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Von – 29. Dezember 2016

Martin, der Sympathische

Keine Frage: Joachim Köhler ist ein Fan. In seiner Luther-Biografie versprüht er jedenfalls große Begeisterung für den Reformator.

160307_eva_biographie_luther_cover_rzBraucht die Welt wirklich eine weitere Luther-Biografie? Womöglich nicht, aber das ist kurz vor Beginn des Reformationsjubiläums nicht die wichtigste Frage. Wie urteilt ein Luther-Biograf heute über den Mann, über den längst alles geschrieben scheint?

Die Antwort: ganz anders als seine Vorgängerinnen und Vorgänger aus früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten. Man kann den Martin nämlich auch einfach mögen. Wie Joachim Köhler. Wie ungemein sympathisch ihm der große Reformator ist, spürt die Leserin in jedem Satz seiner Biografie „Luther!“.

Das Ausrufezeichen ist bewusst gesetzt. „Luther!“ ist ein Aufruf zur Bewunderung, zum Gernhaben, so subjektiv geschrieben wie packend zu lesen. Köhler, promovierter Philosoph, Jahrgang 1952, will sich absetzen von der kritischen Bewertung Luthers, die sich jüngst gerade in protestantischen Kreisen eingebürgert hat. Nun, so meint Köhler, sei es an der Zeit, die Wende hin zum Lobe Luthers einzuleiten: „Bei aller berechtigten Kritik – etwa an seinem Antisemitismus – bleibt seine welthistorische Leistung als Befreier“, hat der Autor in einem Interview gesagt, das man auf der Internet-Seite der die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland lesen kann. Und auch den Zweifel, ob Luther im Jahre 1517 seine Thesen wirklich und gegenständlich an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt hat, sieht der Autor als widerlegt an, wie er in seinem Buch schreibt. Da wird also auch ein kleiner Kirchenkampf dieser Tage ausgetragen.

Mit durchaus gutem psychologischem Gespür und Lust an der Analyse lässt Joachim Köhler den großen Glaubenskämpfer der Kirchengeschichte lebendig werden. „Christsein heißt, von Tag zu Tag mehr hineingerissen werden in Christus“: Dieses leidenschaftliche Bekenntnis Luthers  steht im Mittelpunkt von Köhlers Werk, das dessen dramatisches Leben in drei Stadien – Bedrängnis, Befreiung und Bewahrung – darstellt.

Mit Befreiung ist zuerst die vom diktatorischen Vater gemeint, dem Mansfelder Bergwerksunternehmer Hans Luder, der ganz andere Pläne mit seinem Sohne hat und ihn mit harter Hand erzieht. Dann von der sturen Glaubenspaukerei im Kloster, die dem begabten, fantasievollen Jungen nicht behagt. Und schließlich, drittens, von der weltlichen Macht. Dabei erfahren Martin Luthers existenzielle Glaubenserfahrungen ebenso viel Raum wie die Anfechtungen psychologischer und politischer Art, mit denen er lebenslang zu ringen hatte.

Joachim Köhler: „Luther! Biographie eines Befreiten“, Leipzig, Evangelische Verlagsanstalt, 408 S., 22,90 Euro.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 29. Dezember 2016 in der Rubrik Bücher & Filme, erschienen in der Ausgabe .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Johanna Helen Schier schrieb am 29. Dezember 2016

    „Man kann den Martin auch einfach mögen“ Beim Lesen Ihres Beitrages
    wurde ich immer neugieriger und will weiter recherchieren: Inwieweit
    quälten ihn die weltlichen Mächte und wie war eigentlich seine Haltung zum
    Antisemitismus.

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