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Von – 9. November 2016

Wuchtig, eigenständig, solitär: Kirchen im Stil des Brutalismus

Was ist das Besondere an der Kirchenarchitektur der 1960er Jahre? Fragen an Friederike Rahn-Steinacker, die Leiterin der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt.

Friederike Rahn-Steinacker, die Leiterin der Bauabteilung des Evangelischen Regioanlverbandes, mit einer Stadtkarte, in der die Fluglärmzonen markiert sind. Foto: Antje Schrupp

Friederike Rahn-Steinacker.  Foto: Antje Schrupp

Was gefällt Ihnen an „Cantate Domino“?

Die Kirche wirkt besonders über ihren hellen und lichten Innenraum. Die vielen Oberlichter scheinen den Himmel in die Kirche zu holen. Eine geniale Idee. Die Kirche ist sonst fensterlos und damit ein sehr introvertierter Raum. Dies wurde auch für eine besondere Akustiklösung genutzt und in die Wände rechteckige Lochsteinfelder integriert.

Was halten Sie von der Ästhetik der 1960er Jahre Kirchen?

Ich kann den Brutalismus aus seiner Zeit heraus gut verstehen. Nach dem Krieg ist der Kirchraum neu interpretiert worden, ein radikaler Neubeginn. Die Kirchen der 1960 stehen meist wuchtig, eigenständig und solitär da und entfalten so eine moderne Symbolwirkung. Sie sind stadträumlich und architektonisch bedeutsam und viele der Neumann-Kirchen stehen unter Denkmalschutz. Aber die Ästhetik des Brutalismus vermittelt sich heute der Gesellschaft nicht mehr so leicht. Die Bauten wirken auf den ersten Blick spröde, abweisend und zu rational und der damalige Zeitgeist rückt uns immer ferner. Man muss sich ein bisschen damit beschäftigen, um das Reizvolle und Besondere an Ihnen wieder zu erkennen.

Welchen bautechnischen Problemen begegnen Sie?

Es kann sein, dass die Betonsubstanz renovierungsbedürftig wird. Das war zum Beispiel bei der Dornbuschkirche der Fall. Gleichzeitig war die Kirche der Gemeinde zu groß geworden. Sie wurde deshalb zwischen 2003 und 2005 um zwei Drittel reduziert und gleichzeitig gründlich saniert. Dadurch hat sie übrigens ästhetisch gewonnen, wirkt verdichteter und das große Glasfenster von Hans Adam kommt noch besser zur Geltung. In der Festeburg- und Gethsemanekirche sind die Dächer saniert bzw. werden  noch saniert, in Cantate Domino haben wir vor wenigen Jahren die Oberlichter ausgetauscht und das Flachdach saniert. Viele dieser großen Kirchen sind auch schlecht gedämmt, so dass auch Probleme mit der Beheizung und Zugerscheinungen gibt. Aber große Probleme macht uns die Betonbauweise nicht.

Hinter welche Stilelemente und Leitlinien kann man beim Bau heutiger Kirchen nicht mehr zurück? Anders gefragt: Wie hat die damalige Ästhetik die jetzige beeinflusst?

Da Architektur immer auch der Ausdruck einer bestimmten Zeit und Zustands einer Gesellschaft ist, wiederholt sich nichts wirklich, sondern erscheint neu in anderem Kontext. Heutiger Kirchenbau, soweit es ihn überhaupt noch gibt, entdeckt gewisse Elemente, wie etwa die Lichtdecke in Cantate Domino, wieder. Die Auseinandersetzung mit dem Innenraum, – Introvertiertheit, Licht und , Multifunktionalität – spielt nach wie vor eine vorrangige Rolle beim Entwurf und die äußere Erscheinung der Kirchen ist modern und nicht historisch. Einen einheitlichen Stil gibt es heute aber nicht mehr.

Weiterlesen im Dossier: Kirchen der 1860er Jahre

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 9. November 2016 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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