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Von – 12. März 2017

Beratung in der eigenen Sprache für Menschen auf Arbeitssuche

So helfen Kirchen und Stadt Arbeitssuchenden, die aus anderen Ländern nach Frankfurt kommen: Seit einem Jahr gibt es die „multinationale Informations- und Anlaufstelle für neuzugewanderte EU-Bürger/innen“. Eine erste Bilanz.

Vesela Zaharieva (links) berät auf Bulgarisch, Orsolya Làposi (rechts) auf Rumänisch und Ungarisch. Foto: Melanie Gärtner

„Es gibt Tage, da stehen die Leute vor dem Büro schon Schlange, wenn wir öffnen“, sagt Vesela Zaharieva und schüttelt den Kopf. Seitdem sie als Sozialarbeiterin bei MIA tätig ist, hat sie viel zu tun und dabei schon die unglaublichsten Geschichten gehört.

Von Menschen, denen in ihrem Heimatland ein Job in Deutschland versprochen wird, von Familienvätern, die ihre letzten Ersparnisse zusammenkratzen, um nach Frankfurt zu kommen, von Busfahrern, die ihre Passagiere einfach irgendwo in der Stadt aussetzen – ohne eine Ahnung, wohin sie sich wenden sollen und natürlich ohne den versprochenen Job.

Viele dieser Menschen kommen aus Osteuropa, viele landen in den Einrichtungen der Frankfurter Wohnsitzlosenhilfe, und viele kommen irgendwann zu einer Beratung zu MIA. Die vor einem Jahr eröffnete, multinationale Informations- und Anlaufstelle für neuzugewanderte EU-Bürgerinnen und Bürger hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Frankfurt gestrandete Menschen aus anderen EU-Ländern in ihrer eigenen Sprache zu beraten und sie in die Hilfsangebote in der Stadt zu vermitteln.

Bulgarien, Rumänien, Spanien, Polen und Italien

Die meisten der Klienten und Klientinnen kommen  aus Bulgarien, Rumänien, Spanien, Polen und Italien. Sozialarbeiterin Vesela Zaharieva stammt selbst aus Bulgarien und ist durch ihre Muttersprache die geeignete Ansprechpartnerin für ihre Landsleute, die es auf den verschiedensten Wegen nach Frankfurt verschlagen hat. Neben ihr arbeiten bei MIA sechs weitere Mitarbeiterinnen, die neben deutsch ein Sprachenspektrum von elf Sprachen abdecken, darunter rumänisch, polnisch, kroatisch, spanisch und englisch.

„Der Großteil unserer Arbeit besteht darin, den Menschen zu erklären wie das System hier funktioniert und welche Angebote ihnen offen stehen“, sagt Sozialarbeiterin Orsolya Làposi, die in den Sprachen rumänisch und ungarisch berät. „Meist geht es aber zunächst darum zu klären, ob die Menschen Ansprüche auf das Hilfssystem hier haben, oder nicht.“ Und diesen haben die meisten erst nach fünf Jahren.

„In den letzten zwei bis drei Jahren haben wir in unserer Wohnsitzlosenarbeit festgestellt, dass sich die Zielgruppe ändert“, sagt Caritasdirektorin Gaby Hagmans. Neben den deutschen Obdach- und Wohnungslosen, die Einrichtungen wie CASA21 (Caritas) oder WESER5 (Diakonie)  seit vielen Jahren nutzen, kommt ein Großteil der Menschen, die täglich den Tagestreff aufsuchen, heute aus Osteuropa.

Nur ein Viertel hat einen qualifizierten Berufsabschluss

„Wir stoßen durch die Sprachbarrieren an die Grenzen unserer Sozialarbeit und können viele Menschen nicht in das Hilfssystem vermitteln, weil sie nicht berechtigt sind“, sagt Pfarrer Michael Frase, Leiter der Diakonie Frankfurt. „Wie brauchen Angebote wie MIA, die sich nach den Bedürfnissen der Klienten richten.“ Und der Bedarf ist groß: 1149 Personen kamen im vergangenen Jahr zu MIA in Beratung – fast das  Doppelte der ursprünglich erwarteten Anzahl. Drei Viertel von ihnen waren ohne festen Wohnsitz, nur ein Viertel hatte einen qualifizierten Berufsabschluss.

„Wenn man ohne eine ausreichende Qualifizierung in Frankfurt landet, hat man auf dem hiesigen Arbeitsmarkt mit seinen hohen Anforderungen nicht leicht“, sagt die Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld. „Die Stadt Frankfurt tut daher viel dafür, dass diesen Menschen in ihrer Notlage geholfen wird.“

Träger des Projekts sind die evangelische und katholische Kirche in Kooperation mit der Stadt. Finanziert wird MIA mit 680.000 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, den Europäischen Hilfsfond für die am stärksten benachteiligte Personen (EHAP) und der Stadt Frankfurt. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. März 2017 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Die Filmemacherin, Journalistin und Autorin Melanie Gärtner mag es, der Welt und den Menschen um sie herum einen aufmerksamen Blick zuzuwerfen: www.m-eilenweit.de.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • G. Mueller-Debus schrieb am 12. März 2017

    Diese multinational gepraegte Anlaufstelle wird sich zu einer sehr nuetzlichen Institution weiterentwickeln. Und genau das ist ihr zu wuenschen – vor allem wegen vieler osteuropaeischer Bauarbeiter, die hierherkommen, schwere Arbeit auf dem Bau leisten – und dies oft zu geringstmoeglcher Bezahlung oder gar zu keiner Bezahlung, weil sie von gewissenlosen Hazardeuren ausgebeutet werden.

    Die Schwierigkeit duerfte aber wohl darin bestehen, wirklich Hilfsbeduerftige aus den leider vielfach korrupten oesteuropaeischen Laendern von denjenigen zu unterscheiden, die im Strom mitschwimmen in der schlichten Absicht, hier auf Kosten deutscher Steuerzahler ihr Leben zu gestalten, ohne ernsthaft einer regulaeren Arbeit nachgehen zu wollen. Diese Unterscheidung zu treffen ist sicherlich nicht so einfach wie es klingt, muss aber vollzogen werden, denn sonst wirkt eine (staatliche) Versorgungsmoeglichkeit in Deutschland wie ein Magnet auf prekaere Bevoelkerungsteile osteuropaeischer Laender, ganz einfach mit ihren (meist grossen) Familien ihren Wohnsitz hierher zu verlegen, um sich hier ihr Leben finanzieren zu lassen.

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