Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke

E-Mail

E-Mail

Über jeden neuen Beitrag informieren wir Sie mit einer Nachricht per Mail.

Aktuell

Von – 12. September 2017

Wieviel Roboter verträgt das Segnen? Debatte über „BlessU-2“

Das „Kommunikationsexperiment“ aus Hessen hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Aber die Meinungen über den Segensroboter gehen auseinander.

„Als ob man den Ablassprediger Johann Tetzel zum Reformator erklären würde“, urteilte der Theologe Lukas Ohly von der Frankfurter Goethe-Universität bei einer Debatte in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Segnen sei eine Handlung, und das könnten nur Subjekte. Roboter seien aber Objekte.

Der Erfinder des Roboters, Fabian Vogt, Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für Kommunikationsprojekte, verteidigte „BlessU-2“. Die Maschine habe eine Debatte über die Folgen der Digitalisierung provozieren sollen. Provokation sei eine christliche Tugend – auch Jesus habe provokativ den Sabbat gebrochen.

„Wenn ich in ein Mikrofon spreche, werden meine Worte digitalisiert, ehe sie aus dem Lautsprecher kommen“, sagte Vogt. Etwas anderes tue „BlessU-2“ auch nicht, denn seine Frau und er hätten alle Segenssprüche des Roboters zuvor aufgesprochen. Zudem stammten alle Segenssprüche aus der Bibel. Es sei bei dem Projekt auch um die Frage gegangen, welches Gewicht das Wort Gottes an sich habe.

Ohly entwarf das Bild einer Zukunft, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen. Schon bald werde künstliche Intelligenz nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb menschlicher Körper wirken. Neurochips seien ein mögliches Beispiel dafür. „Was ist, wenn eine Pfarrerin mit einem Neurochip im Gehirn vor einem steht?“, fragte er. „Wer segnet dann?“

Kirchenpräsident Volker Jung sagte, man habe mit „BlessU-2“ Menschen ansprechen und berühren wollen. Die Reaktionen der Besucherinnen und Besucher der Wittenberger Weltausstellung, wo die Maschine zum Einsatz kam, hätten gezeigt, dass das gelungen sei. Aufmerksamkeit zu erregen, sei für dieses Ziel unabdingbar, das dürfe aber nicht ins Banale umschlagen. Die Diskussion um mögliche Folgen der Digitalisierung sei aber alles andere als banal. Er habe vor dem Beginn des Projekts mit sich gerungen und sich gefragt, ob man einen Roboter segnen lassen dürfe, und habe den Vorwurf der Blasphemie befürchtet.

Der Roboter „BlessU-2“, auf Deutsch „Ich segne dich auch“ hatte weltweit Schlagzeilen hervorgerufen. Der Roboter, der nach EKHN-Angaben als Kommunikationsexperiment gedacht ist, um nach den Folgen der zunehmenden Digitalisierung zu fragen und zum Nachdenken über den Segen anzuregen, sucht den Besuchern Segensworte aus der Bibel aus und sagt sie in sieben Sprachen zu, darunter auch auf Hessisch.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. September 2017 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

Artikel teilen: E-Mail Facebook Twitter Google+

epd-Nachrichten sind urheberrechtlich geschützt. Sie dienen hier ausschließlich der Information. Jede weitergehende Nutzung, insbesondere ihre Vervielfältigung, Veröffentlichung oder Speicherung in Datenbanken sowie jegliche gewerbliche Nutzung oder Weitergabe an Dritte ist nicht gestattet.

Meistgelesene Artikel

Kommentare zu diesem Artikel

  • H. Bornheimer schrieb am 12. September 2017

    Fantastisch. Aber das kann nur der erste Schritt sein. Nach dem Segnen gilt es, auch alle anderen überkommenen und in der heutigen Zeit total überkommenen Handlungen (man denke nur an die inzwischen doch reichlich überflüssigen Gottesdienste!) der Pfarrer zu roboterisieren. Dann können sich unsere evangelischen Fachkräfte endlich voll auf ihre eigentlichen Aufgaben (Kampf gegen den Kapitalismus, Rettung des Weltklimas, Gender, Fair Trade, Kampf gegen Rechts, …) konzentrieren.

Kommentar schreiben

Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, Kommentare werden vor der Veröffentlichung freigeschaltet.