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Von – 5. Oktober 2017

Eine Unsitte mit Geschichte

Man kann dem nicht entkommen: Auf Bürofluren, in Kantinen und manchmal sogar auf der Toilette erschallt zur Mittagszeit der Kurzbefehl „Mahlzeit!“

Ralf Bräuer. Foto: Rui Camilo

Auch wenn man wie ich gar kein Mittagesser ist oder nachweislich zum nächsten Termin hastet, wird man zwischen halb zwölf und halb zwei in vielen Büros mit „Mahlzeit!“ gegrüßt. Ich weiß, es gibt wichtigere Dinge im Leben, als sich darüber Gedanken zu machen. Aber ich finde dieses „Mahlzeit!“ irgendwie merkwürdig. Die Deutsche Knigge-Gesellschaft hält es übrigens auch für unangebracht. Und es gibt sogar Firmen, die ihre Mitarbeitenden in den Leitlinien darauf hinweisen, von „Mahlzeit!“ abzusehen.

Aber irgendwoher muss es ja kommen. Ich habe mich kundig gemacht, und die Geschichte geht so: Gaaanz früher hat man bei Tisch richtig gebetet. Die Gebete wurden mit der Zeit immer kürzer, bis nur noch ein „Gesegnete Mahlzeit“ übrig blieb. Und selbst diese Kurzformel ist dann noch einmal weiter auf „Mahlzeit!“ geschrumpft.

Ich plädiere für eine Reform des Mittagsgrußes: Erstens das „Mahlzeit!“ streichen (wer es nicht lassen kann, sollte wenigstens auf der Toilette darauf verzichten). Stattdessen in der Kantine „Gesegnete Mahlzeit!“ wünschen, oder sogar ein Tischgebet sprechen. Und drittens würde ich auf dem Flur „Eine schöne Mittagszeit“ bevorzugen.

Aber am Wichtigsten ist und bleibt natürlich, dass man sich überhaupt grüßt.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 5. Oktober 2017 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt".

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