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Von – 18. November 2016

Die Kirchengemeinde im Gallus plant ein Gemeinschaftsgrab

Die Gemeinde Frieden und Versöhnung im Gallus möchte ein Urnengemeinschaftsgrab einrichten, um dem Trend zur anonymen Bestattung etwas entgegen zu setzen. Auf dem Friedhof in Griesheim stellte sie jetzt ihre Pläne vor.

Kirchenvorsteher Arne Knudt, Gemeindepädagogin Monika Kittler, Pfarrer Nulf Schade-James und der Bildhauer Joachim Kreutz (von links nach rechts). Foto: Silke Kirch

Kirchenvorsteher Arne Knudt, Gemeindepädagogin Monika Kittler, Pfarrer Nulf Schade-James und der Bildhauer Joachim Kreutz (von links nach rechts). Foto: Silke Kirch

Ein etwa 12,5 mal 3,5 Meter großes Areal auf dem alten Teil des Friedhofs wird in den kommenden Monaten als Gräberfeld für etwa 120 Urnen gestaltet  – umfasst von einem Band aus dunklen Backsteinen, wie sie auch für die Fassade der Friedenskirche an der Frankenallee im Gallus verwendet wurden. Die Kirchengemeinde Frieden und Versöhnung hat die unter alten Eichen liegende Wiese vom Grünflächenamt der Stadt erworben und wird die Pflege der Gräber übernehmen. Sie entspricht damit einem zunehmenden Bedürfnis innerhalb der Gemeinde: Immer mehr Menschen, so Kirchenvorsteher Arne Knudt, seien alleinstehend, hätten wenig Kontakt zu Angehörigen oder möchten diese nicht mit der Grabpflege belasten.

Entstanden sei die Idee, als 2009 die beiden evangelischen Gemeinden Frieden und Versöhnung im Frankfurter Gallusviertel zusammengelegt wurden. Damals habe man mit dem Gedanken gespielt, das Kirchengebäude der ehemaligen Versöhnungsgemeinde in ein „Kolumbarium“, eine Urnenbeisetzungsstätte, zu verwandeln. Der Plan habe sich nicht umsetzen lassen, doch die Idee sei geblieben.

Bei der Planung des Gemeinschaftsgrabes wurden die Gemeindemitglieder einbezogen. Eigentlich war eine eine Reihe von Planungsworkshops geplant, erzählte Gemeindepädagogin Monika Kittler, doch eine einzige Zusammenkunft reichte, um zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Auf ihren Vorschlag hin war der Frankfurter Bildhauer Joachim Kreutz, der seit vielen Jahren trauernde Angehörige begleitet, mit der Gestaltung betraut worden. Er habe die Christusfigur des Bildhauers Richard Scheibe im Altarraum der Friedenskirche als Symbol der Gemeinde zum Ausgangspunkt für die Gestaltung eines Monuments auf dem Urnengemeinschaftsgrab genommen: ein auferstandener Christus mit weit ausgebreiteten Armen, die Hände nach oben geöffnet, in einer gleichsam „nehmenden wie gebenden“ Geste.

Das geplante Monument soll mit einer Länge von 2,50 und einer Höhe von 2,10 Metern an einer der Längsseiten des Gräberfeldes errichtet werden. Als Modell kann es bereits besichtigt werden: Eine vertikale Fläche aus Cortinstahl lässt den Umriss der Christusfigur in dreifacher Staffelung aus ihrer Mitte hervortreten, wodurch gleichermaßen der Eindruck von Bewegung und Zurückhaltung entsteht – ein Pulsieren der Figur in den Raum hinein, den die nach vorne schräg abgewinkelten Seitenwände des Monuments umfrieden. Cortinstahl, erörterte Kreutz, bilde schnell eine Schicht aus Rost, die dann wie ein Schutzmantel wirke und das Material so vor Wettereinwirkungen schütze. Skulpturale Geste und Material umspielen mit Leichtigkeit so schwierige Spannungsfelder wie Vergänglichkeit und Schutz, Herausgehen und Eintreten. Kreutz betonte, der Entwurf habe nur entstehen können, weil er während des Workshops eine aufnehmende Haltung eingenommen habe und sich von den Gemeindemitgliedern inspirieren ließ.

Die Planung für das Urnengemeinschaftsgrab auf dem Griesheimer Friedhof stiftet Gemeinschaft– nicht allein symbolisch durch die Errichtung eines Monumentes, sondern faktisch in Gesprächen der Gemeindemitglieder untereinander. Viele hätten nun begonnen, sich über ihre Vorstellungen auszutauschen, viele würden es als sehr tröstlich empfinden, in einem Gemeinschaftsgrab bestattet werden zu können, erzählt Monika Kittler. Pfarrer Nulf Schade-James hob hervor, dass das Gemeinschaftsgrab kein anonymes Gräberfeld sei. Er selbst bedauere, dass in Frankfurt Gräber häufig nach 20 Jahren abgebaut werden – nämlich dann, wenn sich keine Angehörigen finden, die das Grab weiter pflegen möchten. Zum Gemeinschaftsgrab auf dem Griesheimer Friedhof gehören zwei Stelen, an die Schilder mit den Namen der Verstorbenen bleibend angebracht werden sollen.

Auf Frankfurter Friedhöfen gibt es bereits einige Gemeinschaftsgräber, sagte Thomas Bänder vom Grünflächenamt. Die Stadt sei offen für Kooperationen wie die mit der Gemeinde aus dem Gallusviertel. Die Gemeinde Frieden und Versöhnung hat zur Finanzierung des Gräberfeldes und seiner Gestaltung Rücklagen mobilisiert. Die Umsetzung wird in Zukunft auf Spendengelder angewiesen sein.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 18. November 2016 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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