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Von , – 8. Mai 2017

Wozu braucht man die Kirche, Pfarrerinnen, Sakramente? Genügt nicht der Glaube?

Vor 500 Jahren hat sich das Christentum in Europa heillos zerstritten. Warum eigentlich? In unserer fünfteiligen Serie erläutern der evangelische und der katholische Stadtdekan von Frankfurt die zentralen Standpunkte ihrer jeweiligen Konfession.

In der katholischen Kirche werden Frauen vom Priesteramt ausgeschlossen, in der evangelischen ist die Ehe kein Sakrament, sondern nur ein „weltlich Ding“. Warum? Was es mit den unterschiedlichen Vorstellungen von Kirche und Amt auf sich hat, ist Thema des zweiten Teils unserer Serie. Illustration: Dietmar Bertram

Achim Knecht, evangelischer Stadtdekan von Frankfurt

Achim Knecht ist evangelischer Stadtdekan von Frankfurt. Foto: Rolf Oeser

Die evangelische Kirche ist stark von der Freiheit, auch der Gewissensfreiheit der Einzelnen, geprägt. Deshalb beurteilen wir die Rolle der Kirche eher zurückhaltend. Aber natürlich kann niemand für sich allein Christ oder Christin sein. Unserer eigenen Entscheidung für den Glauben geht immer eine Überlieferung voraus. Jemand muss uns zunächst davon erzählen. Wie Paulus im Römerbrief sagt: Der Glaube kommt aus dem Hören. Dem Glauben geht die gnädige Zuwendung Gottes voraus – deshalb werden ja auch schon kleine Kinder getauft. Für die Reformatoren ist die Kirche außerdem der Ort, wo das Wort Gottes „richtig“ verkündigt wird, „lauter“ nannte man das damals. Das bedeutet, in der Kirche wird sachkundig von der Botschaft Jesu gepredigt und so, dass die Menschen sich angesprochen fühlen. Wenn das gelingt, ist die Kirche natürlich wichtig. Aber sie ist nicht per se wichtig. Die Kirche kann dem Glauben auch im Weg stehen, zum Beispiel, wenn sie sich nicht laufend reformiert und zusammen mit der Welt weiter entwickelt. Es gibt in der evangelischen Kirche auch keine prinzipielle Unterscheidung zwischen Ordinierten und Laien. Pfarrer und Pfarrerinnen haben anderen Gemeindemitgliedern im Blick auf den Glauben nichts voraus. Das Pfarramt ist nur eine Frage der praktischen Organisation. Und vielleicht auch ein Stück Qualitätssicherung, denn es setzt ja eine akademische Ausbildung und eine intensive Auseinandersetzung mit der Bibel voraus. Aber wir begrenzen den Einfluss der Pfarrerinnen und Pfarrer auch bewusst. In der hessen-nassauischen Kirche müssen alle Gremien zu zwei Dritteln aus „Laien“ bestehen. Sakramente gibt es nur zwei, Taufe und Abendmahl. Die Ehe hingegen ist für uns kein Sakrament, sondern „ein weltlich Ding“, wie Luther sagte. Auch die Ordination in das geistliche Amt ist in der evangelischen Kirche kein Sakrament, sondern eine Beauftragung, das Evangelium öffentlich zu verkündigen.

Johannes zu Eltz, katholischer Stadtdekan von Frankfurt

Johannes zu Eltz ist katholischer Stadtdekan von Frankfurt.

Der einzelne Mensch kann nicht von selber zu seiner Glaubensgewissheit kommen. Dafür braucht er eine Erzähl- und Gebetsgemeinschaft von Gläubigen – die Kirche. Ohne die Kirche in ihrer institutionellen Verfestigung hätte sich das Ereignis Christi bald verflüchtigt. Es gäbe nichts von dem, was uns heute zusammenhält. Die beiden Konfessionen haben in ihrem Kirchenverständnis sich ergänzende Stärken und Schwächen. Die katholische Versuchung ist eine Übergewichtung des Institutionellen. Deshalb steht die katholische Kirche immer in Gefahr, sich selber für das Entscheidende zu halten und nicht Jesus Christus. Der Maßstab der Kritik daran, das Evangelium, ist auch für Katholiken das Herzstück der Kirche, und katholische Reform zielt immer auf diesen Ursprung. Dabei wird in der katholischen Tradition das Priesteramt als Sakrament betrachtet, also als eine Form des Daseins Jesu, die er selbst auf den Weg gebracht hat. Im evangelischen Verständnis gehen bereits mit dem Sakrament der Taufe alle Rechte und Pflichten des priesterlichen Gottesvolkes einher. Deshalb sehen die Kirchen der Reformation keinen Grund zu einer besonderen Priesterweihe. Auch Katholiken wissen, dass ihre Priester gewöhnliche Menschen und Sünder sind. Aber deren Priestertum gilt auch noch dem 2. Vatikanischen Konzil als dem Wesen, nicht nur dem Grade nach verschieden vom Priestertum der Getauften. Es repräsentiert Christus, das Haupt der Kirche, nicht nur in der liturgischen Funktion, sondern in der ganzen Existenz. Von diesem Amtsverständnis her kommt auch die Vorstellung, man müsse, weil Christus sein Menschsein als Mann gelebt hat, diese Art der Repräsentation Männern vorbehalten. Das hat eine antignostische Spitze; die Menschwerdung soll sich nicht in den Mythos verflüchtigen. Allerdings bleibt das Thema Weihe für Frauen weiter in der Diskussion. Ich persönlich glaube, wir sind an der Stelle noch nicht fertig.

Artikelinformationen

Beitrag von , , veröffentlicht am 8. Mai 2017 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Pfarrer Dr. Achim Knecht ist seit 2014 evangelischer Stadtdekan von Frankfurt.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Klaus Weißbecker schrieb am 10. Mai 2017

    Glaube ist ein Gottesgeschenk. Er ist aber ständigen Zweifeln und Anfechtungen ausgesetzt. Um mit diesen Zweifeln umzugehen, braucht es Stärke und Zuflucht. Dieses kann durch das Gebet geschehen. Unglaublich wichtig für mich ist aber die Gemeinschaft der Gläubigen, die Gemeinde. Das, was ganz konkret wahrnehmbar, besuchbar ist. Dort finde ich Gleichgesinnte, die mich bestärken können. Dort finde ich auch Menschen, die Theologie studiert haben, Menschen, die mir helfen, meinen Glauben zu stärken, zu leben. Glaube ohne Gemeinde ist wahnsinnig schwer, weil wir Menschen nunmal die Gemeinschaft brauchen, wir sind Herdentiere. Wir brauchen eine Herde und einen Hirten!

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