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Von – 6. Dezember 2016

Kinder müssen erst lernen, Fiktion und Realität zu unterscheiden

Zwischen drei und sechs Jahren sind Kinder in der „magischen“ Phase. Sie finden es ganz normal, dass Bäume sprechen oder Wolken weinen. Oder dass es den Nikolaus gibt.

Gibt es ihn denn wirklich? Nikolausfeier im Ökumenischen Zentrum Christuskirche im Westend. Foto: Rolf Oeser

Gibt es ihn denn wirklich? Nikolausfeier im Ökumenischen Zentrum Christuskirche im Westend. Foto: Rolf Oeser

Lügen ist schlimm. Das darf man nicht. Und was machen die Eltern? Sie flunkern, was das Zeug hält. Sie erzählen etwas vom Christkind und vom Weihnachtsmann. Und vom Nikolaus, der die Stiefel füllt. Dürfen Eltern das? Oder sollten sie auf solche Geschichten verzichten?

Sicher ist: Kinder lieben solche Erzählungen. Im Alter von drei bis sechs Jahren sind sie in der so genannten „magischen Phase“: Sie können sich vorstellen, dass der Baum spricht, der Mond sie bewacht oder dass der Teddy isst. Kinder entwickeln in diesem Alter eine eigene Logik: Wolken regnen, weil sie traurig sind; der Ball liegt unter der Kommode, weil er schlafen will.

Letztlich ist der Glaube an die Existenz von Nikolaus und Christkind also auch eine Frage der Entwicklung. Bestimmte Areale des Gehirns werden in diesem Alter neu verschaltet. Das Kind lernt nach und nach, Realität und Fiktion zu unterscheiden. Irgendwann kann es erkennen, dass der rot gekleidete Kerl mit dem weißem Bart in Wirklichkeit Herr Müller aus dem Nachbarhaus ist.

Wenn sie vom Nikolaus erzählen, belügen Eltern die Kinder nicht, sondern sie bereichern die kindliche Traumwelt. Allerdings sollten sie es dann auch bei der schönen Traumwelt belassen und diese nicht benutzen, um zum Beispiel irgendwelche Erziehungsziele zu erreichen. Wenn, um beim Klassiker zu bleiben, der Nikolaus fragt: „Wart ihr auch schön brav?“, dann wird eine fremde Autorität genutzt, um Kindern Angst einzuflößen. Das ist dann eher ein Alptraum. Auf gar keinen Fall sollte der Nikolaus bei seinem Besuch ein Sündenregister der Kinder aufzählen, zumal das auch gar nicht zur Legende vom gütigen Nikolaus passt.

Geschichten, Fabeln und Mythen regen die kindliche Phantasie an, sie zeigen, was Gut und Böse ist, und helfen, den Alltag zu erforschen und zu bewältigen. Und wenn der Schwindel dann irgendwann auffliegt, sind Kinder in der Regel nicht enttäuscht oder fühlen sich gar betrogen. Oftmals sind sie im Gegenteil stolz, denn jetzt gehören sie zu den Großen, die die Wahrheit kennen. Und wie gerne schlüpfen ältere Kinder dann in ein Nikolauskostüm und erscheinen den Jüngeren: Sie haben es geschafft, Fiktion und Realität zu unterscheiden.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 6. Dezember 2016 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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