Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke

E-Mail

E-Mail

Über jeden neuen Beitrag informieren wir Sie mit einer Nachricht per Mail.

Aktuell

Von – 21. September 2016

Abgeschoben nach Deutschland

Bert Langys und Harry Bielski verbrachten ihr ganzes Leben in dem Glauben, sie wären Amerikaner. Bis sie nach Deutschland abgeschoben wurden.

Harry Bielski (links) und Bert Langys wurden aus den USA nach Deutschland abgeschoben. So wie sie stranden viele am Frankfurter Flughafen. Die anglikanische Gemeinde Christ the King kümmert sich seit Jahren um solche unfreiwilligen „Heimkehrer“. Foto: Rolf Oeser

Harry Bielski (links) und Bert Langys wurden aus den USA nach Deutschland abgeschoben. So wie sie stranden viele am Frankfurter Flughafen. Die anglikanische Gemeinde Christ the King kümmert sich seit Jahren um solche unfreiwilligen „Heimkehrer“. Foto: Rolf Oeser

Bert Langys spricht kein Deutsch. Fast 50 Jahre hat er in der Nähe von Chicago gelebt. „Ich bin Amerikaner“, sagt er. Doch 2009 ist ihm „die Sicherung durchgebrannt“, wie er erzählt. Seinem Abschleppunternehmen ging es schlecht, seine Mutter starb, die Ehe kriselte. Langys überfiel eine Bank und erbeutete 3900 Dollar. Kurz darauf stellte ihn die Polizei. Harry Bielski aus Oregon wurde nach einer Operation medikamentenabhängig. Er finanzierte seine Sucht mit dem Handel der verschreibungspflichtigen Schmerzmittel. So wurde die Polizei auf ihn aufmerksam.

Langys musste für 13 Monate ins Gefängnis, Bielski für 10 Tage. Damit war ihre Strafe aber nicht verbüßt. Denn sie gerieten ins Visier der Einwanderungsbehörde. Und die stellte fest, dass sie keine amerikanischen Staatsbürger waren, sondern – Deutsche.

Norbert Langys war im Alter von fünf Monaten nach Amerika gekommen, Harald Bielski mit vier Jahren. Ihren Eltern war damals nicht klar, wie wichtig es ist, für ihre Kinder formal die „Citizenship“ zu beantragen. Das Versäumnis fiel auch nie auf, denn in Amerika braucht man keinen Personalausweis. Erst als die Männer straffällig wurden, kam heraus, dass sie formal gar keine US-Amerikaner waren. Und so wurden sie in ihr „Heimatland“ abgeschoben.

Dutzende kommen auf diese Weise jedes Jahr unfreiwillig nach Deutschland, 220 waren es etwa im Jahr 2010. Die meisten landen am Frankfurter Flughafen. Zwar sind die Zahlen unter Präsident Obama zurückgegangen, aber „jeder ist einer zu viel“, sagt Eileen MacDonald. Sie kümmert sich in der anglikanischen Gemeinde Christ the King um die Abgeschobenen. „Sie sprechen kein Deutsch, sie haben keine Wohnung und keine Arbeit. Doch das Schlimmste ist, dass sie für immer von ihren Familien getrennt werden.“ Langys hat in Amerika eine Frau und fünf Kinder, Bielski konnte nicht bei der Beerdigung seiner Geschwister dabei sein. Eileen MacDonald kennt sogar eine Frau, die ihre minderjährige Tochter nicht mit nach Deutschland nehmen durfte.

Bert Langys spart jetzt, um einmal nach Kanada auswandern zu können. Dann wäre er zumindest in der Nähe seiner Familie. Harry Bielski hofft, dass er eines Tages wenigstens zu Besuch in die USA einreisen darf. „Ich bewundere die zwei“, sagt Eileen MacDonald. Doch andere seien nicht so stark wie diese Überlebenskünstler.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 21. September 2016 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

Artikel teilen: E-Mail Facebook Twitter Google+

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

Meistgelesene Artikel

Kommentare zu diesem Artikel

  • The Rev. John Perris schrieb am 20. September 2016

    Wir – die Mitglieder der Anglikanischen Christkönig Gemeinde (www.christ-the-king.net) – danken Frau von Selchow und Evangelisches Frankfurt für diesen Artikel über einen unserer verschiedenen diakonischen Werke in Frankfurt.

  • Ulrich Scholz schrieb am 20. September 2016

    Meine Tochter ist ausgewiesen, Sie war 17 Jahrem alt als Sie hatte ein Drug Problem and Sie was later to be deported. Es hat 34 Jahre für die Americanische Regierung gedauert zu entscheiden, dass sie muss America verlassen.

Kommentar schreiben

Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, Kommentare werden vor der Veröffentlichung freigeschaltet.