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Von , – 12. November 2016

Religion und Frauen: Familie und Care-Arbeit

Schränken Religionen Frauen ein? Oder helfen sie beim Kampf für mehr Freiheit? Teil 2 des Gespräches zwischen Antje Schrupp und Khola Maryam Hübsch (komplettes Interview).

Zwei Frankfurterinnen, die aus religiöser Perspektive für die Freiheit der Frauen eintreten: Khola Maryam Hübsch (36, links) ist Germanistin und Publizistin, Antje Schrupp (52) ist Politikwissenschaftlerin und Redakteurin von „Evangelisches Frankfurt“. Foto: Ilona Surrey

Zwei Frankfurterinnen, die aus religiöser Perspektive für die Freiheit der Frauen eintreten: Khola Maryam Hübsch (36, links) ist Germanistin und Publizistin, Antje Schrupp (52) ist Politikwissenschaftlerin und Redakteurin von „Evangelisches Frankfurt“. Foto: Ilona Surrey

AS: Ich finde die Botschaft, dass es im Leben nicht nur um Beruf und Karriere, sondern auch um Beziehungen und Familie gehen soll, eigentlich gut. Viele Religionen sehen das ja so und übrigens auch Feministinnen, die heute fordern, dass „Care-Arbeit“, also Fürsorgearbeit gegenüber Kindern, Kranken, Alten, mehr gesellschaftliche Anerkennung bekommen muss. Aber ist es nicht problematisch, da einen Unterschied zwischen Männern und Frauen zu machen? Es sollten doch nicht die Frauen allein dafür zuständig sein. Dass im Leben noch mehr zählt als beruflicher Erfolg, das sollten doch auch die Männer beherzigen.

KH: Ja, sicher. Der Khalif betont auch immer wieder die Rolle der Männer für die Erziehung der Kinder etc. Aber ich finde es richtig, einen besonderen Schwerpunkt auf die Frau zu legen. Sie ist ja diejenige, die die Kinder bekommt. Sie entscheidet letztendlich, wann Kinder geboren werden. Und wenn sie damit sehr, sehr lange wartet, ist es manchmal zu spät. Außerdem haben die Mütter am Anfang eine andere Beziehung zu den Kindern. Sie müssen zum Beispiel entscheiden, ob sie stillen und wie lange, diese Entscheidung haben Väter nicht. Wir alle sind doch vom Zeitgeist beeinflusst, und momentan gibt es einen ganz ordentlichen Druck auf Frauen, schnell wieder zu funktionieren und im Beruf zur Verfügung zu stehen. Mir persönlich hat es geholfen, solche Worte vom Khalifen zu hören, um mich dem ein Stück zu entziehen. Ich war nämlich auch auf der Schiene, dass ich ein gutes Abi hatte, ein gutes Studium, und deshalb dachte, nach der Geburt meiner Kinder sofort weitermachen zu müssen, um bloß nicht den Anschluss zu verlieren. Diese Angst, dass man dann nicht mehr reinfindet in den Beruf und dann als Muttchen zu Hause endet. Aber an einem bestimmten Punkt hab ich dann gedacht, nein, eigentlich hast du auch noch andere Ziele.

AS: Zustimmung. Trotzdem höre ich da immer noch eine bestimmte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern heraus, die eben schon etwas konträr liegt zum Ideal der Gleichberechtigung.

KH: Meiner Meinung nach müssen wir momentan aufpassen, dass die Emanzipation nicht in eine Richtung kippt, die den Frauen eher schadet. Im Islam gibt es das Konzept, dass der Mann sich dafür zuständig fühlen muss, für die Familie finanziell zu sorgen, und dass man ihm auch gewisse Rechte zugestehen muss, damit er diese Pflicht und diese Verantwortung ernst nimmt und es sich nicht bequem macht, indem er einfach alles auf die Frau abschiebt. Heute müssen doch immer mehr Frauen Geld verdienen, nicht weil sie sich in ihrem Beruf selbstverwirklicht sehen, sondern weil einfach sonst das Geld fehlt. Und weil viele es auch gar nicht mehr so sehen, dass das eine Aufgabe des Mannes ist. Viele denken aufgrund der Gleichberechtigung, dass Frauen genauso dafür zuständig sind, Geld zu verdienen. Aber sie leiden möglicherweise stärker unter dieser Pflicht, weil sie die Doppelbelastung haben mit Schwangerschaften, Geburten und der Sorge für die Kinder, solange die noch sehr klein sind.

AS: Tatsächlich versucht die Gesetzgebung in Deutschland seit einiger Zeit, genau in diese Richtung zu wirken, zum Beispiel mit dem Elterngeld oder mit der Abschaffung des Unterhaltsrechts. Frauen haben gar keine Möglichkeit mehr, nicht berufstätig zu sein, es sei denn, sie machen sich völlig von ihrem Ehemann abhängig.

KH: Ja, genau, echte Wahlfreiheit ist das nicht. Dass sich Frauen ohne Zwang zum Geldverdienen um Schwangerschaften, Geburten und kleine Kinder kümmern können, ist meiner Meinung nach ein Recht, das Frauen zusteht, das ihnen aber im Namen der Gleichberechtigung entzogen wurde.

Weiterlesen: Teil 3 zu Frauen und geistlichen Führungspositionen

Artikelinformationen

Beitrag von , , veröffentlicht am 12. November 2016 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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