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Von – 4. Oktober 2017

Evangelische Seelsorgekonferenz: „Gefängnisse müssen leerer werden“

Neun von zehn Gefängnisinsassen sitzen dort wegen kleinerer Delikte. Die meisten von ihnen sind arm oder drogenabhängig und deshalb straffällig geworden. Die Konferenz der Evangelischen Gefängnisseelsorge will deshalb eine ethische Debatte über die Gerechtigkeit im Justizvollzugssystem anstoßen. 

Blick aus der Justizvollzugsanstalt Preungesheim. Foto: Renate Hoyer

Die Evangelische Konferenz für Gefängnisseelsorge möchte, dass die Gefängnisse in Deutschland leerer werden. Dafür müsse es Änderungen im Strafrecht und in der Drogenpolitik geben, heißt es in einem Diskussionspapier, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz am 29. September in Frankfurt präsentierten.

In einem zweijährigen Prozess hatte eine Arbeitsgruppe das Papier mit dem Titel „Zur Zukunft des Gefängnissystems“ entwickelt. Deutschlandweit gibt es derzeit rund 13.000 Gefangene in Untersuchungshaft, wie der Vorsitzende der Konferenz, Ulli Schönrock, sagte. 89 Prozent davon säßen wegen kleinerer Delikte ein.

Es gehe darum, gar nicht erst straffällig zu werden und zum Beispiel auf das Schwarzfahren zu verzichten, sagte Adrian Tillmanns, stellvertretender Vorsitzender der Konferenz. Die meisten Menschen, die im Gefängnis sitzen, seien arm und deswegen dort gelandet. Auch immer mehr ältere Menschen seien betroffen. Deswegen schlägt die Konferenz ein kostenloses Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr vor. Auch in der Drogenpolitik müsse es ein Umdenken geben. Nach Auffassung der Konferenz soll es zum Beispiel möglich sein, Cannabis auf Rezept kaufen zu dürfen.

Auch die Angehörigen von Inhaftierten müssten mehr berücksichtigt werden, forderte Barbara Zöller von der Angehörigenarbeit der Justizvollzugsanstalt Butzbach. Insbesondere Kinder litten oft unter der Situation. Längere Besuchs- und Telefonzeiten wären nach Zöllers Worten ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Mit dem Diskussionspapier wolle die Konferenz einen Diskurs in Kirche und Politik anregen. Die letzte bundesweite Debatte liege 25 Jahre zurück. 1990 veröffentlichte die Evangelische Kirche in Deutschland unter dem Titel „Strafe – ein Tor zur Versöhnung?“ eine Denkschrift. Seitdem hat es nach Einschätzung der Konferenz keine Reform mehr gegeben. Das Thema sei in den vergangenen Jahren aus der gesellschaftlichen Debatte verschwunden.

Die Evangelische Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland ist der Zusammenschluss von fast 300 evangelischen Seelsorgern in den Justizvollzugsanstalten Deutschlands. Die Pfarrerinnen und Pfarrer begleiten Mitarbeitende, Insassen und Angehörige.
Internet: www.gefaengnisseelsorge.de

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 4. Oktober 2017 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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