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Von – 25. November 2016

Auf den Spuren der Ermordeten

Ein Stadtführer beschreibt zehn Rundgänge zu den Frankfurter Stolpersteinen. Bereits 1200 dieser kleinen goldenen Gedenkplatten wurden in der Mainmetropole verlegt – weitere folgen am kommenden Sonntag, 27. November, mit anschließender Buchvorstellung.

stolpersteineHier, in der Hansaallee 12, wohnte Max Fröhlich. Eigentlich hatte er es fast geschafft. In Belgien war Max Fröhlich an Bord des Flüchtlingsschiffes „St. Louis“ gegangen. Die „St. Louis“ legte ab, bald war nur noch Ozean rings herum. Die Nazis waren weit weg. Doch das Schiff durfte jenseits des Atlantik nicht anlegen. Nicht in Kuba, nicht in den USA. Es drehte um. Ein Horror für die Passagierinnen und Passagiere.

Max Fröhlich, gebürtiger Butzbacher, musste nach Deutschland zurück. Er zog noch für kurze Zeit in ein Eckhaus in der Frankfurter Hansaallee 12. Vor dem Haus liegt heute, golden und glatt, sorgfältig in den Bürgersteig eingelassen, ein Stolperstein. Nicht die Füße sollen stolpern, sondern der Geist. Mitten im Alltag, vielleicht mit einer Einkaufstüte am Arm, vielleicht in Gedanken, sollen die Menschen auf den goldenen Quader schauen und an Max Fröhlich denken, der Amerika nie erreichte, sondern nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde.

In der Mainmetropole wurden bislang mehr als 1200 Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an jüdische Opfer der Nazis, an verfolgte Homosexuelle, an Zeugen Jehovas, an Sinti und Roma. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat diese sehr unmittelbare Art des Gedenkens erfunden. Stolpersteine sind zehn Kubikmeter große Betonwürfel mit einer Messingplatte auf der Oberseite. Auf dieser Platte sind die Namen und Daten von Menschen zu lesen, die in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den Häusern wohnten, vor denen die Steine liegen.

Dieser Stadtführer, der nun im Frankfurter Verlag Brandes & Apsel erschienen ist, führt in die Zeit des Nationalsozialismus und zu den Opfern, deren Namen kaum jemand kennt. „Stolpersteine in Frankfurt am Main – Zehn Rundgänge“ heißt das Buch. Herausgegeben hat es  die Frankfurter Stolperstein-Initiative. Teils ausführliche Texte informieren darin über die Schicksale der Deportierten sowie über die Geschichte der jeweiligen Stadtteile. Detailliert werden Spaziergänge beschrieben, die  echte Geschichtsstunden sind.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt am kommenden Sonntag, 27. November, ab 14.30 Uhr insgesamt 13 neue „Stolpersteine“ in den Stadtteilen Eschersheim, Heddernheim und Niederursel. Sämtliche Zum Abschluss der Verlegungen lädt die Initiative Stolpersteine Frankfurt um 17.30 ins Cafe Mutz in Alt-Niederursel 27 ein. Dort wird auch das Buch „Stolpersteine in Frankfurt. ZehnRundgänge“ vorgestellt.

Zu den Verlegungen sind alle Interessierte eingeladen. Der Zeitplan befindet sich im Internet unter www.stolpersteine-frankfurt.de.

Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main (Hrsg.): Stolpersteine in Frankfurt am Main, Verlag Brandes & Apsel, 196 Seiten, Paperback, zahlreiche Abbildungen, Routenkarten und Dokumente, 14,90 Euro.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 25. November 2016 in der Rubrik Bücher & Filme, erschienen in der Ausgabe .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Ute Plass schrieb am 4. Januar 2017

    Ein Danke gebührt dem Künstler Gunter Demnig, der auf diese besondere Weise die Opfer des Naziregimes beim Namen nennt.

    Umso unverständlicher, dass Gunter Demnig und sein Stolperstein-Ge(h)denken von Leuten verunglimpft wird, die sich
    angeblich dem Kampf gegen Antisemitismus verschrieben haben.
    Siehe:
    https://bgakasselblog.wordpress.com/2015/06/12/und-ewig-wollen-sie-steine-legen/

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