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Von – 8. April 2017

Algorithmen sind Chance und Gefahr zugleich

Algorithmen, also automatisierte Handlungsabfolgen, gewinnen immer mehr Einfluss auf unser Leben. Das ist aber kein Grund für Panik und unverhältnismäßige Regulierungen.

Eine Frau fotografiert das Werk „Timelines“ von Ellie Harrison. Die Künstlerin hat dafür fünf Jahre lang Daten über sich gesammelt. Foto: Britta Pedersen / Picture Alliance

Ich gehöre nicht zu denen, die schon im Bett ihre Mails checken. Aber spätestens beim Frühstück lese ich auf dem Smartphone die Nachrichten. Dann geht es mit digitaler Musik ins Büro, die Tür zu selbigem öffnet sich mit Magnetkarte. Wie schön: Nie wieder muss ich einen Weg mittels kompliziert zusammengefalteter Stadtpläne suchen oder mich beim Aufnehmen eines Liedes über das Dazwischengequatsche des Moderators ärgern. Kein Wunder, dass mehr als die Hälfte aller Deutschen ein Smartphone besitzt.

Doch was praktisch ist, hat oft auch eine Kehrseite. Unser Leben wird zunehmend von Algorithmen bestimmt. Sie automatisieren Handlungsmuster: „Wer dieses Buch gekauft hat, hat auch jenes Buch gekauft.“ In den USA werden solche vorgeschlagenen Bücher bereits unverbindlich auf gut Glück den Betreffenden zugeschickt. Offenbar rentiert sich das.

Algorithmen wissen mehr über uns, als wir oft eingestehen wollen. Täglich füttern wir das Netz mit noch mehr Daten, damit sie noch genauer werden. 70 „Likes“ auf Facebook reichen aus, damit der Algorithmus mehr über mich weiß als ein echter Freund. Bei 150 Likes übertrifft er die Eltern, ab 300 sogar Partner oder Partnerin.

Viele Menschen sorgen sich daher um den Datenschutz. Das EU-Parlament hat nun eine „Europäische Datenschutzverordnung“ verfasst, die kommendes Jahr in Kraft tritt. Nach Auffassung von Christoph Kucklick bedeutet das aber eine „digitale Konterrevolution“. Was zum Schutz vor Google, Facebook und Co. gedacht war, wende sich gegen die Einzelnen, warnte der Chefredakteur des Magazins GEO beim Algorithmen-Symposium der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

So solle die Benutzung eines fremden Namens in einer Nachricht, zum Beispiel einem Tweet, an die Einwilligung der Betroffenen gebunden sein. Wer eine kritische Bemerkung zu einem Konzert von Helene Fischer machen möchte, soll also vorher die Künstlerin fragen? Das ist absurd. Viele der vorgesehenen Datenschutzpflichten könnten Privatpersonen gar nicht erfüllen, so Kucklick.

Er warnte auch vor der Macht der Datenschutzbehörde: Sie dürfe ohne richterliche Genehmigung in Privatwohnungen eindringen und sie durchsuchen. Man stelle sich dieses Werkzeug in der Hand von Rechtspopulisten vor! „Die berechtigte Sorge um die Macht der Algorithmen wird genutzt, um unsere bürgerlichen Freiheiten einzuschränken“, kritisierte Kucklick.

Die Informatikerin Katharina Zweig schlug einen „Algorithmus-TÜV“ vor. Selbstlernende Systeme können bei Kreditvergaben herangezogen werden oder computerbasierte Prognosen über die Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern bei der Findung des Strafmaßes. Wichtige Fragen des Lebens dürften aber nicht Algorithmen überlassen werden, so die Hochschullehrerin der TU Kaiserslautern.

Mehr zum Thema und zum EKHN-Kongress im Dossier „Algorithmen“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 8. April 2017 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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