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Von – 5. Mai 2017

Was ist deutsch?

Noch immer spukt manchmal die Vorstellung vom genetischen Stammbaumdeutschtum in den Köpfen herum.

Wilfried Steller. Foto: Rui Camilo

Neulich im Park ging es multi-ethnisch zu. Eine Frau erklärte einer kleinen indigenen Kindergruppe im Grundschulalter, die angesichts der zahlreichen Migrationshintergründe fremdelte: „In Deutschland leben viele Menschen, die nicht aussehen wie Deutsche.” Der Satz war mutmaßlich tolerant gemeint: Anders aussehen als die Leute, die ihr sonst so kennt, ist normal. Ihr müsst euch in Gegenwart von fremd aussehenden Menschen nicht komisch fühlen.

Im ersten Moment dachte ich noch: „Ja, so kann man das vielleicht sagen.” Im zweiten erkannte ich, dass das Gegenteil von „gut“ tatsächlich „gut gemeint” ist. Denn was die Frau in Wirklichkeit sagte, war diskriminierend: dass man nämlich Deutsche an ihrer hellen Hautfarbe, ihren Gesichtszügen und ihrer Kleidung erkennen kann. Dass alle, die anders aussehen, keine „richtigen“ Deutschen sind. Deutsch sein entscheidet sich demnach an den Genen, nicht an der Nationalität oder dem Bekenntnis zur Grundordnung. Ich war erschrocken, wie harmlos und unspektakulär das genetisch definierte, völkische Stammbaumdeutschtum daherkommt. Mein Deutschland sieht jedenfalls ganz anders aus: freiheitlich-demokratisch und mit der fortschrittlichsten Verfassung, die ich denken kann.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 5. Mai 2017 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Werner Hellwich schrieb am 6. Mai 2017

    Sehr geehrter Herr Steller.
    Da spielen Sie mit einem Irrtum, und ähnlichen Irrtum finden wir auch immer wieder im theologischen Denken.
    Wenn Sie die Frage stellen: was ist „deutsch“?
    und Sie beherzigen das Grundgesetz, dann kommen Sie gut voran:
    Denn die Basis von deutsch ist in der Verfassungsgeschichte ethnologisch, man könnte auch sagen: „familiär“, die vielen Stämme….
    (Wiki dazu: „Eine Ethnie oder ethnische Gruppe (altgriechisch ????? éthnos „[fremdes] Volk, Volkszugehörige“) ist in den Sozialwissenschaften – insbesondere in der Ethnologie (Völkerkunde) – eine abgrenzbare Menschengruppe, der aufgrund ihres intuitiven Selbstverständnisses und Gemeinschaftsgefühls eine eigenständige Identität als …..“)

    Das gilt eben auch für das „Völkerrecht“, und daher haben wir hier bei uns zB Deutsche und aber auch deutsche Staatsbürger völlig anderer Herkunft.

    Es geht also darum, der Bedeutung des Begriffs vom Anfang her sauber zu folgen,
    und dann können wir alle Abweichungen ordentlich anfügen und als dazugehörig deklarieren, ohne, dass wir streiten müssen.
    Anderenfalls aber stören wir die Kernbedeutung, und suchen sie zu bessern durch Ersetzen mit neuem Inhalt (natürlich sind dann alle Konservativen in Aufruhr, die Fortschrittlichen wollen umbauen,….was Konflikt bedeutet und Unfrieden).

    Das erinnert mich an die Geschichte vom Turmbau zu Babel, wo der eine das Wort des anderen nicht mehr versteht,…man redete aneinander vorbei, und wollte doch so hoch hinaus.
    Viele Grüße, Ihr Werner Hellwich

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