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Von – 10. Oktober 2016

Raumschiff Enterprise: Medizin und Ethik heute und in der Zukunft

Vor 50 Jahren startete in den USA die Science Fiction Serie „Star Trek“ (Raumschiff Enterprise). Der Crew stellten sich damals bereits medizinethische Fragen, die heute erst so richtig aktuell werden.  Ein Interview mit Pfarrer Kurt W. Schmidt vom Zentrum für Ethik in der Medizin.

Foto: Chris McCorkle/Flickr com (cc by-nc-sa)

Foto: Chris McCorkle/Flickr com (cc by-nc-sa)

Herr Schmidt, Sie veranstalten am 31. Oktober im Ginnheimer Markuskrankenhaus eine Fortbildung zum Thema „Medizin und Ethik in der Zukunft: 50 Jahre Raumschiff Enterprise“: Was hat Sie an der Fernsehserie fasziniert?

Für mich waren als Jugendlicher diese Weltraumabenteuer schlichtweg spannend. Man wusste nie, auf welche fremde Wesen die Besatzung des Raumschiffs treffen wird, welche Fähigkeiten diese Wesen hatten. Es machte einfach neugierig, diese Begegnung mit „dem Fremden“. Und man musste sich damals entscheiden zwischen ARD und ZDF: entweder Sportschau oder Raumschiff Enterprise.

Der medizinische Fortschritt dort ist schon beeindruckend: Für fast alle Krankheiten gibt es nicht-invasive Technologie, man scannt die Kranken mit einem Tricorder und weiß sofort, was sie haben…

Pfarrer Kurt Schmidt leitet das Zentrum für Ethik in der Medizin am Markuskrankenhaus in Frankfurt-Ginnheim. Foto: Ilona Surrey

Pfarrer Kurt W. Schmidt leitet das Zentrum für Ethik in der Medizin am Markuskrankenhaus in Frankfurt-Ginnheim. Foto: Ilona Surrey

Das war schon visionär und in der Tat vor Jahren durchaus eine Debatte, ob es künftig nicht Computern gelingen werde, aus den gewonnen Daten des Patienten eine eindeutige Diagnose zu erstellen. Heute sind die Informatiker zurückhaltender – man kann auch sagen: Sie gehen strategischer vor – und sprechen davon, dass der Computer den Arzt bei der Diagnosestellung unterstützen soll. So arbeitet IBM derzeit mit „Watson“ an einem Computersystem, das Unmengen an medizinischer Fachliteratur mit den Daten des Patienten abgleicht, dem Arzt Hypothesen vorschlägt und als „beratender Kollege“ fungiert.

Das klingt eher nach Sherlock Holmes …

… und ist es auch. Sherlock Holmes hat damals, Ende des 19. Jahrhunderts, mit neuen Techniken – zum Beispiel mit dem Vergleich von Fingerabdrücken – die Verbrecher überführt, und Watson hat ihm geholfen. Der Arzt geht bei der Diagnosestellung im Grunde ähnlich vor: Er versucht herauszubekommen, was die Natur in Unordnung gebracht hat, welche gefährlichen Krankheitserreger das Leben des Patienten bedrohen und bedient sich der neuesten Errungenschaften der Medizintechnik. Und die beruhigende Grundaussage in den Romanen von Sir Arthur Conan Doyle ist: Jedes noch so unerklärliche Phänomen ist naturwissenschaftlich erklärbar. Es gibt nicht Unerklärliches auf der Welt. Auch in Star Trek löst sich letztlich alles in erklärbare Phänomen auf.

Bei Star Trek fährt der Arzt mit einer Heilapparatur über Wunden, und schon sind sie weg. Ist das nicht etwas illusorisch?

Der schnelle Wundverschluss kommt in vielen Science Fiction Filmen vor. Die Illusion ist, dass die Heilung durch die Technik erfolgt. Doch es ist eine alte Weisheit, dass der Arzt den Heilungsprozess des Körpers letztlich nur unterstützen kann. Warten ist eine wichtige Kategorie und verdeutlicht immer auch eine Machtlosigkeit im Heilungsprozess. Und den hätten wir manchmal doch gerne in unserer eigenen Hand.

In der Serie werden viele medizinethische Fragen verhandelt. Welche finden Sie besonders interessant?

In der Serie taucht häufig das Problem auf, dass ein Mitglied der Mannschaft nicht mehr klar denken kann und nicht mehr entscheidungsfähig scheint. Das kann durch eine Substanz verursacht worden sein, durch unbekannte Strahlen oder Infektionen. Es kann den Captain genauso treffen wie Mr. Spock, der halb Mensch und halb Vulkanier ist. Darf man dann gegen den geäußerten Willen dieser Person tätig werden, etwa um ihn vor sich selbst zu schützen? Dies wirft grundlegende medizinethische Fragen auf: Darf man Zwang ausüben zum Wohl des Patienten? Und wo ist die Grenze? Dies wird uns also auch im 23. Jahrhundert noch beschäftigen.

Die Veranstaltung „Medizin und Ethik in der Zukunft: 50 Jahre Raumschiff Enterprise“ findet am Montag, 31. Oktober, um 16 Uhr im Agaplesion Markus Krankenhaus in Frankfurt am Main, Wilhelm-Epstein-Straße 4, statt. Komplettes Programm und Anmeldung.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 10. Oktober 2016 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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