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Von – 12. Oktober 2017

25 Jahre Jugendhaus am Heideplatz

Fünfundzwanzig Jahre Jugendhaus Heideplatz in Trägerschaft des evangelischen Vereins sind ein Grund zum Feiern. Dabei hat es die Einrichtung nicht immer leicht gehabt.

Zum Jugendhaus Heideplatz gehört auch eine Turnhalle. Foto: Rolf Oeser

Nach seiner Eröffnung 1992 in einem ausgedienten Umspannwerk in Bornheim wurde das Jugendhaus am Heideplatz im Nordend eine Zeitlang von den „Turkish Powerboys“ dominiert. Das war eine Gruppierung von jungen Türken, die im Frankfurter Norden mit Gewalt, Drogen und Kriminalität von sich reden machten. Heute dagegen fühlen sich Jugendliche aus allen Kontinenten im Jugendhaus „wie zuhause bei Freunden“, wie es einer der Jugendlichen auf der Jubiläumsfeier ausdrückte.

Nachdem die Turkish Powerboys Hausverbot bekommen hatten, bildete sich in den Anfangsjahren am Heideplatz eine „Solidargemeinschaft von Einwandererkindern, die sonst kaum Unterstützung bekam“, erzählt Ulrich Kratz, der erste Leiter des Jugendhaus von 1992 bis 2000. Auch heute stammt die Mehrheit der täglich bis zu 150 Besucherinnen und Besucher aus eher bildungsfernen, weniger gut situierten Familien. Die wenigsten haben ein eigenes Zimmer und ihre Eltern wissen kaum etwas über die Probleme ihrer Kinder.

Pädagogische Leitlinien waren von Anfang an Beziehungsaufbau und in den Alltag eingebettete kulturelle Bildung. „Bindung und Beziehungsarbeit“ sind auch heute noch für Sozialarbeiter Andreas Funk die Basis seines Berufs. Der jetzige Leiter Gert Neuwirth spricht sogar von einer „Lebensschule“, in der es darum gehe,  „Aushandlungsprozesse“ zu lernen, ohne die man auch in Schule, Ausbildung und Beruf nicht zurechtkomme.

Schon Ulrich Kratz war klar, dass sich bei vielen Jugendlichen über Sport, Tanz und Musik Kompetenzen aufbauen, die in der Schule nicht abgefragt werden. In den ersten zwei Jahren Jugendhaus Heideplatz entwickelten sich zwanzig Bands, die im Keller probten und fünf feste Sportgruppen, erinnert er sich.

Eine Vielzahl von selbständig organisierten Gruppen, aber auch feste Angebote für Jugendliche von 13 bis 21 Jahren gibt es bis heute. In dem knapp 1000 Quadratmeter großen Haus stehen ihnen jeden Tag von 14 bis 22 Uhr eine große Sporthalle, ein Fitnessraum, Billard- und Kickertische, Tischtennisplatten, einen Discoraum mit DJ-Pult und großem Spiegel, zwei Musikräume mit Schlagzeugen, Keyboards, Verstärkern und Mikros oder Internetplätze mit Videoschnittmöglichkeit und Lernsoftware zur Verfügung. Andreas Funk, seiner Kollegin Laura Müller und Gert Neuwirth bieten Hilfe bei den Hausaufgaben und Beratungsgespräche an.

Dienstags können Jugendliche sich unter Anleitung an der Graffitiwand erproben, mittwochs ihre Begabung im Musiklabor testen und sich donnerstags an einem Filmprojekt beteiligen. Wer gerne kocht, hat auch dazu mit Andi Gelegenheit. Das Team gibt auf seiner Facebook-Seite ständig bekannt, was im Jugendhaus sonst noch läuft. Natürlich kann man sich auch einfach so dort treffen, chillen, reden, Freunde treffen. Wesentlich sind Selbstbestimmung und gegenseitiger Respekt.

25 Jahre sind kein Selbstläufer: Kurze Zeit nach der Eröffnung, 1995, drohte aufgrund schwieriger Haushaltslage in der Stadt die Schließung der Einrichtung. Dagegen klagte der evangelische Verein für Jugendsozialarbeit unter Vorsitz von Pfarrer Jürgen Mattis. Er musste die Streichung von sechs auf drei Sozialarbeiter-Stellen hinnehmen. Außerdem zogen das Frankfurter Kinderbüro und der Eritreisische Jugendtreff ein, so dass Miete gespart werden konnte. Aber so konnte das Jugendhaus bis heute bestehen.

Mattis, auch heute noch Vorsitzender des Vereins und Leiter des zuständigen Fachbereichs im Evangelischen Regionalverband gilt das Jugendhaus als Basis für gesellschaftliche Integration und Prävention im Stadtteil. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kooperieren unter dem Kürzel PIT (Prävention im Team) eng mit Schulen und der Polizei. „Hier werden täglich junge Menschen, die eher am Rand der Gesellschaft stehen, in eine Anerkennungskultur hineingenommen. Bildungsprozesse werden in Gang gesetzt und Konflikte konstruktiv ausgetragen, das wirkt sich auf die ganze Stadtgesellschaft aus“, unterstreicht der Pfarrer.

Von den lokalen Jugendhäusern war das am Heideplatz das erste, das bereits im Dezember 2014 für minderjährig unbegleitete Flüchtlinge offenstand. Bis heute werden regelmäßig Sprachkurse angeboten. Im vergangegen Jahr inszenierten Andreas Funk, der auch als Theaterpädagoge ausgebildet ist und die Medienpädagogin Laura Müller mit einheimischen und geflüchteten Jugendlichen sogar ein einstündiges „Rapical“: Mit Sprechgesang, Tanz und Theatersequenzen erzählten 25 Mädchen und Jungen von ihrer Hoffnung auf eine besser Welt.  Das Projekt wird fortgeführt.

„Ich möchte mal wissen, wie du das die ganze Zeit mit uns aushältst?!“ fragte einer der Jugendlichen Leiter Gert Neuwirth auf einem Podium zum 25-jährigen Jubliläum. „Ich liebe Euch eben“, antwortete der prompt. „Ihr seid mir wichtig. Und nicht zuletzt deshalb wünsche ich mir für eines der letzten großen Jugendhäuser in Frankfurt Planungssicherheit.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. Oktober 2017 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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