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Von – 8. Februar 2017

Die Roma – Fakten über eine Minderheit

Der Förderverein Roma schätzt, dass 2016 mindestens 300 bis 400 Roma unter menschenunwürdigen Bedingungen in Frankfurt lebten. Sie kommen hierher, weil das Leben zuhause in Rumänien noch härter ist. Hintergründe und Fakten.

Arbeitssuchende aus Rumänien leben in provisorischen Behausungen in Frankfurt. Hier können sie sich immerhin über Wasser halten, zuhause ist selbst das oft unmöglich. Vor allem die Roma unter ihnen haben es schwer, weil sie nicht nur an Armut leiden, sondern auch diskriminiert werden. Foto: Rolf Oeser

Viele Menschen aus Osteuropa, die in ihren Heimatländern keine Chance haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, kommen nach Deutschland. Roma haben es als schlecht angesehene Minderheit besonders schwer. Einige von ihnen leben in provisorischen Bretterhütten auf eine Industriebrache im Gutleutviertel – hier lesen Sie unsere Reportage.

Roma stellen in Rumänien und Bulgarien jeweils zehn Prozent der Bevölkerung. Die große Mehrheit der Roma ist arm. Ein Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung zitiert eine groß angelegte Studie aus dem Jahr 2011. Sie zeigt: Nur zehn Prozent der befragten Roma in Rumänien hatten zwischen 2009 und 2011 kontinuierlich Arbeit, 52 Prozent hatten gar keinen Job, die übrigen arbeiteten sporadisch oder phasenweise.

Die Armut versperrt Roma den Zugang zur Bildung und zum Gesundheitssystem. Zwar besuchen 80 bis 90 Prozent der Roma-Kinder in Rumänien und Bulgarien eine Volksschule, aber nur jedes zehnte von ihnen geht anschließend in eine höhere Schule. In Bulgarien ist nur gut die Hälfte der Roma krankenversichert.

Die Geschichte der Roma in Südosteuropa verlief anders als die der Sinti, Kalé oder Manouche in West- und Mitteleuropa. Während die Romvölker in West- und Mitteleuropa seit ihrer Ankunft vor rund 600 Jahren immer wieder ausgegrenzt und vertrieben wurden, schufteten sie in Südosteuropa als Leibeigene auf den Feldern. Dies war in Ungarn, Siebenbürgen und im Osmanischen Reich, zu dem auch Bulgarien zählte, der Fall. In den rumänischen Fürstentümern hatten Roma bis 1855/56 den Rechtsstatus von Sklaven, sie konnten verkauft werden. Aus der Sklaverei und auch in der Zeit danach flohen Roma aus Rumänien immer wieder in Nachbarländer.

Während des Kommunismus wurden Roma in Rumänien und Bulgarien in den Aufbau der Industrie und die Arbeit der landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften einbezogen, manchmal unter Zwang. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus verloren Roma als erste ihre Arbeit. Weil sie keinen Grund und Boden besaßen, gingen sie auch bei der Rückerstattung von verstaatlichten Grundstücken leer aus und siedelten sich unter anderem in Elendsquartieren in Städten an.

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Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 8. Februar 2017 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe , .

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Susanne Schmidt-Lüer ist Redakteurin und schreibt vor allem über Sozialpolitik, Kirche, Alter und wirtschaftspolitische Themen.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • G. Mueller-Debus, Ffm. schrieb am 22. Februar 2017

    Dass Roma und auch Sinti in allen Laendern, in die sie kamen, diskriminiert wurden und werden, kann niemand betreiten.
    Bedauerlicherweise tragen sie jedoch eine erhebliche Mitschuld daran, weil sie mehrheitlich solide Schul- und Berufsausbildung fuer ihre Kinder ablehnen, (Maedchen bleiben oft sogar ganz bewusst Analphabeten). Dass Roma und Sinti darueber hinaus oftmals kein Interesse haben, sich an Mehrheiten anzupassen oder Ruecksicht zu nehmen, dass sie allzu oft ein gestoertes Vehaeltnis zu Sauberkeit und Ordnung jenseits der Tuer ihrer eigenen Wohnung haben, ist bekannt.
    Beklagen sie sich ueber Diskriminierung und mangelnde berufliche Aussichten, dann sollten sie zuvor zuallererst nachdenken darueber, ihren Kindern eine Schulausbildung zu ermoeglichen, die diese faehig zum Wettbewerb macht. Nur herumzujammern und auf staatliche Unterstuetzung zu hoffen, hilft nicht weiter, sondern laesst sie im Teufelskreis von Nichtvermittelbarkeit und Diskriminierung verbleiben. Das muss man vor allem der Interessenvertretung der Sinti und Roma einmal ganz klar sagen.

