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Von – 20. Oktober 2016

Ein halbes Jahrhundert Telefonseelsorge in Frankfurt

Menschen in Not andere Möglichkeiten aufzeigen: Seit 50 Jahren gibt es in Frankfurt eine evangelische Telefonseelsorge. Unkompliziert, kostenlos, rund um die Uhr und an jedem Tag im Jahr.

Jubiläumsfeier für 50 Jahre evangelische Telefonseelsorge in Frankfurt, unter anderem mit dem Leiter der Diakonie Frankfurt, Michael Frase (links), Einrichtungsleiterin Pfarrerin Bettina Tarmann (Mitte) und der Vorsitzenden der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge, Ruth Belzner, die den Festvortraghielt (vorne rechts). Foto: Rolf Oeser

Jubiläumsfeier für 50 Jahre evangelische Telefonseelsorge in Frankfurt, unter anderem mit dem Leiter der Diakonie Frankfurt, Michael Frase (links), Einrichtungsleiterin Pfarrerin Bettina Tarmann (3. v. links) und der Vorsitzenden der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge, Ruth Belzner, die den Festvortrag hielt (2. v. rechts). Foto: Rolf Oeser

24 Stunden an 365 Tagen im Jahr ist die Telefonseelsorge erreichbar. Also auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen, wenn andere Hilfen nicht zur Verfügung stehen. „Auf diese umfassende psychosoziale Versorgung  sind wir stolz und auch dankbar dafür“, sagte Michael Frase, Leiter des diakonischen Werks Frankfurt bei der Feier zum 50jährigen Bestehen der evangelischen Telefonseelsorge Frankfurt.

1956 als „Ärztliche Lebensmüdenberatung“ in Berlin gegründet, war die Telefonseelsorge schon bald bei allen Sorgen ansprechbar. Körperliche Beschwerden, Erkrankungen, depressive Stimmungen, Probleme in Alltagsbeziehungen, Einsamkeit und Familienstress sind heute die häufigsten Gesprächsthemen.

Während vor fünfzig Jahren vor allem Hausfrauen und Pfarrersfrauen die Telefonanrufe entgegen nahmen, werden die ehrenamtlichen Telefonseelsorger_innen inzwischen ein Jahr lang geschult. Und in Frankfurt stellen Männer heute immerhin ein Viertel der siebzig Freiwilligen. Das entspricht etwa ihrem Anteil unter den Ratsuchenden: 70 Prozent der Anrufenden sind Frauen.

Der erste Teil der Ausbildung besteht aus Selbsterfahrung, der zweite Teil ist inzwischen noch strukturierter geworden: Gesprächsführung, Rollenspiele und Hospitanz bei Gesprächen sind feste Bestandteile. „Wesentlich für diese Arbeit ist nicht nur Einfühlungsvermögen in andere, sondern auch eine gute Wahrnehmung für sich selbst“, sagte Ruth Belzner, die Vorsitzende der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge in ihrem Festvortrag zum Jubiläum. „Wenn Empathie zu Gefühlsansteckung wird, ist niemandem geholfen. Es geht darum, vom eigenen sicheren Ufer aus andere Interpretationsmöglichkeiten für eine Situation aufzuzeigen.“

Obligatorisch für die Ehrenamtlichen ist längst auch regelmäßige Supervision. „Sie dient sowohl der Psychohygiene als auch der Qualitätssicherung“, sagt Silvia Ehlert, eine der beiden Hauptamtlichen in Frankfurt.

Nicht nur die Beratung, auch der Anruf bei der Telefonseelsorge ist inzwischen kostenlos, denn 1997 hat die Telekom eine bundesweit erreichbare 0800-Nummer eingerichtet. Damit stieg allerdings zunächst auch die Anzahl der Scherz- und Sexanrufe, erfreulicherweise ist sie aber inzwischen wieder zurückgegangen.

15000 Menschen rufen im Jahr bei der evangelischen Telefonseelsorge in Frankfurt an, in zwei Dritteln der Fälle wird daraus ein längeres Gespräch. Wenn besetzt ist, wird der Anruf automatisch an die katholische Telefonseelsorge weitergeleitet, falls dort auch telefoniert wird, geht es nach Mainz, Wiesbaden oder Darmstadt. „Durch die Zusammenfassung zu regionalen  Organisationseinheiten ist die Erreichbarkeit viel höher geworden“, sagt Ehlert, „wenn auch durch die vielen Handyanrufe von überallher immer noch nicht ganz optimal.“

Mit der katholischen Telefonseelsorge kann man inzwischen auch chatten oder mailen, mit der evangelischen noch nicht. „Das ist für Jüngere natürlich attraktiv, aber wir haben leider nicht die Kapazitäten dafür“, sagt Pfarrerin Bettina Tarmann, die die evangelische Telefonseelsorge in Frankfurt leitet.

Zur Zeit arbeiten 70 Ehrenamtliche dort zwei Mal fünf Stunden am Tag und einmal neun Stunden in der Nacht im Monat. Die nächste Ausbildungsgruppe beginnt im September 2017.

Kontakt: 0800 1110111, 0800 1110222, www.telefonseelsorge.de.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 20. Oktober 2016 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Barbara Loch-Braun schrieb am 20. Oktober 2016

    Sehr schön, herzliche Glückwünsche…
    Aber bitte immer Alle benennen, die auf einem Foto abgebildet sind….Oder niemand….
    ALLE SIND WICHTIG

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