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Von – 24. November 2016

Streitet euch, aber verletzt euch nicht!

Weihnachten ist das Fest der Harmonie, zumindest in der Idealvorstellung. Dabei bietet gerade diese Zeit gute Möglichkeiten, eine respektvolle Streitkultur einzuüben.

Es ist wirklich nicht immer so einfach mit dem weihnachtlichen Familienidyll. Foto: epd-bild / Andrea Enderlein

Es ist wirklich nicht immer so einfach mit dem weihnachtlichen Familienidyll. Foto: epd-bild / Andrea Enderlein

Der Mensch ist im Grunde harmoniebedürftig. Nie wird das so sichtbar wie in der Advents- und Weihnachtszeit. Es ist die Zeit des Kuschelns, die Zeit von Kerzenschein und Plätzchen, von Vanilletee und Lebkuchen. Es ist aber auch die Zeit des Streites, gerade in Familien. In der Hektik des „Wem soll was geschenkt werden, wer besorgt noch schnell die letzten Gaben, wer kauft ein, welche vorweihnachtlichen Besuche sind noch zu erledigen?“ kochen gerne mal Konflikte hoch. Man hört förmlich die eigene Mutter aus Kindheitstagen sagen: „Ach lasst doch das Streiten.“

Überhaupt soll heutzutage am besten gar nicht mehr gestritten werden. Nicht im Kindergarten, nicht in der Schule. Doch Streit ist notwendig. Streit bringt Bewegung. Streit bedeutet Fortschritt. Viele Unternehmen wissen um die produktiven Kräfte der Auseinandersetzung. Sie haben eine Firmenkultur der Transparenz mit flachen Hierarchien entwickelt. Sie wollen kreative Geister und keine Ja-Sager, die ihren Kopf nur zum Nicken benutzen.

Aber es ist auch eine Kunst, wirklich um eine Sache zu streiten. Unterschiedliche Perspektiven gilt es zu beleuchten, damit eine Lösung für das jeweilige Problem gefunden werden kann.

Dabei darf es durchaus auch Emotionen geben. Engagiertes Streiten braucht Gefühl. Doch darf es persönlich nie verletzend sein. Wie kann das gelingen? Allzu oft geht es doch darum, „das Gesicht zu wahren“, man will bloß keine Fehler zugeben.

Dabei ist es eigentlich eine Stärke, wenn man sich von guten Argumenten überzeugen lässt. Gute Führungspersönlichkeiten sammeln um sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die in Teilbereichen kompetenter sind als sie selbst.

In einem Team müssen unterschiedliche Sichtweisen versammelt sein. Gute Führung besteht darin, diese unterschiedlichen Perspektiven zu verstehen, zu gewichten und dann auf dieser Basis eine Entscheidung zu treffen.

Gleiches gilt für die Familie. Gerade an Weihnachten sind die Erwartungen an Harmonie besonders hoch. Auch hier gilt: Zuhören und versuchen, die Perspektive des anderen zu verstehen. Alte Verletzungen kann man ruhig hinter sich lassen. Dabei hilft es, sich klarzumachen, dass es nicht in allen Belangen eine Einigung braucht. Man kann unterschiedliche Ansichten getrost auch mal nebeneinander stehen lassen. Wenn man ohnehin weiß, dass Onkel Heinrich die Gesamtschule als Versuch sieht, den Kommunismus wieder einzuführen, muss man ihn ja nicht gerade an Heiligabend vom Gegenteil überzeugen.

Die Weihnachtszeit mit ihren vielen Begegnungen zwischen Menschen, die sich ansonsten im Alltag nicht ständig sehen, bietet eine gute Möglichkeit, Streitkultur zu pflegen und zu üben. Man muss nicht die große Hamoniesoße über alles schütten. Ehrlichkeit ist gefragt. Und deshalb gilt auch an Weihnachten: Streitet euch, aber verletzt euch nicht.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 24. November 2016 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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