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Von , – 21. Februar 2017

Worum geht es nochmal beim Streit um das Abendmahl, und warum ist das heute noch wichtig?

Vor 500 Jahren hat sich das Christentum in Europa heillos zerstritten. Warum eigentlich? In unserer fünfteiligen Serie erläutern der evangelische und der katholische Stadtdekan von Frankfurt die zentralen Standpunkte ihrer jeweiligen Konfession.

Bei ihrem letzten gemeinsamen Essen forderte Jesus die Jünger und Jüngerinnen auf, sich nach seinem Tod weiterhin bei Brot und Wein an ihn zu erinnern und dadurch mit ihm verbunden zu bleiben. Aus diesem Grund wird in christlichen Gemeinden bis heute regelmäßig Abendmahl gefeiert. Illustration: schuessler-illustration.de

Achim Knecht

Achim Knecht ist evangelischer Stadtdekan von Frankfurt. Foto: Rolf Oeser

Beim Abendmahl feiern wir die Gegenwart Jesu unter uns, und die Konfessionen unterscheiden sich darin, wie diese Gegenwart gedacht wird. Nach katholischer Lehre verwandeln sich Brot und Wein von ihrer Substanz her in Leib und Blut Christi. Martin Luther ist zwar ebenfalls von einer realen Gegenwart Christi ausgegangen, aber er hat die Frage, was genau da passiert oder nicht passiert, offen gelassen. In der reformierten Kirche stellt man es sich eher als eine symbolische Gegenwart vor. Luther und Zwingli haben darüber heftig gestritten, inzwischen gibt es aber eine weitgehende Verständigung im evangelischen Lager. Wichtig ist auch, wie das Abendmahl im Verhältnis zu dem gesehen wird, was Jesus Christus für die Menschen getan hat, das Opfer am Kreuz. Nach katholischer Auffassung wird es im Gottesdienst noch einmal vollzogen. Nach evangelischer Auffassung erinnern wir uns gemeinsam daran. Entsprechend gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, warum die Kirche wichtig ist: Wenn im Gottesdienst an die Gnade Christi erinnert wird, muss man nicht unbedingt daran teilnehmen, um diese Gnade zu erfahren. Wenn sie sich dort aber noch einmal vollzieht, dann schon. Es geht also um mehr als darum, einen irgendwie geheimnisvollen Vorgang so oder so zu interpretieren. Evangelische haben eine größere Freiheit und Distanz von der Kirche. Deshalb auch die etwas geringere Kirchgangshäufigkeit nach dem Motto: „Herr Pfarrer, wir sind selten in der Kirche, wir sind evangelisch.“ Es gibt aber noch andere Unterschiede: Grundsätzlich kann jeder evangelische Christ und jede Christin das Abendmahl feiern und einsetzen, nicht nur Pfarrer oder Pfarrerin. Und es sind bei uns alle Konfessionen zum Abendmahl eingeladen, ja sogar alle Menschen, die sich von Jesus eingeladen fühlen, selbst wenn sie gar nicht getauft sind. In der katholischen Kirche dürfen eigentlich nur Katholische am Abendmahl teilnehmen.

Weiterlesen: „Wir Evangelischen haben eine größere Distanz zur Kirche“

Johannes zu Eltz

Johannes zu Eltz ist katholischer Stadtdekan von Frankfurt.

Der Streit ist wichtig, weil das Abendmahl die hauptsächliche, von Christus gewollte Verbindung mit ihm ist. Auf diese Weise wollte er unter uns gegenwärtig bleiben – nicht in einer herrscherlichen Gestalt, sondern als einer, der dient, als „Lebensmittel“. Daran müssen wir uns auch halten. Wir können uns die Formen, in denen wir Gemeinschaft mit Christus haben wollen, nicht einfach selber aussuchen. Gott sei Dank streiten wir uns darüber nicht mehr so wie früher. Die verletzenden und polemischen Formen der Auseinandersetzung haben unendlichen Schaden angerichtet. Aber leider Gottes ist uns auch die Leidenschaft für das Abendmahl ein bisschen abhanden gekommen. Dass wir nicht mehr streiten, hat nicht nur mit erledigten Fragen zu tun, sondern auch mit Wurschtigkeit. Vielen Christen geht es anscheinend nicht mehr so sehr darum, mit Christus verbunden zu werden. Sie machen dann nicht mehr die Erfahrung, dass durch das Abendmahl tatsächlich eine solche Verbindung hergestellt wird. Deshalb denke ich, dass heute nicht in erster Linie Einwände des Verstandes einer Abendmahlsfrömmigkeit im Wege stehen, sondern ein abgekühltes Verhältnis zu Christus überhaupt. Wenn die Sehnsucht, mit ihm in Verbindung zu sein und in seiner Kraft zu leben, wirklich groß ist, dann wird man auch mit aller Leidenschaft danach suchen. Im Abendmahl nehmen wir Christus nicht bloß in einer gedanklichen Annäherung wahr, so wie bei einem anderen historischen Ereignis – das wäre zu wenig. Sondern es soll eine wirkliche, wirksame, mein Leben unmittelbar berührende, mir eben „in Fleisch und Blut“ übergehende Verbindung sein. Das Wunder der Eucharistie, also dass Christus durch die Wandlung von Brot und Wein wirklich in Fleisch und Blut unter uns gegenwärtig ist, erfüllt einen ganz tief in mir angelegten Wunsch. Und ganz tief empfundene Wünsche haben die Tendenz, in Erfüllung zu gehen.

Weiterlesen: „Ganz tief angelegte Wünsche haben die Tendenz, in Erfüllung zu gehen“

Artikelinformationen

Beitrag von , , veröffentlicht am 21. Februar 2017 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Pfarrer Dr. Achim Knecht ist seit 2014 evangelischer Stadtdekan von Frankfurt.

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