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Von – 21. August 2017

Schöner schrumpfen. Neue Gemeindehäuser in vielen Stadtteilen

Gebäude zu unterhalten kostet Geld. Da die Mitgliederzahlen der evangelischen Kirche zurückgehen, müssen auch Versammlungsflächen reduziert werden. Vor zehn Jahren wurden die Gemeinden aufgefordert, neue Konzepte zu entwickeln. Was ist aus dem Projekt geworden?

Das neue Gemeindehaus in Schwanheim ist eines von mehreren Neubauprojekten, mit denen die Frankfurter evangelischen Gemeinden in den vergangenen Jahren ihre Gemeindeflächen verkleinert haben. Foto: Rolf Oeser

Eine Analyse im Jahr 2007 ergab, dass es in Frankfurter Gemeinden zu viele Quadratmeter für Säle und Gruppenräume bei zu wenigen Gemeindemitgliedern gibt. Die Versammlungsfläche war in Frankfurt, gemessen an den entsprechenden Richtlinien der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, damals um stattliche 270 Prozent zu hoch – es gab also weit mehr als doppelt so viel wie vorgesehen.

Da die Landeskirche für die Bauunterhaltung dieser zusätzlichen Flächen keine Zuweisungen aus dem allgemeinen Kirchensteuertopf gibt, hat das Frankfurter Kirchenparlament damals beschlossen, dass die Gemeinden Gebäudekonzepte erarbeiten sollen, wie sie mit kleineren Flächen auskommen können. „Knapp vierzig Prozent der Gemeinden haben sich für bauliche Konzepte entschieden“, bilanziert heute die Leiterin der Bauabteilung, Friederike Rahn-Steinacker, deren Abteilung den Gemeinden dabei fachlicher Beratung angeboten hat. „Die anderen finanzieren die Bauunterhaltungskosten bis jetzt selbst.“

Die meisten dieser neuen Konzepte sahen vor, dass alte Gemeindehäuser abgerissen, verkauft oder anderweitig benutzt werden und dafür neuere, kleinere Gebäude entstehen. Mittlerweile sind neue Gemeindehäuser in Hausen, am Frankfurter Berg, in Schwanheim und Eckenheim entstanden. Die Baukosten hat jeweils der Evangelische Regionalverband getragen: Sie belaufen sich je nach Bauvorhaben auf eine bis zwei einhalb Millionen Euro. Neue Küchen und Innenausstattungen muss jeweils von den Gemeinden selbst finanziert werden, die Kosten dafür bewegen sich zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Das konnten manche Gemeinden allerdings gegenfinanzieren, indem sie Häuser an den Evangelischen Regionalverband abgegeben haben.

Hausen: Alles zentral im alten Dorfkern

In der Gemeinde Hausen musste die Versammlungsfläche von 530 auf 130 Quadratmeter reduziert werden. „Wir haben uns für die geographische Mitte entschieden“, sagt Pfarrer Holger Wilhelm, „den alten Dorfkern mit der historischen Kirche.“ Die Dependance in Westhausen wurde dafür aufgeben.

Die Kirche in Hausen mit dem neuen Gemeindehaus im Vordergrund. Foto: Rolf Oeser

Das neue Ensemble, gestaltet durch das Architekturbüro HGP Architekten, betont den Gottesdienstraum, die Kirche. Sie liegt jetzt in der Mitte zwischen Gemeindehaus und Kindertagesstätte. Das Gemeindehaus ist neu; die drei Gebäude sind durch eine gläserne Halle miteinander verbunden. „Das ist ein Stück gebautes Leitbild“, sagt Wilhelm. „Wenn wir schon schrumpfen müssen, wollen wir uns stärker zu dem bekennen, was wir sind: eine christliche Gemeinde im Stadtteil.“

Die gläserne Halle öffnet die Kirche zum Stadtteil hin. Das hat noch weitere positive Effekte: Wenn man von der Halle in die Kita geht, kann man durch einen neuen Glastürdurchbruch in die Kirche sehen. Und nach dem Gottesdienst gelangt man trockenen Fußes von der Kirche zum Kirchencafé oder zum Hochzeitsempfang ins Gemeindehaus. Platzsparender Clou: Die Küche des Gemeindehauses öffnet sich zum gläsernen Foyer hin.

„Der neue Dreiklang ist nicht nur klarer und selbstbewusster, sondern auch ästhetisch sehr ansprechend“, sagt Wilhelm. „Es bleibt aber schmerzlich, dass wir das Westhausener Gemeindehaus dafür aufgeben mussten. Es gibt dort jetzt keine Möglichkeit mehr, sich im Stadtteil zu treffen. Besonders für die Älteren, die nicht mehr so mobil sind, ist das hart.“

Frankfurter Berg: Einheit von Kirche, Gemeindehaus und Kindertagesstätte

Auch in der Bethaniengemeinde am Frankfurter Berg wird die Einheit zwischen Kirche, Gemeindehaus und Kita stärker betont.

Foto: Rolf Oeser

Gestaltet hat den Umbau das Architektenbüro Just/Burgeff. Das neue Gemeindehaus hat eine Glasfront zu einem neu geschaffenen Platz zwischen Kirche und Gemeindehaus. „Das wirkt sehr einladend zum Stadtteil hin“, sagt Pfarrer Joachim Winkler.

