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Von – 13. Mai 2017

Der Medienmogul der Reformation

Lucas Cranach ist der Bildgeber der Reformation. Von ihm stammt nicht nur das berühmteste Luther-Portrait. Er hat mit unzähligen Bildern und Illustrationen reformatorische Gedanken einem großen Publikum bekannt gemacht.

Martin Luther und Katharina von Bora als biederes Ehepaar. Cranachs Bilder und Illustrationen waren immer auch Werbung für die Reformation.

Im Jahr 1520 malte Lucas Cranach eines der ersten Lutherporträts: Ein Kupferstich, der Luther so zeigt, wie er zu dieser Zeit ausgesehen haben mag: Erschöpft von Studium und Sorge, sehr hager, aber auch voller Gelehrsamkeit und im frischen Mannesalter, wie ein Zeitgenosse schrieb.

Das Bild verkaufte sich nicht, sagte Jürgen Telschow bei einem Lichtbildervortrag über den Künstler in der Gemeinde Niederursel. Daraufhin änderte der Künstler es ein bisschen: Er stellte Luther in eine Nische – so, wie bis dahin nur Heilige dargestellt wurden –, gab ihm etwas weichere Züge und legte ihm eine Bibel in den Arm. Nun wirkte er eher wie ein Theologe, ein Universitätsprofessor. Das wirkte sich sofort positiv auf die Verkaufszahlen aus.

Lucas Cranach der Ältere, eine der bedeutendsten Renaissance-Persönlichkeiten und Künstler des 16. Jahrhunderts,  unterstützte Martin Luther und die Reformation, profitierte aber auch kräftig von dieser „Öffentlichkeitsarbeit“, wie Telschow in seinem Vortrag herausarbeitete.

Cranach war mit Luther befreundet: Bis zu ihrer Hochzeit konnte Luther seine Braut Katharina von Bora bei ihm unterbringen, und Cranach und seine Frau waren dann Trauzeugen bei Luthers Hochzeit im Mai 1525. Cranach wurde Taufpate von Luthers ältestem Sohn Johannes und machte Luther zum Paten bei seiner jüngsten Tochter Anna. Der Künstler war auch mit anderen Reformatoren wie Philipp Melanchthon und Gregor Brück befreundet. Letzterer war 1522 kurfürstlicher Kanzler und einer der wenigen Juristen, von denen Luther etwas hielt. Über ihn hatte er Kontakt zum sächsischen Kurfürsten hatte, wie Telschow berichtete.

Luther, Melanchthon, Cranach und Brück hatten ein gemeinsames Ziel: Öffentlichkeit für Luther herstellen, um die Reformation zu unterstützen. Luther und Melanchthon schrieben und predigten, Cranach illustrierte, malte und verlegte Bücher. Brück hatte im Namen des Kurfürsten ein politisches Interesse, sagte Telschow: Luthers Sache sollte nicht im Geheimen in Kirche und kaiserlichem Kabinett verhandeln werden, denn die Öffentlichkeit sollte den Reformator schützen. Das misslang zwar, doch zumindest die Reise von Wittenberg nach Worms sorgte für viel Aufmerksamkeit in der Bevölkerung.

Cranach hat nicht nur das berühmteste Lutherporträt geschaffen, sondern malte auch Luther und Katharina kurz nach ihrer Hochzeit in Öl, als ehrenwertes bürgerliches Paar: Ein Doppelporträt gegen Schmähungen und Verleumdungen, denen der einstige Mönch und die entlaufene Nonne wegen ihrer Heirat ausgesetzt waren.

Der Künstler bezog Stellung, indem er Bücher und Flugschriften illustrierte, die etwa auch derb den Papst und den Ablasshandel der katholischen Kirche an den Pranger stellten. In seinen Bildern griff er Luthers neue Theologie auf, sein Konzept der göttlichen Gnade. So etwa auf dem Altarbild „Gesetz und Gnade“ von 1529, in dem ein Strahl Blut des am Kreuz hängenden Jesus Cranach trifft, der zwischen Luther und Johannes dem Täufer rechts vom Kreuz steht. Auch dies ein Zeugnis protestantischen Selbstbewusstseins, sagte Telschow.

