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Von – 18. April 2017

Im Bibelmuseum ist jetzt ein echter Ablassbrief zu sehen

Auf den Ablassbrief aus dem Reformationsjahr 1517 ist Jürgen Schefzyk, Direktor des Bibelhauses am Museumsufer, besonders stolz. Das wertvolle Stück Papier ist jetzt zusammen mit vier weiteren „Rara“, also sehr seltenen Dokumenten, in die aktuelle Sonderausstellung „fremde.heimat.bibel“ eingefügt worden.

Jürgen Schefzyk, Leiter des Frankfurter Bibelmuseums, mit dem originalen Ablassbrief aus dem Jahr 1517. Foto: Stephanie von Selchow

„Mit diesem Ablassbrief hat Ernst Albrecht von Brandenburg Geld eingetrieben“, sagt Schefzyk. Ablass war im Mittelalter eine Form der Beichte, bei der Menschen schlechte Taten büßen konnten, etwa in Form von frommen Werken oder auch Geldzahlungen.

Martin Luther war zunächst kein erklärter Gegner des Ablasses, erklärt Schefzyk. Aber als der Dominikaner-Mönch Johann Tetzel für den Brandenburger Kurfürsten Ablasszahlungen regelrecht eintrieb, da mit dem Geld der Neubau des Petersdoms in Rom finanziert werden sollte, übte Luther Kritik. Am 31. Oktober 1517 schrieb er an Albrecht von Brandenburg und klagte – mit seinen 95 Thesen – gegen den Ablasshandel. Dabei wusste er noch nicht einmal, dass nur die Hälfte aus dem Ablass-Geschäft Albrechts tatsächlich für den Petersdom nach Rom geschickt wurde. Die andere Hälfte nutzte Ernst Albrecht zur Schuldentilgung: Das Bankhaus Fugger hatte ihm nämlich den Kauf kirchlicher finanziert, sodass er neben seinem weltlichen Amt als Kurfürst auch Erzbischof von Mainz und Magdeburg sein konnte.

Bibel lesen statt Ablass zahlen

Vom Ablassbrief führe eine direkte Linie zu Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, sagt Schefzyk. Denn indem Luther die Wirksamkeit der  Ablassbriefe bestreitet, nimmt er den Menschen die Sicherheit, dass ihre Sünden vergeben werden – und viele hatten damals Angst vor der Hölle.

Deshalb habe Luther die Bibel ins Deutsche übersetzt, sagt Schefzyk: Damit die Menschen selbst darin lesen und feststellen konnten, dass die Sünden allein durch den Glauben an Christus vergeben werden. Auch eine Ausgabe aus dem zweiten Druck der Luther-Übersetzung des Neuen Testaments, das so genanntes „Dezember-Testament“ von 1522, ist in der Ausstellung zu sehen.

Eine weitere Rarität ist die Koberger Bibel von 1483. Sie ist eine von 18 deutschsprachigen Bibeln, die es bereits vor der Übersetzung Luthers gab. Allerdings ist das mittelalterliche Deutsch dieser Übersetzung so sehr an den Wortlaut der lateinischen Sprache angelehnt, dass es kaum zu verstehen ist. Dafür ist die Bibel prächtig ausgestattet. Sie stammt von Anton Koberger aus Nürnberg, damals einer der bedeutendsten deutschen Buchdrucker, Verleger und Buchhändler. Aufgeschlagen ist im Bibelmuseum eine Seite, die die Erschaffung Evas in den symbolischen Farben Blau, Rot und Gold darstellt. Die Welt ist dabei noch als Scheibe dargestellt, während sich das Weltbild in der daneben liegenden Lutherbibel von 1545 bereits geändert hat: Dort ist die Welt eine Kugel, über der Gottvater mit Bart thront.

Originale Luther-Dokumente

Außerdem sind drei Originalschriften von Luther neu in die Ausstellung gekommen: eine Adelsschrift von 1520, ein Sendbrief an Papst Leo X. von 1520 und eine Ratsherrenbrief von 1524. In der Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ ruft Luther die Fürsten dazu auf, die Reformation praktisch durchzuführen, weil die Bischöfe darin versagt hätten. Den Sendbrief an den Papst schrieb Luther, nachdem ihm am 15. Juni 1520 der Kirchenbann angedroht wurde. Er legte ihm seine Programmschrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ bei, in der er sich mit Bezug auf die Bibel verteidigt. Und im Brief an die „Radtherren aller Stette teutschen Lands“ regt Luther an, Schulen für die Erziehung der Kinder zu gründen, und zwar nicht nur für Jungen, sondern auch für Mädchen. „Das wurde damals zwar nicht umgesetzt“, sagt Schefzyk, „aber die Forderung war ab da in der Welt.“

Neu in der Ausstellung sind schließlich auch Briefe aus Frankfurt und eine „Stallnotiz“ Luthers über seine Pferde, die 1521 bei seiner Reise von Worms zur Wartburg entstanden sind. Das Bibelhaus hat Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Sonn- und Feiertags von 14 bis 18 Uhr.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 18. April 2017 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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