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Von – 8. Mai 2016

Konfirmation: Ja Sagen zum Glauben und zur christlichen Gemeinde

800 Jugendliche werden in diesen Wochen in Frankfurt konfirmiert. Was macht die Kirche für 13- und 14-Jährige interessant?

Jesus zieht mit seinen (beziehungsweise hier: ihren) Jüngerinnen und Jüngern in Jerusalem ein: Im Nordend ist es schon eine gute Tradition, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden ein Passionsspiel entwickeln und aufführen. Hier die diesjährige Aufführung am Palmsonntag in der Gethsemanekirche. Foto: Rolf Oeser

Jesus zieht mit seinen (beziehungsweise hier: ihren) Jüngerinnen und Jüngern in Jerusalem ein: Im Nordend ist es schon eine gute Tradition, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden ein Passionsspiel entwickeln und aufführen. Hier die diesjährige Aufführung am Palmsonntag in der Gethsemanekirche. Foto: Rolf Oeser

Nach und nach trudeln sie in der Gethsemanekirche ein, und es sind viele: Fünfzig Jugendliche werden dieses Jahr im Nordend, in der Peters- und der Gethsemanegemeinde, konfirmiert. Dieser Boom ist eine der aus kirchlicher Perspektive eher erfreulichen Begleiterscheinungen der Gentrifizierung, also der Aufwertung und Verteuerung des Wohnraums in den begehrten Innenstadtlagen: Es ziehen viele junge Familien hierher, und damit auch viele Kinder und Jugendliche.

In Frankfurt feiern jedes Jahr zwischen 750 und 800 Jugendliche Konfirmation, das heißt, sie bekräftigen nun religionsmündig ihre Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde. Die Zahlen sind, Unkenrufen zum Trotz, seit Jahren stabil. Das ist allerdings den wachsenden Einwohnerzahlen zu verdanken. Relativ gesehen sinkt der Anteil der Konfirmierten pro Jahrgang und lag 2014 nur noch bei rund 13 Prozent.

Die Gemeinden bereiten die Jugendlichen mit Kursen auf die Konfirmation vor, denn schließlich müssen sie wissen, wozu sie Ja sagen und warum. Im Nordend kennen sie sich schon ganz gut aus. Zu Beginn der Konfi-Stunde versammeln sich alle um den Altar. Der gemeinsam gesungene Lobpreis „Laudato Si“ klingt zwar ein bisschen schief, dafür scheint die Psalmlesung richtig Spaß zu machen: Anfangs murmeln alle ganz leise, dann werden sie lauter und lauter, bis sie am Ende fast brüllen. Im Anschluss ist Probe für das Passionsspiel, das hier fester Bestandteil der Konfizeit ist. Aus dem Lautsprecher kommt Musik von Starwars und Shantel, dann zieht Jesus – gespielt von einem Mädchen – auf dem Skateboard in die Kirche ein.

Es ist für die Gemeinden gar nicht so leicht, für 13- und 14-Jährige heute interessant zu sein. Durchaus kritisch betrachten etwa Henry und Steffen das, was ihnen in der Konfizeit geboten wurde. Eine Freizeit zum Beispiel, bei der die Inhalte teilweise von älteren Jugendlichen vermittelt werden sollten, bekommt Punktabzug: „Die kannten sich teils selber gar nicht mit den Themen aus und wussten keine Antwort, wenn man sie was gefragt hat“, bemängelt Steffen. Schon besser sei da ein Konfitag in der Jugendkulturkirche Sankt Peter gewesen – bloß mit sieben Stunden viel zu lang! Henry fand gut, wenn er etwas Substanzielles lernen konnte, zum Beispiel, wie Ostern entstanden ist. Auch einen Vortrag über den von den Nazis hingerichteten Theologen Dietrich Bonhoeffer fand er interessant.

Dass Jugendliche sich nicht für Kirche und Religion interessieren und nur wegen der Geschenke zur Konfirmation gingen, ist jedenfalls ein Gerücht. Das ergab auch eine Studie der Universität Bamberg: 60 Prozent der befragten Konfirmandinnen und Konfirmanden sagten zum Beispiel, sie hätten dabei gelernt, wie wichtig es ist, sich mit ethischen Fragen auseinander zu setzen.

Wobei der Wissensdurst je nachdem durchaus variiert. Mit Bonhoeffer hätte er seiner kleinen Gruppe aus fünf Jugendlichen sicherlich nicht kommen können, sagt Pfarrer Wilfried Steller aus Fechenheim. Funktioniert habe hingegen eine weniger intellektuelle Herangehensweise. So hat die Gestalttherapeutin Sara Wagner mit den Konfis, ausgehend von der Josefsgeschichte, unterschiedliche Gefühle mit Hilfe von „Malgymnastik“ bearbeitet. „Das war für sie interessant, allerdings erst ab dem Moment, wo sie verstanden haben, dass ich sie nicht benote oder bewerte, dass sie es nur für sich selber machen.“

Vielleicht ist das der verbindende Nenner in punkto Konfi-Zeit. Denn auch Andreas Hoffmann und Thorsten Peters, die beiden Pfarrer aus dem Nordend, betonen, dass es dabei nicht darum gehe, etwas „Nützliches“ zu lernen. Das Leben von Jugendlichen sei heute schon durchgetaktet genug. Was vielmehr allzu oft fehle, das seien Freiräume für ganz eigene Erlebnisse.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 8. Mai 2016 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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