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Von – 5. November 2016

Damit auch behinderte Kinder in Krabbelstuben gut betreut werden

Jedes Kind im Alter von ein bis drei Jahren hat laut Gesetz Anspruch auf einen Krippenplatz. Wie aber können Kindertagesstätten die Integration von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf, zum Beispiel im Fall von körperlichen oder geistigen Behinderungen, gewährleisten? Ein Modellprojekt der Diakonie Frankfurt.

Foto: Silke Kirch

Im Kinderzentrum in der Lange Straße stellte die Diakonie Frankfurt ihr Modellprojekt zur Integration von behinderten Kindern in Krabbelstuben vor. Foto: Silke Kirch

Im Kinderzentrum Lange Straße in der Frankfurter City stellte die Diakonie Frankfurt zusammen mit Pädagoginnen und Eltern ein seit 2014 bestehendes Projekt vor, das dabei hilft, Kinder mit besonderem Unterstützungbedarf in Krabbelstuben gut zu betreuen.

Verschiedene Träger bieten in Frankfurt bereits Anlaufstellen für Eltern und Erzieherinnen, die Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen betreuen, wobei die Angebote vor allem in punktueller Beratung bestehen. Für Ein- bis Dreijährige brauche es jedoch andere Strukturen, sagte Sigrid Unglaub vom Arbeitsbereich Integrationshilfen für Menschen mit Behinderung der Diakonie Frankfurt: In diesem Alter sei es nicht so leicht zu erkennen, wann die Entwicklung des Kindes so verzögert sei, dass es besondere Unterstützung braucht. Deshalb sei es wichtig, dass auffällige Kinder aufmerksam über einen längeren Zeitraum begleitet werden können. Nur so kann sich zeigen, welche Unterstützung ein Kind, das sich anders entwickelt als andere, braucht: Inklusion kann nur gelingen, wenn sie ein Anliegen der Gemeinschaft ist.

Aus diesem Grund hat die Frankfurter Diakonie im Jahr 2014 mithilfe von Fördermitteln der Aktion Mensch das Projekt „Vielfalt stärken – Vielfalt leben“ ins Leben gerufen, das die Bedürfnisse der Kleinsten und ihrer Angehörigen in den Mittelpunkt stellt. Bislang haben sechs U3-Kindertageseinrichtungen in Frankfurt über einen Zeitraum von einem Jahr an dem Modellprojekt teilgenommen.

Das Angebot der Diakonie wendet sich an Frankfurter Kinder im Alter von ein bis drei Jahren, die „behindert, von Behinderung bedroht oder entwicklungsverzögert sind“. Die Beraterinnen und Berater kommen dorthin, wo das Kind ist, Erzieherinnen und Erzieher erhalten eine praxisnahe Fortbildung. Das Wesentliche, so Projektleiterin Rita Boller, sei, die Kinder zusammen mit Eltern, Pädagoginnen und gegebenenfalls auch medizinischen Personal anzuschauen, um gemeinsam einen Blick für die Situation des Kindes in seiner Umwelt zu entwickeln.

Das Personal der Kindertagesstätte Lange Straße hat gute Erfahrungen mit diesem Konzept gemacht. Jonathan, der mit einem Jahr in die Kita aufgenommen wurde und bis heute besondere Unterstützung – auch von einer Krankenschwester – braucht, ist von Kindern und Eltern vollkommen akzeptiert. „Die Kinder werten nicht. Sie haben keine Berührungsängste. Sie sind auf eine natürliche Weise aufgeschlossen für die Begegnung mit Jonathan“ – das ist der Tenor der Pädagogen und Eltern.

Jonathans Eltern betonen, wie wichtig es für sie war, ihr Kind früh in Betreuung zu geben. In ihrem Umfeld können sie beobachten: Je länger die Eltern mit diesem Schritt warten, umso schwieriger sei es, ihn zu gehen, denn die Kluft durch die Entwicklungsverzögerung werde immer größer. Inklusion, so scheint es, gelingt umso besser, je früher Kind und Umwelt eine Chance haben, sich aneinander zu gewöhnen und anzupassen. Dafür stellt das Angebot der Diakonie die Weichen.

Das Projekt „Vielfalt leben – Vielfalt stärken“ startet mit einer Fachtagung im März 2017 in seine zweite Phase. Es können sich 15 weitere Kindertagesstätten beteiligen und über einen Zeitraum von 16 Monaten fachlich begleitet werden. Die Projektleitung der Diakonie ist darum bemüht, das Angebot auch über diesen Zeitraum hinaus verstetigen zu können.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 5. November 2016 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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