werden. Das Ziel ist nicht, alle hörbar zu machen, sondern einen roten Faden zu zwirbeln, der Verbindung schafft. Das braucht merklich Übung.

Während die Band spielt, könnte ich eigentlich auch Wäsche abhängen, denke ich. Obgleich ein Kennzeichen dieses Gottesdienstes Interaktivität ist, fühle ich mich ziemlich sprachlos und untätig. Also tippe ich einen Kommentar in das Teilnahmefeld für Zuschriften und Gebete. 500 Zeichen sind möglich. Als ich den Sendebutton anklicke, gefriert das Bild und lässt sich vorerst nicht wiederbeleben. Die Geschichte von der Rückkehr des verlorenen Sohnes, die ein junger Mann am Fuße einer Treppe stehend liest, bleibt ohne Ende. Aber ich habe ohnehin bald Chorprobe. Auf dem Weg dorthin denke ich über die Akustik von Sakralbauten nach und summe ein Lied.

Mehr Information: www.sublan.tv. Einen weiteren Erfahrungsbericht finden Sie auf Theonet.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. April 2016 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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