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Von – 18. Mai 2017

Öffentlich reden, das war den Frauen untersagt. Sie taten es aber trotzdem.

Es ist immer wieder gut, sich zu verdeutlichen, dass nicht nur Männer Geschichte geschrieben haben. Eine kleine Ausstellung in der Cyriakuskirche macht nun Frauen der Reformation sichtbar.

Fotos und Texte erinnern in der Cyriakuskirche an die vielen Frauen der Reformationszeit. Foto: Silke Kirch

Elke Gutberlet von der Cyriakusgemeinde in Rödelheim und die Theologin Kordula Müller-Hesse haben sich gemeinsam auf die Spuren der Frauen der Reformation begeben und eine kleine Ausstellung zusammengetragen.

Allen voran war da Katharina von Bora, die ihrem Gemahl Martin Luther gerne zu verstehen gegeben hat, dass ihre Gottesvorstellung sich mit seiner nicht zwangsläufig deckt. Oder Katharina Zell, von der eine Vielfalt von Schriften erhalten ist: Für sie war Gott derjenige, der „die Schmerzen der Geburt kennt und die Freude ein Kind zu stillen“.

Die eigene Lebenserfahrung sollte in das Gottesbild mit einfließen dürfen. Es gab eine Vielzahl von Frauen, die die Aufbruchsstimmung der Reformation für die Formulierung ihre eigenen Anliegen zu nutzen verstanden, und sich eine Stimme verschafften, etwa durch das Verfassen von Flugschriften – gleichwohl sie damit meist wenig mehr als einen mittelalterlichen „Shitstorm“ in Form von Schmähbriefen ernteten.

Dennoch bewirkten sie einiges: Katharina Zell etwa nahm Glaubensflüchtlinge bei sich auf, Argula von Grumbach setzt sich für einen jungen Theologen ein, der in Ingolstadt verhaftet wurde und der lutherischen Lehre abschwören sollte, Elisabeth Cruciger dichtete – von ihr ist im evangelischen Kirchengesangbuch ein Lied überliefert, obgleich sie eigentlich davon „träumte, auf der Kanzel zu stehen und zu predigen“, wie wir aus einem Brief ihres Mannes wissen.

Öffentlich reden, das war den Frauen damals untersagt. Sie taten es aber trotzdem und wussten sämtliche Stellen aus der Bibel zu zitieren, die ihnen für ihr Vorhaben Recht gaben.

Die Ausstellung fragt danach, welche Thesen sie wohl an die Kirchentür geschlagen hätten und welche Thesen Frauen heute an die Tür ihrer Kirche schlagen würden. Wovon also träumen Sie? –

(Besichtigung nach Vereinbarung, Telefon 069 788643, E-Mail elke.gutberlet@t-online.de)

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 18. Mai 2017 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Werner Hellwich schrieb am 18. Mai 2017

    Erfreulicher Text. Auch den Anfang dieser Verwirrung um die Rolle der Frau in der Gemeinde ist bedenkens- und beachtenswert.
    Die Theologie des Paulus ist eine Theologie der Widerstandslage, so meine ich,
    und in Widerstandslagen ist es vernünftig, dass die Frauen unauffällig bleiben?!
    Im klassischen Denken der Notlage und Rettung gilt: Frauen und Kinder zuerst. Im Widerstand der frühen Christen aber gilt: Wer stirbt für wen ?
    -> Lutherbibel 1912
    Ich lasse euch aber wissen, daß Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt; der Mann aber ist des Weibes Haupt; Gott aber ist Christi Haupt.
    Viele Grüße

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