Das alte Gemeindehaus wurde abgerissen. „Es war seit dreißig Jahren nicht renoviert worden und quasi eine Energieverbrennungsanlage“, sagt Katia Peglow, Mitglied des Bauausschusses. „Umso glücklicher sind wir jetzt mit dem neuen Gemeindehaus.“ Neben Büro und Küche gibt es einen Gruppenraum und einen Saal, in dem auch Filme oder Fußball geschaut werden können. „Das ist sehr wichtig am Frankfurter Berg“, sagt Peglow.  Neu sind außerdem ein behindertengerechtes WC und das Pfarramtszimmer.

Im kommenden Jahr wird auch noch die hinter dem Gemeindehaus liegende Kita kernsaniert. Um architektonisch die Verbindung zum Gemeindehaus zu schaffen, wird auch sie ein Faltdach bekommen, das begrünt werden soll.

Schwanheim: Verbindung von Neubau und alter Kirche

In der Martinusgemeinde in Schwanheim war eine direkte Verbindung zwischen Kirche und Gemeindehaus wegen des Denkmalschutzes nicht möglich. Aber auch hier sind Kirche, Gemeindehaus und Kindertagesstätte jetzt mehr miteinander verbunden.

Foto: Rolf Oeser

Das alte Gemeindehaus hatte auf der der Kirche gegenüberliegenden Straßenseite gelegen; es wurde abgegeben. Die Gruppenräume und das Gemeindebüro befinden sich jetzt in den renovierten Räumen im ersten Stock des ehemaligen Pfarrhauses aus dem Jahr 1911. Das Martinushaus steht links von der der Kirche, die Kita rechts.

Unter Mitwirkung des Architekturbüros Reuter & Wehr wurde außerdem ein neuer Pavillon mit einem knapp 90 qm großen Saal gebaut, in dem Veranstaltungen für bis zu 90 Personen stattfinden können. Pfarrerin Renate Dienst ist begeistert von dem naturfarbenen Holz, mit dem der Raum ausgekleidet ist. „Das wirkt hell und freundlich“, sagt sie. „Das Haus ist energetisch auf dem neusten Stand.“

Form und Material des Pavillons setzen sich bewusst von dem denkmalgeschützten Ensemble Kirche und Martinushaus ab und ordnen sich ihm unter. Der Saal öffnet sich mit einer großen Glasfront zum Kirchgarten hin, dessen dauernde Nutzung die Gemeinde jetzt auch hinzugewonnen hat. Der Pfarrgarten mit Blick in die Mainaue verbindet Kirche, Gemeindehaus und Pavillon.

Geplant ist 2018 noch die Renovierung der Obergeschosse und der Fassaden des Alten Martinushauses und der Kirche. Außerdem soll der Kirchplatz komplett neu gestaltet und dann barrierefrei zugänglich werden.

Eckenheim: Die neun Meter hohen Decken gibt’s noch

In der Nazarethgemeinde in Eckenheim wollte man vor allem den alten Gemeindesaal aus den 1950er Jahren mit den neun Meter hohen Decken erhalten. Das ist auch fast gelungen: Gemeindebüro und moderne Sanitäranlagen verkleinern den Saal nur um 20 Prozent.

Foto: Rolf Oeser

Die neue Küche, für die Abstellräume hinter der Bühne genutzt werden konnten, ist sogar größer geworden. Außerdem wurde die Empore ein Stück verlängert und zu einem Gruppenraum umgebaut. Es fehlt noch eine mobile Faltwand, mit deren Hilfe später einmal zwei Gemeindegruppen zur selben Zeit zusammenkommen können. „Ein Anliegen war uns außerdem ein Aufzug, der einen barrierefreien Zugang zum neuen oberen Gruppenraum ermöglicht“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzender Peter Blänkle.

Der Saal, in den jetzt 120 Personen passen, war schon immer beliebt im Stadtteil: In Eckenheim gibt es nämlich kein Bürgerhaus. Deshalb wird der Gemeindesaal auch weiterhin nicht nur für Feste und kulturelle Veranstaltungen der Kirchengemeinde genutzt, sondern auch als Tanzschul-Saal, Gymnastik-Raum für den Kindergarten und sogar als Wahllokal. „Moderne Veranstaltungstechnik und zeitgemäße Sanitäranlagen machen den Saal jetzt zukunftsfähig“, sagt Blänkle. „Es gab hier ja einen 50igjährigen Renovierungsstau.“

Die Renovierung des Sgraffitos an der Außenfassade mit vier Engeln, die Posaune spielen, macht jetzt noch sichtbarer, dass hier ein Gemeindehaus steht. Der Künstler Hans Heinrich Adam hatte es 1958 in die Fassade geritzt, zwischenzeitlich war das Sgraffito aber verputzt und dann nur aufgemalt worden. Jetzt wurde es mithilfe eines Zuschusses der Kirchenstiftung in der ursprünglichen Kratztechnik rekonstruiert. Auch der alte Schriftzug wurde wieder aufgemalt: „Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln,von den vier Windern her, von einem Ende des Himmels zum anderen“ (Matthäus 24,31).

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 21. August 2017 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Klaus Weißbecker schrieb am 21. August 2017

    Die Kirche muss bei den Menschen und für die Menschen da sein! Wrnn sie sich zurückzieht, geht sie den falschen Weg. Kirche vor Ort ist unverzichtbar. Nächstenliebe drückt sich durch praktische Hilfe aus. Die muss aber schnell erreichbar sein wie auch ein Gottesdienstort. Zentralisierung ist der falsche Weg. Schade, meine Kirche schafft sich ab!

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