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Von – 29. August 2016

Arbeit ohne Maß

Innere Balance, Entschleunigung, Schraffieren von Freiflächen im Kalender, Kurz-Massage am Arbeitsplatz – mit solchen Strategien wird versucht, drohender Erschöpfung vorzubeugen. Für Georg Magirius ist auch das Gegenteil hilfreich: Maßlos sein, sich in der Arbeit verlieren. Das Brot schmeckt dann doppelt gut.

Maßloser Genuss. Foto: Georg Magirius

Maßloser Genuss. Foto: Georg Magirius

„All die Arbeit!“, stöhne ich: Anfragen, Termine, Wünsche. Manchmal wird es zu viel. Dann sehnt man sich nach einer Unterbrechung. Befinde ich mich allerdings in Ruhe, geht das Spiel oft von vorne los – mit umgekehrten Vorzei­chen: „Warum schreibt mir denn niemand? Wann kommt der nächste Auftrag?“ Kurios, denn eben noch hatte ich der hal­ben Welt zu verstehen gegeben, endlich in Ruhe gelassen werden zu wollen.

Wenn einem alles zu viel oder zu wenig erscheint, kann es helfen, nach dem rechten Maß zu suchen: Aktivität und Freizeit sollen ins Gleichgewicht kommen. Mir hilft biblischer Rat: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Dieser Hinweis versucht erst gar nicht, so zu tun, als ob sich das Leben ohne Schweiß durchwandern lie­ße. Zu leben tut zuweilen weh. Dieser Realismus befreit da­von, sich permanent im Gleichgewicht fühlen zu müssen.

Die innere Handbremse lösen

Außerdem zeigt mir der Rat, wie sehr das Arbeiten befriedi­gen kann. Da geht es nicht um die Höhe des Einkommens, um Erfolg und Anerkennung. Stattdessen sagt mir dieser Wunsch: Achte darauf, ins Schwitzen zu kommen. Kon­zentriere dich immer wieder einmal auf etwas, bei dem du ohne angezogene Handbremse tätig bist. Verausgabe dich!

Das muss in keinem offiziellen Arbeitsverhältnis gesche­hen. Auch Ruheständler können schwitzen, sich voller Eifer auf eine Sache konzentrieren. Und Babys kommen au­ßer Atem, wenn sie danach gieren, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen. All das erschöpft auf gute Weise. Man schwitzt nicht aus Angst und Sorge, sondern widmet sich mit aller Energie einer Sache. Wenn ich dann ruhe, spüre ich tiefen Frieden. Und Hunger! Das Brot schmeckt jetzt doppelt gut.

Von Georg Magirius ist das Buch erschienen „Gute Wünsche aus der Bibel“, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2016.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 29. August 2016 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Georg Magirius ist Theologe und Schriftsteller und Kolumnist bei "Evangelisches Frankfurt". Mehr unter www.georgmagirius.de.

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