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Von , – 4. Juni 2017

Woher wissen wir, was Gott von uns will? Aus der Bibel, vom Papst, oder aus der Tradition?

Vor 500 Jahren hat sich das Christentum in Europa heillos zerstritten. Warum eigentlich? In unserer fünfteiligen Serie erläutern der evangelische und der katholische Stadtdekan von Frankfurt die zentralen Standpunkte ihrer jeweiligen Konfession.

Religiöse Menschen verfolgen bei ihren Entscheidungen nicht nur ihre eigenen Wünsche, sondern möchten dem Willen Gottes gerecht werden. „Dein Wille geschehe“ heißt es etwa im Vaterunser. Allerdings gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie sich Gottes Wille den Menschen offenbart. Illustration: Sandra Haselsteiner

Achim Knecht, evangelischer Stadtdekan von Frankfurt

Achim Knecht ist evangelischer Stadtdekan von Frankfurt. Foto: Rolf Oeser

Aus dem Lesen der Bibel können wir bereits Wesentliches von dem wissen, was Gott von uns will: „Du sollst nicht töten“ oder „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das eigene Gewissen spielt ebenfalls eine Rolle, sofern es in der Auseinandersetzung mit der biblischen Überlieferung geschult ist – denn das Gewissen fällt ja nicht vom Himmel, sondern es entsteht in der Auseinandersetzung mit Vorbildern, mit ethischen Prägungen. Dazu kommt dann manchmal ein „inneres Zeugnis des Heiligen Geistes“, wie es in der theologischen Tradition heißt. Man kann ja vieles gelesen und bedacht haben, aber manchmal kommt man an einen Punkt, wo man ganz sicher weiß: Das muss ich jetzt tun. Oder: Das müsste ich jetzt eigentlich tun. Ein weiterer Faktor ist das Gespräch mit den Brüdern und Schwestern im Glauben, also die Verständigung in einem Diskurs. Dabei kommt dann auch der Papst ins Spiel, der ja ein herausragender Bruder im Glauben ist, der jetzige allzumal. Auch wir Evangelische können vom Hören auf den Papst etwas von Gottes Willen erfahren. Genauso können wir das allerdings, indem wir uns mit dem Votum eines ganz normalen Gemeindemitgliedes auseinandersetzen, je nach Situation. Und schließlich ist da noch die Vernunft. Martin Luther hat vor dem Reichstag zu Worms gesagt, er könne seine Thesen nicht widerrufen, wenn er nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde. Das ist eine Schlüsselszene der Refor-mation. Was Gott von uns will, ist nicht unvernünftig. Auch wenn es durchaus mal vorkommen kann, dass der Wille Gottes uns unvernünftig erscheint, denn es geht dabei ja auch um Liebe oder um Barmherzigkeit, und die sind halt nicht immer vernünftig, sondern manchmal herrlich unvernünftig. Die Vernunft ist nicht per se ein Maßstab. Aber sie ist eben doch ein hilfreiches Korrektiv, zum Beispiel gegen religiöse Wahnvorstellungen.

Johannes zu Eltz, katholischer Stadtdekan von Frankfurt

Johannes zu Eltz ist katholischer Stadtdekan von Frankfurt.

Alle drei Elemente kommen zusammen, denke ich. Um gleich mit dem strittigsten anzufangen: Eine so charismatische und erstaunliche Gestalt wie Papst Franziskus wird selbst Evangelische dazu bringen, auf den Papst, der in Ausübung seines Amtes spricht, zu hören, und auf diese Weise ihren eigenen Glauben zu bestärken – sicher kritisch, in Zustimmung oder Widerspruch. Das Lesen in der Bibel allein genügt ja nicht. Denn wenn das Wort, das wir lesen oder das uns vorgetragen wird, sich nicht durch den Glauben mit dem Hörer verbindet, so sagt es der Autor des Hebräerbriefes, bleibt es wirkungslos. Und auch die Gemeinschaft derer, die die Bibel sozu-sagen auf den Knien ehrfürchtig und gläubig lesen – und das würde ich Tradition nennen – ist für uns nicht verzichtbar. Denn sonst versteinern wir das Schriftzeugnis. Wohin das führen kann, können wir in den weniger erleuchteten Formen des Islam sehen. Jeder Mensch, egal ob er evangelisch oder katholisch ist oder anders oder gar nicht glaubt, ist imstande, in seinem Inneren Gott selbst, der durch die Stimme des Gewissens mit ihm spricht, zu hören. Das ist katholische Lehre seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Bibel bleibt unersetzbar in der Mitte, weil sie uns Gottes Wort in der Weise bietet, wie andere Menschen, mit denen wir uns identifizieren können, auf Gott gehört haben. Darüber geht gar nichts. Wenn es zu Widersprüchen oder offenen Fragen kommt, so hat Thomas von Aquin, der große Lehrer des Hochmittelalters, auch für alle Katholiken festgehalten, dass der Christ im Zweifelsfall unbedingt seinem Gewissen verpflichtet ist, nur eben nicht unberaten und nicht ungeprüft. Aber er muss in jedem Fall das tun, was er in seinem Inneren als Willen Gottes erkennt. Wenn das, was er erkennt, ein Irrtum ist, er über diesen Irrtum aber nicht mit eigenen Mitteln hinwegkommt, ist der Christ trotzdem seinem Gewissen verpflichtet, auch dem irrigen.

