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Von , – 25. Juli 2017

Hören, Tasten, Riechen, Schmecken: Welches Land ist das?

Unter dem Motto „Blinder Passagier“ reisen Besucherinnen und Besucher auch in diesem Sommer wieder im Dialogmuseum durch ein fremdes Land. In absoluter Dunkelheit sammeln sie landestypische Eindrücke durch Hören, Tasten, Riechen und Schmecken – und versuchen herauszufinden, wo sie sind.

Das Dialogmuseum auf der Hanauer Landstraße hat mit den steigenden Mieten zu kämpfen. Foto: Stephanie Keßler

Am Eingang des Parcours drückt der Geschäftsführer des Dialog-Museums Matthias Schäfer allen Reisenden einen Blindenstock in die Hand. Der 50-jährige Dieburger, der nur noch rund zwei Prozent Sehvermögen hat, muss zum Start des Sommerprogramms als „Guide“ aushelfen. Nach dem Kennenlernen geht es ab in den dunklen Bauch des Museums. Schäfer geht voran, seine sonore Stimme dient als Wegweiser.

Zunächst lässt er alle einen Baumstamm mit glatter Rinde ertasten. Dann lost er die Gruppe zu einem plätschernden Brunnen und gibt dezente Hinweise auf eine Tierstatue. Über einige Stufen führt die Tour dann in einen Raum, in dem gepolsterte Bänke zum Ausruhen einladen. Nach wenigen Minuten beginnt ein etwa zehnminütiger Trommelwirbel, der zum Fingerschnipsen und zum Tanzen animiert und im Kopf Bilder von strahlenden Menschen in farbenfrohen Kleidern produziert. Zudem lassen die in die Bänke eingebauten Lautsprecher den Körper regelrecht vibrieren.

Von dem Klangraum aus geht es weiter in einen Raum mit duftendem Tee und auf einen Markt in einer großen Stadt, wovon das Stimmengewirr und der Verkehrslärm zeugen. Die Besucherinnen und Besucher gehen vorbei an Ständen mit würzigen Kräutern, duftenden Blumen und merkwürdig geformten Früchten in eine Ein-Personen-Wohnwabe mit Bett und Personalcomputer. Nach etwa einer Stunde endet die Tour in der „DunkelBar“, wo zum Abschied ein landestypisches Getränk wartet.

Reise auch zu sich selbst

„Blinder Passagier ist eine imaginäre Reise in ein bestimmtes Land und natürlich immer zu sich selbst“, sagt die Geschäftsführerin Klara Kletzka. „Mit etwas Glück können die Besucherinnen und Besucher  am Ende bei einer Verlosung tätsächlich den Koffer packen und eine wirkliche Reise antreten.“

Das Sommerprogramm des integrativen Museums ist ein Renner. Es wurde 2006, ein halbes Jahr nach der Eröffnung, mit rund 2.000 Gästen gestartet und führte in die Türkei. Den Höhepunkt erlebte das Programm 2011. Damals reisten immerhin 7.400 blinde Passagiere nach Australien. In den vergangenen beiden Jahren entschieden sich jeweils 5.600 Personen für die Reiseziele Kuba und Schottland.

„Wir brauchen die Einnahmen aus diesem Programm dringend“, sagt Co-Geschäftsführer Schäfer. Das Dialog-Museum erwirtschafte als privat geführtes soziales Unternehmen 80 Prozent seiner Einnahmen aus dem Ticketverkauf, aus Workshops und Events. 2016 seien rund 1,3 Millionen Euro umgesetzt worden, die Stadt Frankfurt habe lediglich 100.000 Euro dazugegeben.

Das Museum finanziert sich größtenteils selbst

Die Finanzsituation werde sich auch künftig kaum verbessern, fürchtet Schäfer. Schuld sei der hohe Mietpreis am Standort des Museums an der Hanauer Landstraße unweit der Europäischen Zentralbank. 17,50 Euro Warmmiete pro Quadratmeter zahle die Dialog-GmbH derzeit, das Schwesterunternehmen in der Hamburger Speicherstadt nur die Hälfte. Deshalb wolle das Frankfurter Unternehmen den Vertrag so bald wie möglich kündigen und 2019 an einen neuen Standort umziehen.

Von den 43 Beschäftigten in Frankfurt seien 14 blind oder stark sehbehindert, berichtet Schäfer stolz. Sie gehörten zum festen Team und führten die Besucherinnen und Besucher in acht verschiedenen Sprachen durch die ständige Ausstellung und das Sommerprogramm. Leider stünden immer weniger blinde und sehbehinderte Menschen als „Guides“ zur Verfügung. Dafür gebe es allerdings eine erfreuliche Erklärung, nämlich die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Die Reise in ein unsichtbares Land – „Blinder Passagier 2017“ – im Frankfurter Dialog-Museum ist noch bis 3. September möglich. Öffnungszeiten: Dienstags bis freitags von 9-17 Uhr, samstags von 11-19 Uhr sowie sonntags von 11-17 Uhr. Zu gewinnen gibt es einen Reisegutschein im Wert von 1000 Euro sowie Einkaufsgutscheine über je 50-150 Euro. Internet: www.dialogmuseum.de

Artikelinformationen

Beitrag von , , veröffentlicht am 25. Juli 2017 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe .

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