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Von – 23. Mai 2016

„Die Tür ist zu“ – Jugendliche rocken mit dem Musical „Respect“

Wer kann von wem Respekt fordern? Ein Thema, bei dem es schon mal laut werden kann: Der Jugendchor „Brothers and Sisters“ rockte bei der Aufführung des Musicals „Respect“ zusammen mit dem Theaterensemble Traumfänger die Jugendkulturkirche Sankt Peter.

"Respekt" auf der Bühne in Sankt Peter. Foto: Ilona Surrey

„Respect“ auf der Bühne in Sankt Peter. Foto: Ilona Surrey

Die gut zwanzig Sänger und Sängerinnen, die sich glücklicherweise beeindruckend viel zutrauten, mischten mit so manchem quirligen Solo das Szenario auf. Vier Schauspielerinnen und Schauspieler belebten das Thema des Abends mit großer Lust an liebevoll ausgetüftelten Charakteren: Ein wortkarger Hausmeister, der mit seinem Besen viel Staub aufwirbelt, eine skurrile alte Dame, die einen nicht nur symbolisch gemeinten Vogel hat, eine aufsässige Spätpubertierende mit Null-Bock-Allüren und eine um Vermittlung und Beschwichtigung bemühte ordnungsliebende, etwas graumäusige Dame – Typ liebenswürdige Nachbarin. Diese drei exemplarischen Damen erwiesen sich als überaus anschlussfähig für die Phantasie des Publikums.

Darum geht es also: Die Jüngste besetzt den Stuhl, von der die Älteste glaubt, dass er ihr zustehe, während die Nachbarin um Vermittlung bemüht ist, ohne es sich verkneifen zu können, ihrerseits Allianzen zu bilden und Vorurteile zu verstärken. Die Patt-Situation ist schnell hergestellt. Jede fordert Respekt für ihre Situation und ihre Bedürfnisse, fühlt sich übervorteilt, ist gekränkt, beleidigt und überfordert. Alle wollen nur noch weg, aber – oh Schreck – die Tür, die farblos mitten auf der Bühne steht, ist zu. Gleißendes Licht dringt durch ihr Schlüsselloch, aber heraus kommt niemand. So sagt es jedenfalls der Hausmeister, und es ist der einzige Satz, den er spricht, diesen allerdings in mehrfacher Wiederholung: „Die Tür ist zu!“ An dieser Behauptung kommt bis zuletzt niemand vorbei.

Das ist, so denkt die besonnene Besucherin, ein wenig wie in Sartres Drama „Geschlossene Gesellschaft“ – die Hölle sind immer die anderen – und nun kann mit Spannung erwartet werden, ob und wie es gelingt, die Situation, aufzulösen. Auf dem Höhepunkt der Spannung allerdings kippt das Thema plötzlich um – nicht mehr um Respekt geht es nun, sondern um massive Verletzungen, welche die alte Dame der jungen Frau – im Freiwilligen Sozialen Jahr im Pflegeheim tätig – zugefügt hat. Aus der Erinnerung der Eingeschlossenen taucht eine Szene auf, an der alle Anteil hatten, in der es um herabsetzendes, quälendes, lustvoll entwürdigendes Verhalten der Älteren gegenüber der Jüngeren geht. An dieser Stelle verliert die Aufführung ihren exemplarischen Charakter und verwandelt sich in eine Erzählung von Machtmissbrauch, Autoritätsverlust und subjektiver Verstrickung, die die Sympathien und Antipathien der Betrachter aufspaltet und eindeutig bindet: Der Jüngeren wurde von den Älteren Unrecht zugefügt.

„Eingang und Ausgang liegen bei Dir“ hieß es dann im Schlusschor – das war fast ein wenig wie die Moral einer wohlmeinend aufklärenden Warn- und Abschreckgeschichte. Angesichts der anfänglichen mitreißenden Steilvorlage ließ das Ende etwas ratlos zurück. Ob die Tür sich öffnen lässt? Diese Frage haben wir allerdings gerne mitgenommen.

Nächste Aufführung: Freitag, 27. Mai, 16 Uhr, Capitol/Offenbach.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 23. Mai 2016 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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