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Von – 1. Juli 2016

Heilige Fanscharen: Fußball und Religion haben einiges gemeinsam

Fußball und Glaube sind keineswegs gegensätzliche Phänomene. Sie passen wunderbar zusammen. Gerade im Fußball finden sich viele Beispiele, die das Ereignis fast zu einer religiösen Veranstaltung werden lassen.

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Stadiongottesdienst vorm Public Viewing in der Commerzbank-Arena mit Kirchenpräsident Volker Jung (rechts) und dem katholischen Stadtdekan Johannes zu Eltz. Foto: EKHN

Ach, das wäre was: Woche für Woche mehrere Zehntausend Gläubige empfangen, die garantiert jeden Liedtext fehlerfrei singen können und in dem Anlass angemessener Kleidung erscheinen, die keine Anreise scheuen und ohne mit der Wimper zu zucken anderthalb Stunden durchhalten.

Doch so etwas erlebt kein Pfarrer und keine Pfarrerin. Vielleicht können sie gegen Ende eines ausgefüllten Berufslebens sagen, dass sie über die Jahrzehnte von der Kanzel herab zu so vielen Menschen gepredigt haben, wie bei einem Fußballspiel der deutschen Mannschaft bei der Europameisterschaft dabei sind. Doch ein durchschnittlicher Sonntagsgottesdienst kann mit einer EM-Partie nicht mithalten, ja, nicht einmal mit den Gästezahlen eines Zweitliga-Duells aus dem unteren Tabellendrittel.

Womöglich ist das aber gar nicht schlimm, denn Fußball und Glaube sind keineswegs gegensätzliche Phänomene. Sie passen wunderbar zusammen. Seit Jahren befassen sich Soziologie und Theologie ausführlich mit der Bedeutung der Religion für den Sport. Gerade im Massenphänomen Fußball finden sie viele Beispiele, die das Ereignis fast zu einer religiösen Veranstaltung werden lassen.

Der Frankfurter Eugen Eckert ist Stadionpfarrer, Studentenpfarrer, Liedermacher und Autor, und gilt spätestens seit seinem 2014 erschienenen Buch „Der Heilige Geist ist keine Schwalbe“ als echter Experte auf dem Gebiet. „Schon das Stadion erinnert an eine Pilgerstätte, die einmal in der Woche aufgesucht wird, um gemeinsam einer Zeremonie zu folgen, Lieder zu singen, zu jubeln oder zu trauern. Das hat viel von der Liturgie eines Gottesdienstes.“ Man könne sogar sagen, dass dem Schiedsrichter eine ähnliche Rolle wie einem Pfarrer zukomme, und die Pokale sähen doch einem Abendmahlkelch nicht unähnlich.

So funktioniert auch das Public Viewing bei der Europameisterschaft: Selbst wer sich sonst nicht für Fußball interessiert, kann sich aufgrund der gleichen Gesänge, Kleidung und Emotionen als Mitglied der Fangemeinschaft fühlen. „Gerade in der evangelischen Kirche haben wir es dagegen schwer, Emotionen in der Menge zu erleben. Für ein echtes Wir-Gefühl haben wir eigentlich nur die Kirchentage. Insofern können wir vom Fußball lernen.“
Von der Religion hat allerdings auch der Fußball in seinen Ritualen gelernt – etwa im Austausch zwischen Vorsänger und Publikum in einem Stadion. „Es ist üblich, dass ein Sprecher die Vornamen der Spieler vor dem Spiel nennt, und dann alle Fans laut den Nachnamen brüllen, genau wie beim Wechselgesang in einem Gottesdienst.“

Zahlreiche Gemeinden zeigen, manchmal sogar in ihren Kirchen, Spiele der Europameisterschaft. Eine gute Idee? „Ich finde, dass Christinnen und Christen Feste ruhig gemeinschaftlich feiern dürfen“, sagt Eugen Eckert. „Unsere Zeit ist ohnehin individualistisch genug.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juli 2016 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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