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Von – 27. März 2017

Leben mit Baby: Guter Start statt Überforderung und Einsamkeit

Die Geburt eines Kindes ist für jede Familie ein Neuanfang. Damit dieser Start gelingt, gibt es in Frankfurt Hilfsangebote für Eltern und ihre Neugeborenen.

Bald kommt das zweite Kind: Auch dann will die Journalistin Erika von Bassewitz wieder die Hilfe von „wellcome“ in Anspruch nehmen. Foto: Ilona Surrey

Die meisten Eltern kennen das: Egal, wie sehr sie sich auf ihr Kind gefreut, sich auf die Entbindung vorbereitet haben – wenn das Baby erst da ist, ist alles anders. Der Alltag mit einem Neugeborenen wirft den vertrauten Alltag gründlich durcheinander.

„Zu Beginn habe ich einfach geputzt, wenn die Mitarbeiterin von „wellcome“ kam“, erzählt Erika von Bassewitz. Die junge Journalistin lebt mit ihrem Mann und der bald zweijährigen Tochter Ariana in Sachsenhausen, erwartet demnächst ihr zweites Kind. Schon nach der Geburt von Ariana hatte von Bassewitz  die Hilfe von „wellcome“-Frankfurt Süd in Anspruch genommen. Für die Zeit mit dem zweiten Baby wird sie es wieder tun.

„Wir waren neu in Frankfurt, haben keine Familie vor Ort“, erzählt sie. „Da war und ist es eine große Hilfe, zu wissen, dass ab und zu jemand kommt und sich um das Baby kümmert.“ Um das Baby oder um das ältere Geschwisterkind – die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen von „wellcome“ richten sich nach den Bedürfnissen in den Familien und kommen etwa drei Monate lang mehrmals pro Woche für ein paar Stunden vorbei.

Drei Standorte in Frankfurt

Gegründet wurde „wellcome“ 2002 in Hamburg. In Frankfurt gibt es inzwischen ebenfalls drei Standorte, deren Träger die Evangelische Familienbildung oder das Haus der Volksarbeit sind. Die ehrenamtlichen Helferinnen wollen die jungen Familien durch kleine Auszeiten entlasten, helfen auch bei der Pflege von Mehrlingsgeburten oder Besuchen beim Kinderarzt.

„Um die Startschwierigkeiten in den Griff zu bekommen, reichen in der Regel drei Monate“, sagt Heike Nocken-Höpker. Die gelernte Kinderkrankenschwester hat selbst erwachsene Kinder, leitet das Projekt „wellcome“-Frankfurt Süd. Sie wählt die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen aus, die „vor allem Erfahrung im Umgang mit Kleinkindern und Freude an der Arbeit mit Menschen“ mitbringen müssen.

Familien, die „wellcome“ in Anspruch nehmen möchten, setzen sich mit ihr telefonisch in Verbindung, Familie und Betreuerin entscheiden gemeinsam, ob „die Chemie stimmt“, so die Projektleiterin. Ein Vertrag wird geschlossen, die Unterstützung kostet maximal fünf Euro pro Stunde.

Zwölf Ehrenamtliche sind zur Zeit bei „wellcome“ Frankfurt Süd im Einsatz, für Heike Nocken-Höpker könnten es auch mehr sein: „Die Bereitschaft, solche Hilfen in Anspruch zu nehmen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen“, so ihre Erfahrung. „Früher hat man sich eher geniert, Hilfe zu suchen, inzwischen ist das legitim geworden.“

Viele junge Familien sind erschöpft und isoliert

Gerade in einer Stadt wie Frankfurt haben Eltern heute seltener Angehörige in der Nähe, die nach einer Entbindung zu Hause mithelfen können: Die Fluktuation unter jungen Familien ist hoch, Unterstützung, Anbindung, Informationsaustausch fehlen. Viele junge Eltern erleben den Dreiklang aus Erschöpfung, Überforderung und Isolation als Belastung. Auch da kann „wellcome“ helfen: „Wir stehen als Ansprechpartner zur Verfügung, helfen je nach Bedarf auch, längerfristige Lösungen der Entlastung zu finden, informieren über die verschiedenen Angebote in der Stadt“, so Nocken-Höpker.

Erfahrungen aus Frankfurt und anderen deutschen Städten zeigen, dass bei rund einem Viertel aller Familien rund um die Geburt eines Kindes zusätzlicher Informations- und Unterstützungsbedarf besteht. Hier setzen auch die „Babylotsen“ des Frankfurter Kinderschutzbundes an: „Für einen guten Start…“ – so das Motto – bieten neun Sozialarbeiterinnen in sieben Geburtskliniken der Stadt Rat und Tat rund um die Entbindung, die ersten Amtshandlungen, Babypflege und die möglichen Anlaufstellen für junge Familien im Stadtteil an.

„Zuerst  schauen wir, wo genau Unterstützung gebraucht wird“, erklärt Nicola Küpelikilinc, Projektleiterin beim Kinderschutzbund Frankfurt. Schon bei der Anmeldung zur Entbindung in den Kliniken werden die schwangeren Frauen über das Angebot der Babylotsen informiert, erstellen Hebammen eine Bedarfseinschätzung.

Hilfsbedürftigkeit ist nicht immer eine Frage des Geldes

„Viele Familien melden sich von sich aus bei uns, auf andere gehen wir in den ersten 24 Stunden nach der Entbindung zu“, berichtet erzählt Anne Kratz, Babylotsin am Klinikum Höchst. „Wir helfen  mit Adressen für günstige Babyausstattung genauso wie beim Ausfüllen von Kindergeld- oder Wohngeldanträgen und vermitteln Beratungs- oder Hilfsangebote im Stadtteil.“

Die Inanspruchnahme der Hilfe durch die Babylotsen ist immer freiwillig, aber die Erfahrung zeigt, dass gerade Familien in Belastungssituationen das offene Gesprächsangebot gern annehmen. „Hilfsbedürftigkeit ist nicht immer eine Frage des Geldes“, erklärt Nicola Küpelikilinc. „Sie kann auch aus Einsamkeit oder Überforderung entstehen, gerade bei neu zugezogenen Familien.“

In erster Linie gelte es, die jungen Familien in ihrem Stadtteil anzubinden: „Wir kennen alle Hilfsangebote, machen Vorschläge, begleiten die Eltern gelegentlich auch,  wenn sie sich alleine nicht trauen.“ Niedrigschwellig müssten alle Angebote sein, auch in der Nähe des Wohnortes liegen. „Es gibt in Frankfurt sehr viele Angebote für junge Familien, ob in kommunaler oder in freier Trägerschaft“, so Küpelikilinc. „Aber vielen sind sie nicht bekannt. Die Babylotsen oder „wellcome“ leisten hier wichtige Dienste – für einen guten Start.

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Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 27. März 2017 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe , .

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Stefanie von Stechow ist Mutter von vier Kindern und freie Journalistin. Sie schreibt über Themen aus Familie, Bildung und Gesellschaft.

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