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Von – 15. September 2016

Große Kunst mit einer Prise Humor

Den Glasfenstern von Charles Crodel (1894-1973) begegnet man an vielen Stellen in Frankfurt. Auch in vier Kirchen kann man seine Werke bewundern.

Von Charles Crodel gibt es so gut wie keine Fotos - dieses hier ist eine Aufnahme von ihm als Jungen (rechts, mit Zeichenblock) mit Mutter und Geschwistern, aufgenommen 1905 von dem berühmten französischen Fotografen Nadar.

Von Charles Crodel gibt es so gut wie keine Fotos – dieses hier ist eine Aufnahme von ihm als 9-Jährigem (rechts, mit Zeichenblock) mit Mutter und Geschwistern, aufgenommen 1905 von dem berühmten französischen Fotografen Nadar.

Die U-Bahnstation Kirchplatz in Bockenheim weist mit drei Nachbildungen auf die nah gelegene Jakobskirche hin. In dem schlichten ovalen Bau, dessen Wiederaufbau 1954 begann, dominieren die Fenster des Malers Charles Crodel. Die tief herunter gezogenen Fenster ermöglichen ein intensives Betrachten. Die Chorfenster zeigen die zentralen Überlieferungen des Christentums: Die Geburt Jesu, die Botschaft des Engels an die Hirten und die Ankunft der „Drei Könige“. Daneben die Leidensgeschichte Jesu: der Gebetskampf Jesu im Garten Gethsemane, die Dornenkrönung und die Kreuzigung.

Neben weiteren biblischen Überlieferungen befindet sich ein reines Legendenfenster auf der gegenüberliegenden Südseite. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der zusammen mit seinen Eltern auf dem Weg zum Grab des Jakobus in einem Gasthaus einkehrt.Der Jüngling widersteht des Liebeslockungen der Wirtstochter. Aus Rache versteckt der Wirt einen goldenen Becher im Rucksack des Jünglings. Dieser wird kurzerhand wegen Diebstahls gehenkt. Aber von Jakobus beschützt, bleibt der Jüngling am Leben. Dem Henker – gerade beim Grillen von Hühnern – wird dies vom Vater des Jünglings mitgeteilt. Der ungläubige Henker ruft aus: „Dann werden meine Brathühner fliegen!“ Originell auch, dass der Künstler die Gesichtszüge seiner beiden Enkel Engeln verliehen hat.

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Glasfenster von Charles Crodel in der Jakobskirche in Bockenheim. Foto: Rui Camillo

Crodel war zu der Zeit, als er die Fenster für die Jakobskirche schuf, in Frankfurt und in ganz Deutschland kein Unbekannter mehr. Die Qualität seiner Arbeit zeigte sich zunächst beim Wiederaufbau der Katharinenkirche 1953. Der 1894 in Marseille geborene Künstler, der auch in Jena zur Schule ging, war einer der ersten Künstler, dessen Werke die Nationalsozialisten zerstörten. Bereits 1933 wurde er aus dem Lehramt entlassen. Den Krieg überstand er, indem er vor allem für die Industrie Gläser gestaltete.

In der Katharinenkirche an der Hauptwache hatte Crodel die mittelalterliche Tradition der „biblia pauperum“, der „Bibel der Armen“ aufgegriffen. Mit einer großen Fülle an Bildern hob er die Fenster, die den Altar umrahmen, hervorg. Sie haben die Heilsgeschichte von der Geburt bis zur Auferstehung Jesu zum Thema. Die dunklere Nordseite greift alttestamentliche Szenen auf.  In zwei Medaillons wird vom Leiden des Menschen Hiob und dem Ringen des Jakob um Erlösung erzählt. Crodel hat hier das Leiden Frankfurts im Zweiten Weltkrieg eingearbeitet. Symbolhaft steht der Zeiger der Uhr auf halb zehn, das Kalenderblatt zeigt den 22. März 1944. Tag und Stunde an dem die Frankfurter Altstadt, auch die Katharinenkirche, zerstört wurde. Die Südfenster sind mit Bildern aus dem Neuen Testament gestaltet. Rund um den Orgelprospekt hat Crodel eine besonders orginelle Bildgruppe dargestellt: die „Hörenden“. Sie sitzen in einem Ast- und Blütenwerk. Am unteren Rand des Schöpfungsfensters, von der Empore fast verdeckt, hat Crodel 49 Namen aufgelistet. Es sind die Mitarbeiter der Franz Mayer’schen Hofkunstanstalt in München, die die Fenster herstellten.

Auch die Fenster der Dreikönigskirche auf der Sachsenhäuser Mainseite gestaltete Crodel  beim Wiederaufbau. Die Emporenfenster beschreiben in zwanzig Szenen die Geschichte der „Drei Könige“. Auf der Südseite erstrahlt ganz oben links der „Weihnachtsstern“.Vier kleine Fenster unter den Emporen können ganz aus der Nähe betrachtet werden: „Geheimnis – Glück – Weitergabe – Wachsamkeit“. Bezeichnungen, die Crodel selbst den Bildern gab.

Die letzte der wiederaufgebauten Frankfurter Innenstadtkirchen, die Peterskirche nördlich der Konstablerwache, hat Crodel im Jahr 1965 gestaltet. Die Rundfenster über der Altarseite zeigen die Schöpfung, das Ewige Leben (Auferstehung) und das Neue Leben (Pfingsten). Nach dem Umbau der Kirche zur Jugendkulturkirche Sankt Peter kann man sich diesen Fenstern heute bis auf wenige Zentimeter nähern, weil sie nun die eingebauten Seminarräume im ersten Stock belichten. Die Fenster auf der Gegenseite lassen sich hingegen noch gut vom Saal her betrachten.

Zu unserem Dossier über kunstvolle Glasfenster: Transparent für Botschaften aus dem Himmel

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 15. September 2016 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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