  • Katinka Horváth schrieb am 24. Februar 2017

    Ich möchte mich auf den Kommentar von G. Mueller-Debus beziehen:
    Sie haben Recht, Bildung ist der Schlüssel zum Weg aus dem Elend. Nur werden leider schon sehr häufig die Kinder der Roma in den Schulen ihrer Heimatländer diskriminiert. Aus Gesprächen mit Roma weiß ich, dass es Fälle gibt, in denen gute Leistung nicht ebenso gut bewertet wird wie bei Nicht-Roma. Kinder und die Eltern dieser Kinder, besonders, wenn sie selbst bildungsfern sind, werden so sehr schnell vollkommen demotiviert, weil sie diese Art Rassismus einfach nicht verstehen. Sie denken dann sogar oft selbst, sie seien dumm.
    Das Roma sich nicht anpassen wollen resultiert oft daraus, dass sie es einfach aufgegeben haben, akzeptiert zu werden. Weil es meistens trotz Bemühen ohnehin nicht klappt. Mein Mann ist Roma und wir sind aus Osteuropa weg gezogen, weil ich den alltäglichen Rassismus nicht mehr ertragen konnte. Also Roma in Osteuropa muss man doppelt so gut sein wie alle anderen, man muss alles doppelt so sehr wollen, sich doppelt so sehr anstrengen – und sogar das ist meistens nicht genug, um einfach als Mensch akzeptiert zu werden.
    Mein Mann arbeitet hier in Deutschland als Busfahrer im Linienbusverkehr. Doch auch hier erzählt er niemandem, dass er Roma ist, aus Angst vor Verurteilung und Rassismus.

  • G. Mueller-Debus schrieb am 25. Februar 2017

    Ich finde es ausgezeichnet, dass Sie beide sich hier gut integrieren konnten, das schaffen zu viele ja leider nicht. Und es ist absolut nichts Ehrenruehriges, Roma zu sein – da moechte ich nicht missverstanden werden. Roma haben eine geheimnisvolle Kulturtradition.

    Die vielen Millionen Roma in Ost- und Suedosteuropa werden seit Jahrhunderten dort massiv ausgegrenzt, das ist unstreitig. Auch Sinti in Mitte- und Westeuropa haben es nicht immer leicht, sind im Durchschnitt aber doch schon weiter als die Roma.

    Der Schluessel ist und bleibt: Eine solide Ausbildung der Kinder, die eine ebenso solide Berufsausbildung ermoeglicht. Man fragt sich, weshalb dieser zentrale Aspekt den Roma so gleichgueltig ist.

    Juden wurden in Europa fast tausend Jahre ausgegrenzt und in Ghettos gesperrt – und wo sie heute stehen, kann man nur bewundernd anerkennen. Sie haben naemlich als Grundsatz „lebenslanges Lernen“ – und genau hier wird klar, weshalb Roma in ihrer absoluten Mehrheit weiterhin in ihrer misslichen Situation verharren, obwohl sie es ja schon vor hunderten Jahren als mehrheitliche Christen leichter gehabt haetten als Juden in Europa.

    Roma (teilweise auch Sinti) werden in ihrem Umfeld leider meist wahrgenommen als Bettler, Trickdiebe und Menschen, die als Lebensentwurf die Existenz auf Kosten anderer haben – und etwas Derartiges funktioniert in keinem Land der Erde auf Dauer, weil ueberall (berechtigterweise) die Auffassung besteht, dass man, wenn man es koerperlich kann, selbst fuer seinen Lebensuntehalt zu sorgen hat.
    Solange sich diese Einstellung bei den Roma nicht ganz grundlegend aendert, werden sie aus dem Teufelskreis von Armut und Ausgrenzung nicht herauskommen.

    Umso groesser meine Hochachtung vor Ihnen und Ihrem Mann – Sie haben es geschafft und sich hier eine gute Existenz aufgebaut ! Davon wuensche ich mir mehr – viel mehr….

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