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Von – 1. März 2017

Ab jetzt wird es lässig: Bis Ostern machen wir nichts mehr sofort!

„Augenblick mal! 7 Wochen ohne sofort“ ist in diesem Jahr das Motto der evangelischen Fastenaktion in der Passionszeit. Eine verlockende Aufforderung zum Prokrastinieren – und das mit kirchlichem Segen.

Auch mal was liegenlassen: Das Kampagnenmotiv der Fastenaktion „7 Wochen ohne“ in diesem Jahr.

Der März wird lässig. Wir streichen das Wörtchen „sofort“ aus unserem Wortschatz und machen mal langsam. Denn ab 1. März ist Fastenzeit, und „Augenblick mal! 7 Wochen ohne sofort“ das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche. Eine prima Sache für alle, die gerne prokrastinieren. In Konferenzen werden die langweiligen Punkte vertagt, und das mit kirchlichem Segen, herrlich! Zuspätkommen ist völlig okay. Als Begründung – nicht als Ausrede! – genügt ein: „Ich faste!“

Tatsächlich schadet eine Portion Bedachtsamkeit und Unaufgeregtheit nicht. Mir fällt die Geschichte vom alten chinesischen Bauern ein: Das gesamte Dorf beneidete ihn um sein Pferd. „Was für ein Glück!“, sagten die Dorfbewohner, – „Wer weiß?“, entgegnete der Chinese. Als ihm das Pferd entwischt, nimmt er auch das gelassen: „Was für ein Pech!“ – „Wer weiß?“ Der Hengst kehrt mit einer wilden Stute zurück. „Was für ein Glück!“ – „Wer weiß?“ Schließlich zertrümmert sich sein Sohn das Bein, als er auf dem Pferd ausreitet. „Was für ein Pech!“ – „Wer weiß?“ Am nächsten Tag werden alle gesunden Söhne in den Krieg eingezogen. „Was für ein Glück!“ – „Wer weiß?“

Doch eigentlich mag ich auch Spontaneität! Die besten Erinnerungen machen immer noch Verrücktheiten, die ohne große Planung begangen werden. Am ehrlichsten ist die unmittelbare Reaktion. Jemandem „Du bist toll!“ direkt ins Gesicht zu sagen, verzückt mehr als eine penibel ausgearbeitete Liste lobenswerter Charaktereigenschaften. Auf das Bauchgefühl, den ersten Eindruck, ist doch meistens Verlass.

Das Fastenmotto verstehe ich daher weder als Aufforderung für Larifari noch als Einladung, alle Spontaneität fahren zu lassen. Für Journalisten gilt die Regel „Get it first, but first, get it right“, also in etwa: Habe die Nachricht als Erster, aber zuallererst sei dir sicher, dass die Nachricht korrekt ist. Eine schöne Leitlinie auch für’s Leben: Triff schnell Entscheidungen. Aber nur, wenn sie richtig sind. Ich möchte in der Fastenzeit unterscheiden lernen, was sofort entschieden werden soll – und was nicht. PS: Was noch zu klären ist: Wird auch Trump vor dem Twittern mal einen Augenblick nachdenken? Und: Wann muss ich diese Kolumne abgeben? Sofort?

Die bundesweite Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ wird am  Sonntag, 5. März, um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Gethsemanegemeinde in Frankfurt am Main offiziell eröffnet. Das ZDF überträgt die Feier live.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. März 2017 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Manon Priebe ist freie Journalistin in Frankfurt und Würzburg und Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Sie twittert unter @manonpriebe

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