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Von – 16. März 2017

„Der deutscheste Mann von allen“

Martin Luther wurde lange als Bollwerk gegen den Feminismus gefeiert. Da wäre heute mehr Selbstkritik nötig, sagt die Historikerin Katharina Kunter.

Die Reformationsfeierlichkeiten in diesem Jahr haben eine männliche Schlagseite, kritisiert die Historikerin Katharina Kunter. Gestern sprach sie in Frankfurt beim Pfarrerinnentag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Foto: Antje Schrupp

Frau Kunter, beim Pfarrerinnentag in Frankfurt kritisierten Sie, wie männlich das 500. Reformationsjubiläum geprägt ist. Was missfällt Ihnen?

Katharina Kunter: Als Historikerin fallen mir Parallelen zu 1917 auf. Damals beim 400. Jubiläum der Reformation wurde Luther als Nationalheld präsentiert, als Identifikationsfigur für die preußischen Eliten. Im Lauf des 19. Jahrhunderts war ein Personenkult entstanden, der bis heute nachwirkt. Dabei wurde Luther auch als besonders „männlich“ dargestellt, quasi als der „deutscheste“ Mann, den es je gegeben hat. Diese Verbindung von Nationalismus und Männlichkeitskult wird heute gar nicht reflektiert.

Aber immerhin ist jetzt mit Margot Käßmann eine Frau offizielle Reformationsbotschafterin.

Kunter: Ja, aber sie beteiligt sich kaum an der inhaltlichen Debatte. Ich habe manchmal den Eindruck, ihre Rolle ist eher, emotional für das Jubiläum zu werben und auch Frauen dafür zu gewinnen. Eine geschlechterbewusste Analyse des protestantischen Erbes fehlt jedenfalls völlig. Mit einer wichtigen Ausnahme stammen fast alle neuen Biografen von Männern, und auf Podien und bei Vorträgen sind oft nur Männer zu hören.

Was wäre denn am Protestantismus aus geschlechterbewusster Perspektive zu analysieren?

Kunter: Zum Beispiel, wie sehr die Reformationsdeutung im 19. Jahrhundert antifeministische Züge trug. Das Bild vom Pfarrhaus etwa war dezidiert gegen die damals entstehende bürgerliche und soziale Frauenbewegung gerichtet, die für Emanzipation und Wahlrecht kämpfte. Jedes Lutherdenkmal, das gebaut wurde, war ein Statement gegen den Feminismus.

Und die evangelischen Frauenverbände waren kein Gegenpol?

Kunter: Die waren leider ebenfalls antifeministisch. Sie vertraten ein sehr konservatives Frauen- und Familienbild und unterstützten die offizielle Linie.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 16. März 2017 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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