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Von – 7. Mai 2017

Sumpfland: Knarzender Holzsteg, schwankender Grund

In der Weißfrauen Diakoniekirche im Bahnhofsviertel ist noch bis Ende Juni eine Installation des japanischen Künstlers Yasuaki Kitagawa zu sehen. 

Installation in der Weißfrauen Diakoniekirche im Bahnhofsviertel. Foto: Ilona Surrey

Den Holzsteg betreten. Es quietscht und knarzt. Die dünnen Blechplatten bewegen sich. Plötzlich sackt man ein. Es quatscht. Schwankender Grund. Die Metallplatten scheinen Wellen zu schlagen. Lichtreflexe. Töne. Plötzlich sieht es aus wie ein Seerosenfeld. Wie geht es jetzt weiter? Schnell und laut, langsam und leise? Man wird doch nicht versinken? Unwägbar.

Dann doch das Ende des Stegs. Man kann den Weg nur alleine gehen. Darum wird ausdrücklich gebeten. „Ja, dieser Weg hat etwas Existenzielles“, sagt Yasuaki Kitagawa, der japanische Künstler, der die Installation „Numa – Das Sumpfland“ für die Weißfrauen-Diakoniekirche inszeniert hat. „Mein eigener Weg war nicht vorhersebar, aber das gilt wohl für jedes Leben.“

Kitagawa hat erst Philosophie studiert, dann bildende Kunst, zuletzt an der Städelschule, als Meisterschüler von Professor Tobias Rehberger. „Die Installation bezieht sich auf ein Diktum des Chaosforschers Edward Lorenz aus den 1960er Jahren“, sagte Kurator Thomas Kober in seiner Einführung. „Lorenz fragte: ‚Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?‘ Will sagen: Bereits kleine Bewegungen können in der Welt etwas ausrichten.“

Foto: Ilona Surrey

Der Aufbau des Kunstwerks sei aufwändig gewesen, erzählt Kober. „Die Metallplatten sind durch Zug und Druck miteinander verbunden: Das Ganze ist eine fein abgestimmte Komposition. Selbst wenn man den Weg zweimal geht, ist er doch nicht derselbe, man kann ihn nicht wiederholen. Nichts ist vorherbestimmt. Aber unsere bloße Anwesenheit in der Welt löst etwas aus.“

Trotz der Bedeutungsschwere hat „Sumpfland“ etwas Leichtfüßiges und sehr Ästhetisches: Helles Holz, silbern glänzendes Metall, der geschwungene Steg, die Wellenbewegungen der rundgeformten Platten: Das alles passt auch sehr gut zum unregelmäßig gemusterten Boden der Kirche und ihren runden Glasfenstern. „Nicht zuletzt verläuft der Weg in Richtung Altar“, sagte Kuratorin Anna Karaminova. „Er endet aber nicht direkt davor, sondern lässt Luft.“

Die Ausstellung ist noch bis 30. Juni in der Weißfrauen Diakoniekirche, Gutleutstraße/Ecke Weserstraße, zu sehen.  Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 12-16 Uhr.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 7. Mai 2017 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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