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Von – 13. September 2016

Migration als demografische Chance

Viele meinen, der Zuzug vieler Flüchtlinge stelle Deutschland vor große Probleme. Aus bevölkerungspolitischer Sicht hingegen kann uns gar nichts Besseres passieren, sagt Bevölkerungsexpertin Franziska Woellert.

Franziska Woellert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bei ihrem Vortrag im Frankfurter Diakonissenhaus. Foto: Angela Wolf

Franziska Woellert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bei ihrem Vortrag im Frankfurter Diakonissenhaus. Foto: Angela Wolf

Mit ihrer sogenannten „Mut-Rede“ am 31. August 2015 setzte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Appell „Wir schaffen das!“ einen neuen Fokus für die Flüchtlingspolitik in Deutschland. Anschließend begann ein Prozess erheblicher Veränderungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Ein Jahr später zog die Evangelische Kirche Frankfurt in Kooperation mit städtischen und zivilgesellschaftlichen Institutionen bei einem Fachtag im Frankfurter Diakonissenhaus Zwischenbilanz.

Bevor es in unterschiedlichen Arbeitsgruppen um Bau- und Planungsrecht, neue Wohnformen, Quartiersentwicklung und andere Einzelthemen ging, gab Franziska Woellert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung einen Überblick. Sie machte deutlich, dass Migration kein neues Phänomen ist. Seit den 1950er Jahren sei die deutsche Bevölkerung stetig gewachsen, obwohl seit den 1970er Jahren immer mehr Menschen gestorben sind als geboren wurden.

Deutschland hat viel Erfahrung mit Migration

Der entscheidende Faktor war also die Zuwanderung: Von der Integration von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg über die Zuwanderung von Gastarbeitern und Gastarbeiterinnen in den 1960er Jahren bis zur die Migrationswelle nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ – die deutsche Gesellschaft hat viel Erfahrung mit Migration und Integrationsprozessen.

Woellerts Datenmaterial belegte, dass Deutschland ein bevölkerungspolitisches Problem bevorsteht, wenn die „Babyboomer“ ins Rentenalter eintreten und die Zahl der Erwerbstätigen rapide einbrechen wird. Aus diesem Grund seien die Flüchtlinge eine „demografische Chance für die deutsche Gesellschaft“, sagte Woellert: Knapp 50 Prozent derer, die 2015 einen Asylantrag in Deutschland stellten, sind zwischen 18 und 30 Jahre alt.

Die Hälfte der Flüchtlinge ist jünger als 30

Dass die Auswirkungen tatsächlich positiv sein werden, hänge allerdings von ausgereifter Integrationsarbeit an unterschiedlichsten Stellen ab: vom ausreichenden Angebot an qualifizierten Sprachkursen über kulturelle Integrationsangebote bis zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Franziska Woellert bleibt dennoch optimistisch: „Deutschland bringt derzeit die besten Voraussetzungen mit, diesen Menschen einen Neuanfang zu bieten.“

Eine Illusion hingegen sei es, Migration abschaffen zu wollen. Flucht und Migration gab es und werde es immer geben. Mal mehr und mal weniger viele Menschen machen sich auf den Weg und müssen aus verschiedenen Gründen ihre Heimat verlassen. Diese Prozesse seien nur schwer bis überhaupt nicht zu stoppen. Die Zahl der Flüchtlinge, die seit August 2015 in Deutschland angekommen sind, sei überdies global betrachtet „verschwindend gering“.

Deutschland brauche eine humanitär ausgerichtete Flüchtlingspolitik, so die Bevölkerungsexpertin. Die Voraussetzungen dafür, dass die Integration der hier gestrandeten Menschen gelingen wird, seien „so gut wie nie“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 13. September 2016 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Angela Wolf studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse in Frankfurt am Main, arbeitet als freie Autorin und ist ehrenamtlich aktiv.

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