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Von – 23. Oktober 2017

„Nicht nur der Islam gehört zu Deutschland“

Das Interesse war riesengroß: Dicht gedrängt schoben sich die Besucherinnen und Besucher gestern beim ersten Frankfurter „Tag der Religionen“ durch die Römerhalle und informierten sich über die verschiedenen Glaubensgemeinschaften.

Am buddhistischen Stand in den Römerhallen. Foto: Ilona Surrey

„Wir sind von dem Andrang überwältigt“ sagte Joachim Valentin. Der Katholik ist Vorsitzender des Frankfurter Rats der Religionen, der den Tag veranstaltet hat. Trotz des Trubels gebe es an den Ständen gute Gespräche: „Hier gibt es Religion zum Anfassen: Menschen, Essen, Gebete und Gesänge.“

Die neun im Rat der Religionen vertretenen Glaubensgemeinschaten – Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Islam, Judentum, die Sikh-Religion, die Baha’i und die Mormonen – präsentierten sich und ihren Glauben an Info-Ständen. Besonders wichtig war dabei die persönliche Präsenz: Vertreterinnen und Vertreter standen dem Publikum für alle Fragen zur Verfügung. Ergänzt wurde das messeähnliche Geschehen durch ein reichhaltiges Bühnenprogramm, bei dem auch Gebete und Gesänge erklangen.

Muslimisch-christlicher Austausch am Stand der Kirchen. Foto: Ilona Surrey

Der Hindu Sunny Narulla zeigte sich ebenfalls überwältigt von der Resonanz: „Unsere Erwartung wurde übertroffen.“ Daniel Kempin von der jüdischen Gemeinde ist nicht nur vom Zuspruch begeistert, sondern auch vom gewählten Veranstaltungsort: „Aus politischen Gründen ist es ganz wichtig, dass wir hier im Römer versammelt sind.“

Kempin bedauert, dass der deutsche Staat die hohen Feiertage der religiösen Gemeinschaften nicht würdigte. Er vermisse etwa ein Grußwort der Bundeskanzlerin zum jüdischen Neujahrsfest oder zum Ramadan. Die Religionsgemeinschaften, auch die kleineren, wollten stärker wahrgenommen werden: „Die Gesellschaft ist längst multireligiös, und nicht nur der Islam gehört zu Deutschland.“ In Frankfurt hat die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner einen Migrationshintergrund. Zwar gehören viele von ihnen christlichen Gemeinschaften an, es kommen aber auf diese Weise eben auch zahlreiche andere Religionen aus aller Welt hierher. „Und die meisten dieser Menschen sind hoch religiös“, betont Joachim Valentin.

Vielleicht auch deshalb veröffentlicht der Frankfurter Kirchendezernent Uwe Becker zu den unterschiedlichsten religiösen Feiertagen Grußworte. Und seine Kollegin Sylvia Weber, Bildungs- und Integrationsdezernentin in Frankfurt, betonte, dass trotz aller Vielfalt die Religionen in Frankfurt gemeinsamen Werte vertreten.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 23. Oktober 2017 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Werner Hellwich schrieb am 23. Oktober 2017

    Nehmen wir mal an, ich bin Heide und glaube an meinen Gott. Nun ziehe ich mit meiner Familie nach Peru.
    Die idee, dass meine Religion dann zu diesem Land gehört, ist mir völlig fremd.
    Eine wirkliche Zugehörigkeit zu einem Land entsteht von allein und gerade im feinen Religiösen absichtslos, es dauert viele Generationen.

    Und wenn man das ohne Absichtslosigkeit forciert, entstehen einfach nur Gegenkräfte und Konflikte.

    Eine fremde Relgion kommt dann im Land wirklich an, wenn sie sich nicht aufdrängt, sondern, wenn sie sich bewährt.

    Die Religionsfreiheit im Grundgesetz zum Beispiel, ist das Ergebnis eines hunderte Jahre Lernprozess von Heidentum, Christentum und Judentum.

    Das eine fremde Religion ankommt, geht nicht über Nacht.

  • G. Mueller-Debus schrieb am 27. Oktober 2017

    Eine in Europa bis heute fremde Religion wie der Islam wird nicht dadurch zu einer Religion, die „zu einem Land gehoert“, dass man dies schlicht verordnet oder per ordre mufti feststellt.

    Das waere wohl ein Prozess, der sich ueber mehrere Generationen erstrecken und so eine gewisse Tradition generieren muesste. Eine ganz wichtige Voraussetzung fuer einen solchen, sich dann entwickelnden Prozess waere aber, dass der Islam den Alleinvertretungsanspruch aufgibt und Toleranz zeigt. Dazu ist diese Religion bisher weitgehend nicht bereit, die ja sogar erkalertermassen den Primat des GG in Deutschland ablehnt und als allein gueltigen Massstab die Scharia gelten lassen will.

    Solange das so bleibt, ist es aussichtslos, den Islam als einen Teil Deutschlands oder Mitteleuropas zu sehen. Sowas ist schlichte Traeumerei oder Naivitaet.

  • Antje Schrupp schrieb am 28. Oktober 2017

    @G. Mueller-Debus – Die allermeisten Musliminnen und Muslime, die in Deutschland leben, erkennen das Grundgesetz als für alle verbindlichen Maßstab an.

  • G. Mueller-Debus schrieb am 28. Oktober 2017

    Wishful thinking….leider….sicherlich viele, aber laengst nicht genug….
    Wie kann es sein, dass in so vielen Moscheen immer wieder Hasspredigten stattfinden koennen…wie kann es sein, dass man von fast keinem Muslim und von kaum einem Moschee-Vorstand etwas hoert, wenn wieder einmal ein Anschlag stattgefunden hat…?

  • Antje Schrupp schrieb am 29. Oktober 2017

    @G. Mueller-Debus – Ich glaube, Sie haben da eine verzerrte Wahrnehmung. Nach jedem Anschlag distanzieren sich fast alle Muslime, und sehr viele Moscheen ganz selbstverständlich. Hier wird von einigen Extremen auf eine ganze Religion geschlossen, zu unrecht. Das trifft nicht die Realität.

  • G. Mueller-Debus schrieb am 29. Oktober 2017

    @ A. Schrupp
    Ich wuerde mich sogar freuen, wenn ich da eine „verzerrte Wahrnehmung“ haette, wie Sie formulieren….
    Ausser von den relativ liberalen Ahmadhiya hoerte man bislang so gut wie nichts von anderen islamischen Organisationen. Das war ja besonders deutlich gewesen bei den Uebergriffen auf der Koelner Domplatte Silvester 2015/16 – und danach immer wieder bei terroristischen Anschlaegen, wo die breite Masse der Muslime und ihre Organisationen meist in Schweigen verharrten. Da hat sich so mancher gefragt, ob ihnen vom Ditib oder anderen moslemischen Organisationen, die sich zu Fragen von Schweinefleischverboten, Kopftuchregeln, muslimischen Feiertagen in Deutschland (!) usw. bekanntlich immer schnell und gern aeussern, schlicht das Wort verboten wurde.

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