Cranach, der sich nach seinem Geburtsort Kronach von „Lucas Maler“ in „Lucas Cranach“ umbenannt hatte, muss sehr umtriebig und geschäftstüchtig gewesen sein, so Telschow. Ab 1505 war er Hofmaler am kursächsischen Hof, zuerst unter Friedrich dem Weisen, dann unter seinen beiden Nachfolgern. Er bekam eine Apanage bei Hof, ein Grundgehalt von 100 Gulden im Jahr, so viel wie ein Universitätsprofessor in der damaligen Zeit, erläuterte Telschow. Zusätzlich wurde er für jede Arbeit entlohnt. Als Hofmaler malte er die fürstliche Familie, war aber auch für die Ausstattung von Kirchen und Schlössern zuständig, entwarf etwa auch Uniformen. Nebenher entwickelte er sich immer mehr zum Porträtmaler.

Man geht davon aus, dass rund 5000 Ölbilder seine Werkstatt verlassen haben, sowie zahllose Kupferstiche und Holzschnitte, Illustrationen, Bücher sowie  Flugblätter. Cranachs Produktivität erstaunte sogar seine Zeitgenossen. Sie war nur möglich, weil er nach dem Vorbild italienischer Maler eine sehr gut organisierte Werkstatt in Wittenberg betrieb, in der bis zu elf andere Malern und Gehilfen  und zwei Lehrlinge arbeiteten. Für verschiedene Fürsten- und Reformatorenporträts wurden Vorlagen verwendet, die dann in der über Jahre wiederholten Malerei dem gealterten Aussehen der Dargestellten angepasst wurden.

Cranach war nicht das einsame Renaissance-Genie, sondern ein Teamarbeiter, der seine Autorschaft hinter der Marke „Cranach“ zurückstellte, sagte Telschow. Er stellte aber keineswegs nur Massenware her, sondern malte auch viele individuelle Bilder, darunter auch Porträts von einfachen Leuten, wie Bauern oder etwa auch Luthers Eltern.

Ganz neu in seiner Zeit waren seine allegorischen Akt-Darstellungen mit biblischem und griechisch-mythologischem Personal, die großen Absatz fanden.

Cranach war eben nicht nur ein begnadeter Künstler, sondern auch ein cleverer Geschäftsmann, sagte Telschow. Sein Engagement für die Reformation hinderte ihn nicht daran, auch für katholische Fürsten wie etwa Albrecht von Brandenburg zu arbeiten.

So wurde er nach und nach zu einem der reichsten Männer in Wittenberg. Er besaß zwei große Häuser, die so schöne Räume hatten, dass dort auch Gäste des Hofs untergebracht werden konnten. Wenn er selbst mit dem Hof auf Reisen war, führte seine Frau Barbara Haus und Werkstatt. Zeitweise bestand der Haushalt aus vierzig Personen, sagte Telschow. Leider hat Cranach seine Frau, mit der er zwei Söhne und drei Töchter hatte, nie porträtiert.

Cranach illustrierte Bücher und gründete eine Druckerei und eine Art Versandbuchhandel. Um selbst Farben und Pigmente beziehen zu können, betrieb er auch eine Apotheke und besaß deshalb auch eine Lizenz zum Weinausschenken. Ab 1519 war er im Rat der Stadt, als Kämmerer und später dann dreimal Bürgermeister.

„Cranach markiert den Anfang der modernen Zeit“, sagte Telschow. „Heute würde man ihn wohl einen Medienmogul nennen.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 13. Mai 2017 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Clemens Selzer schrieb am 14. Mai 2017

    Zu diesem Artikel über den Vortrag von Jürgen Telschow hier noch ein Hinweis auf die Ausstellung „Cranach – Meister Marke Moderne“ in Düsseldorf:
    http://www.cranach2017.de/
    Ich habe diese Ausstellung kürzlich gesehen und kann sie nur weiter empfehlen!

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