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Von – 28. April 2017

Angebote für Alte müssen kreativer werden – und vielfältiger

Das Alter ist wie die Pubertät eine Lebensphase, in der sich Menschen neu finden. Wie können sie erreicht werden? Passt der klassische Seniorentreff noch in die Zeit?

Zum Alter gibt es viele Klischees. Aber alte Menschen lassen sich nicht so leicht auf einen Nenner bringen. Foto: yakobchukolena / fotolia.com

Barbara Hedtmann hat nichts gegen Kaffee. Wer sich zum Kaffeetrinken trifft, redet miteinander. Deshalb mag die Leiterin der Koordinationsstelle für Erwachsenenbildung und Seniorenarbeit der evangelischen Kirche in Frankfurt auch einen Satz nicht mehr hören: „Seniorenarbeit heute ist nicht mehr nur Kaffeetrinken.“ Was spricht denn gegen Kaffeetrinken?

Was stimmt ist, dass Angebote für ältere Menschen heute eine andere Herausforderung darstellen als noch vor 20 Jahren. „Es gibt nicht mehr ‚Die Alten‘“, sagt Hedtmann „Das Alter ist wie die Pubertät eine Lebensphase, in der sich Menschen neu finden. Und zwar auf ganz vielfältige und individuelle Weise.“ Wie können sie erreicht werden? Passt der klassische Seniorentreff noch in die Zeit? Welche Chance haben Generationenprojekte? Um auszuloten und zu vermitteln, wie die zeitgemäße Arbeit mit Seniorinnen und Senioren aussehen kann, hat Hedtmann Ehrenamtliche aus Gemeinden und Verbänden zu einem Workshop eingeladen.

Von den 113.616 Einwohnerinnen und Einwohnern Frankfurts, die 65 Jahre und älter sind, gehören genau 31.928 zu evangelischen Kirchengemeinden – ein hohes Potenzial an Zeit und Erfahrungen. Manche von ihnen engagieren sich in Kirchenvorständen, leiten Gemeindegruppen oder nehmen an anderen Aktivitäten teil. Viele haben aber auch keinen Kontakt zur Gemeinde. Gibt es Möglichkeiten, sie zu erreichen?

Foto: Ingo Bartussek / fotolia.com

Die Menschen werden älter, in Frankfurt und anderswo. Viele sind fit, wenn sie die Mitte des siebten Lebensjahrzehnts erreichen, und teils auch noch lange danach. „Das Alter ist eine Lebensphase, die heute 20 Jahre und länger dauert. Das ist für die gesellschaftspolitische und psychologische Forschung ein neues Feld“, sagt Barbara Hedtmann.

Gleichzeitig sei es immer noch eine Lebensphase, in der eben noch beruflich stark engagierte Männer und Frauen „auf einmal viel Zeit haben“. Allerdings nicht alle: Hedtmann spricht von einer „Sandwichgeneration“, denn viele müssten sich am Ende des Berufslebens um ihre hochbetagten Eltern kümmern, während gleichzeitig die eigenen Kinder noch in der Ausbildung sind. „Für diese Gruppe ist Entspannung wichtig.“

Andere aber seien voller Tatendrang und hätten das Gefühl: „So, jetzt geht’s los.“ Ein regelmäßiger Kaffeetreff im Gemeindehaus sei für sie womöglich nicht passend. Besser kommen Initiativen wie etwa die „Natur Tour“ gut an, die die Kreuzgemeinde in Preungesheim organisiert. In kleinen Gruppen machen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg, um grüne Flecken in Frankfurt zu erkunden. Auch Frauenfrühstücke mit thematischen Impulsen hält Hedtmann für ein gutes Format. Wichtig sei es, dass die Angebot unverbindlich sind: Viele Ältere möchten sich nicht unbedingt auf wöchentliches Erscheinen festlegen, sondern sich spontan entscheiden, ob sie kommen oder nicht.

Eine völlig andere Zielgruppe seien die Hochbetagten oder Menschen, die Pflege benötigten. „Für sie ist ein offener Seniorentreff etwas Tolles.“ Durch regelmäßige Begegnungen ließen sich Kontakte aufbauen, Kontakte halten und die Einsamkeit durchbrechen. „Man erkundigt sich auch nacheinander: Weiß jemand etwas von Frau Schulze? Die kommt doch sonst immer!“

Manchmal sorgen auch politische Entwicklungen dafür, dass Gemeinden sich neu aufstellen müssen. Das Pflegestärkungsgesetz etwa, das 2015 in Kraft getreten ist. „Es sieht vor, dass ältere Menschen so lange, wie es geht, zuhause gepflegt werden sollen.“ Dadurch werden natürlich Begegnungsräume außerhalb von Heimen wichtiger.

Und über allem schwebt die Frage: Was für ein Bild haben wir eigentlich von älteren Menschen? Falsch ist zum Beispiel längst die Annahme, dass sie mit dem Internet nichts am Hut hätten. Viele von ihnen haben heute ihr Smartphone immer dabei, sagt Barbara Hedtmann. „Da wird viel über WhatsApp kommuniziert, oder auch über Skype – schon, um mit den erwachsenen Kindern Kontakt zu halten, die weggezogen sind. Ganz viele sind auch auf Facebook.“

Nichtsdestotrotz sei dabei manchmal auch Hilfe nötig. Ein Seminar, das Barbara Hedtmann immer wieder anbietet, heißt deshalb: „Das Smartphone, meine Apps und ich“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 28. April 2017 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe , .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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