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Von – 27. September 2016

Die Grundlage positiver Emotionen

Wer Tränen und Trauer nicht zurückhält, gilt oftmals als gefühlsbetont und nicht belastbar. Das ist manchmal sogar ein Kündigungsgrund. Dabei können Tränen die Grundlage positiver Emotionen sein, behauptet Georg Magirius.

Ernte - Foto von Georg Magirius

Lange ist so gut wie nichts zu sehen. Aber dann. Foto: Georg Magirius

Das biblische Buch der Psalmen erlaubt Tränen nicht nur, sondern sieht sie sogar als eine Basis der Freude: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“ Aber wie soll das möglich sein?, denke ich. Denn wer traurig ist, hat gewiss nicht das Gefühl, eine reiche Ernte einzufah­ren. Aber das wird nicht behauptet. Wer sät, erntet ja noch nicht. Es muss offenbar Zeit vergehen.

Das Ende der Verkrampfung

Dennoch: Tränen als Saatgut für eine spätere Ernte zu verstehen ist immer noch ungewöhnlich. Denn es gilt als Leistung, Tränen zu unterdrücken. Dabei leiden viele unter ihrer Traurigkeit, beobachte ich, weil sie permanent damit beschäftigt sind, nur ja nicht traurig zu wirken. Anders dieser Psalm, der ermuntert, nicht zu wenig zu weinen. Welch eine Lösung! Es kann das Ende der Verkrampfung sein.

Manche können kaum oder gar nicht weinen, sie sehnen sich danach. Andere pflegen Techniken und Taktiken, wie sie Tränen verhindern. So stauen sich diese auf. Lösend, fast erlösend ist es, wenn man sich eingestehen kann: „Es tut weh.“ Dann weitet sich etwas in mir, ich atme auf und merke, wie sich etwas zurechtzurücken beginnt. Ich finde wieder Wohnung bei mir.

Es wird nicht zu viel, sondern zu wenig geweint, ist das Buch der Psalmen überzeugt. Bei ihnen handelt es sich überwiegend um Tränenlieder. Und doch münden sie in Jubel. Freude wünschen sie dem, der keine Hoffnung wachsen sieht.

Tränen weichen den verkrusteten Boden auf. Unter der Oberfläche keimt es. Es ist nicht so, als ob es auf dem Weg zur Ernte keine Schmerzen geben würde. Doch die Süßigkeit der Früchte lässt sich oft am intensivs­ten dann genießen, wenn man lange Zeit vergeblich auf sie gewartet hat.

Von Georg Magirius ist das Buch erschienen „Gute Wünsche aus der Bibel“, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2016.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 27. September 2016 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Georg Magirius ist Theologe und Schriftsteller und Kolumnist bei "Evangelisches Frankfurt". Mehr unter www.georgmagirius.de.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Christian Nettke schrieb am 28. September 2016

    Genau so ist es. Eine hervorragende Analyse und Beschreibung. Vielen Dank!

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