Artikelinformationen

Beitrag von , , veröffentlicht am 4. Juni 2017 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Pfarrer Dr. Achim Knecht ist seit 2014 evangelischer Stadtdekan von Frankfurt.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Friedrich Peter Niebling schrieb am 27. Juni 2017

    Vor 500 Jahren hat……….. Vor 500 Jahren??? Was ist heutzutage? OK! Otto Krause/Katholik und Emma Krause/Evangelik sind nunmehr weniger zerstritten und kommen dennoch auf ihren heilig unheilen Gaul daher geritten. Sie lesen traditionell die Bibel und halten, wie der Papst, DARF ICH, DANKE, und ENTSCHULDIGUNG, für die drei wichtigsten Worte in Ihrem Leben, und obendrein auch noch im Leben der Anderen. So leben sie dahin und daher und Ihr Heil, bleibt doch immer nur ein Ungefähr. Es will doch, so recht nicht klappen, mit dem Ritt auf dem Gebote-Rappen. Und schon lange nicht, wenn wer, ihre Gebote bricht. Allenfalls bleibt hier und da, das Tollhaus zu tolerieren, und weiter und immer weiter zu kontrollieren, was das Fass nun nicht mehr fassen könnt. Kaum noch zu begreifen, wie sie keifen, wie sie kneifen, wenn´s um den Glauben geht. Demgegenüber, plötzlich auch noch, ein anderer Prophet, seine Runde dreht. Womit hier nicht allein, der des Mahmut gemeint, sondern auch jener, der unaufhaltsam in die Nähe rückt wenn´s Leben so gar nicht glückt. Des Rätsels Lösung ist bekannt, sie ist gleich zu Anfang des großen Buches benannt. Doch was hilft´s, dem Verhalten von Mutter Eva und Vater Adam zu entsagen, und statt dessen -wie Jesus empfiehlt- das Kreuz und somit unsere Taten, zu tragen, wenn´s dem Bösen Nachbaren neben mir, und noch mehr, dem noch Unbekannten in mir, absolut mal nicht gefällt. Die Crux, das eigentliche Kreuz welches wir tragen, ist unsere Angst und Unwissenheit. Gleich unserer Ureltern! Und gleich auch einem Säugling, der entsprechend den Gottgegebenen Grundlebensprinzipen der Selbstdurchsetzung und der Lebenserhaltung, und seiner altersgemäßen Fähigkeit, das zu kommunizieren, sich Verhaltensmuster zu eigen machen muss, welche mit einem Einfachen Falsch oder Richtig kaum auszuhebeln sind. Manchmal durch Androhung von Strafe. Wobei Gottes Strafe mal mehr, mal weniger Gewicht hat. In der Regel jedoch, ist mit dem von außen bewirkten und von innen erzwungenen Wandel eines natürlichen Grundlebensprinzips, in ein Verhaltensmuster bzw.in einer quasi von alleine gewachsenen Charakterstruktur, dieses nicht gelöscht. Es ist als solches kaum mehr zu erkennen. Diese gewandelten Grundlebensprinzipien zeigen sich in unerlöster, sozusagen in verzauberter Form. Zum Beispiel, die unvermeidbare und Lebenserhaltende Selbstbezogenheit als Egoismus; direkt als Rücksichtslosigkeit, oder indirekt als Helfersyndrom. Hier ließen sich noch unzählige Beispiele anbringen. Fakt ist, das der Wille Gottes auch, oder gar in erster Linie, in jener Ordnung zu erkennen ist, welche er geschaffen hat. Diese Ordnung, besteht aus den unumstößlichen Grundlebensprinzipien, welche freilich, als solche zunächst nicht erkennbar, zum Beispiel, auch in den Zehn Geboten sichtbar gemacht werden können. Diese Grundlebensprinzipien zu erkennen und unserem verqueren Verhalten zuordnen zu können, womit eine Erlösung vom Übel folgen könnte, wäre eine rechte Religion im Sinne einer Rückbindung, respektive im Erkennen des Willen Gottes. Stattdessen soll Gott uns vom Übel befreien/erlösen. Doch Entscheidend ist nicht, auf welchen Gott wir setzten, sondern, zu erkennen was uns dazu veranlasst auf diesen oder jenen Gott zu setzen, und vor allem, welche Götter uns beherrschen. Nun! Einige Menschen waren oder sind dazu veranlasst. Wenn sie nicht weiterkommen ohne eine Therapie. Aber Alle??? Schließlich sind nicht alle verrückt! Oder doch? Wem keine Stunde schlägt, ist nahe dran, an der Selbsterkenntnis. Nun ja, vielleicht ist es nicht Gottes Wille, dass wir uns selbst erkennen, sondern nur eine Notwendigkeit, wenn wir das Paradies auf Erden schaffen wollen.
    Friedrich Peter Niebling

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